Autogramm Pagani Huayra: Explosion im Rücken

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Pagani Huayra: Einschlagender Neuwagen Fotos
Pagani

In San Cesario Sul Panaro sitzt die kleine Auto-Manufaktur Pagani. Deren neues Modell Huayra ist so brutal wie kaum ein anderer Sportwagen - und gehört zum Exklusivsten, was man kaufen kann. Allein der Zündschlüssel ist ein Kunstwerk.

Der erste Eindruck: Erst pfeift es, dann zischt es und dann kommt das Gebrüll - so klingt der Zwölfzylindermotor des Pagani Huayra. Genauso irrwitzig ist das Gefühl, wenn man beim Beschleunigen nach hinten gepresst wird. So ähnlich müssen sich Jetpiloten fühlen, kurz bevor ihre Maschine abhebt.

Das sagt der Hersteller: Genau dieses Gefühl war für Firmenchef Horacio Pagani das Leitmotiv bei der Entwicklung des Huayra, der seinen Namen von der Gottheit des Windes aus der Inka-Mythologie hat. Das Jet-Gefühl beim Anfahren und der Name sind übrigens nicht die einzige Parallelen zur Aeronautik. An der Karosserie gibt es vorn und hinten je zwei Luftleitklappen wie an den Tragflächen eines Düsenjets. Vom Bordcomputer gesteuert, öffnen und schließen sie sich automatisch immer dann, wenn der Wagen in schnellen Kurven, bei Zwischenspurts oder beim Bremsen zusätzlichen Abtrieb benötigt. "So etwas bietet außer uns niemand", sagt Pagani-Sprecher Luca Venturi stolz.

Das ist uns aufgefallen: Wie brachial der Pagani die Kraft auf die Straße bringt. Das ist kein Vergleich mit dem Ferrari F12, der sogar noch zehn PS mehr leistet. Der sechs Liter große V12-Motor ist eine Ableitung jenes Triebwerks, das sonst vergleichsweise züchtig in Autos wie dem SL 65 oder im G 65 zu Werke geht. Für Pagani aber wurde das Monster vom Mercedes-Haustuner AMG noch mal aufgepumpt. Der Vortrieb ist roh und brutal. Wenn bis zu 1000 Nm Drehmoment an den Reifen reißen und lediglich 1350 Kilogramm Gewicht bewegt werden müssen, kommt das dem K.o.-Punch eines Preisboxers gleich.

Binnen 3,3 Sekunden schießt das Auto von 0 auf 100, bis zu 360 km/h Spitzengeschwindigkeit sind möglich. Trotz der heftigen Schläge aus dem nahezu ungefederten Fahrwerk hat man das Auto überraschend locker im Griff. Wer über Land fährt, fühlt sich ein bisschen wie ein Formel-1-Pilot beim Sonntagsausflug.

Was fast noch mehr auffällt als die Fahrleistungen des Huayra ist die Opulenz der Ausstattung. Leder in kräftigen Farben, Karbon, Chrom, geschliffenes Glas und blankes Aluminium - so schillernd treiben es nicht mal Rolls-Royce oder Bentley. Die aus dem vollen gefrästen Instrumente wirken wie die Auslage bei Tiffany's. Der offen geführte Schaltknüppel ist ein Schmuckstück der Feinmechanik und die mit Gürtelschnallen geschlossenen Klappen und Hauben sind eine Anspielung auf Rennwagen der Vorkriegszeit.

Dabei ist Retro das Letzte, was Pagani im Sinn hat. Trotz der barocken Pracht steckt der Wagen voller Hightech. Das Navigationssystem und das Cockpit mit der frei programmierbaren Farbe der Beleuchtung sind noch das Geringste. Dazu gesellt sich ein - wie in der Formel 1 - hinten quer montiertes, automatisiertes Sieben-Gang-Getriebe des deutschen Zulieferers Xtrac. Unter der Karbonhülle steckt ein Monocoque, in dem Karbon- und Titanfasern miteinander verwoben sind und der Rennauspuff aus Titan wiegt lediglich zehn Kilogramm.

Das muss man wissen: Pagani ist der kleinste und feinste Sportwagenhersteller in Europa. Der Huayra ist erst das zweite Modell des Patrons aus Argentinien, der sein Handwerk bei Lamborghini gelernt und sich in den 90er Jahren in der Nachbarschaft selbständig gemacht hat. Das Debüt auf der Überholspur gab Pagani mit dem zuletzt bis zu 750 PS starken Zonda, der lange Zeit das schnellste Serienauto auf der Nordschleife des Nürburgrings war.

Nach exakt 131 Exemplaren in gut zehn Jahren wurde jetzt die Produktion des Nachfolgemodells Huayra gestartet. Komplett in Eigenregie entwickelt und vollständig von Hand gebaut, entsteht ein Auto im Laufe von vier Monaten. Kein Wunder, dass Pagani aktuell kaum mehr als 20 Autos im Jahr fertig stellt und damit noch exklusiver ist als Bugatti. Auch wenn auf der Straßenseite gegenüber gerade eine neue Fabrik hochgezogen und damit die Kapazität verdoppelt wird, dürfte es dauern, bis die derzeit hundert Vorbestellungen für den Huayra abgearbeitet sind.

Die Wartezeit können Interessenten sinnvoll nutzen - zum Beispiel mit Sparen: Schließlich kostet der Huayra 892.000 Euro plus Steuern. Auch in dieser Disziplin kommt das Auto dem Bugatti sehr nah.

Das werden wir nicht vergessen: Das unglaubliche Gefühl, wenn man den Schlüssel für den Huayra in der Hand hält. Nicht nur, weil er groß ist wie ein Mobiltelefon und am Bartresen auch der Letzte erkennt, mit was für einem exklusiven Auto man gerade vorgefahren ist. Sondern auch, weil allein die aus einem faustgroßen Alublock gefräste Skulptur schon tausend Euro kostet und man sonst eigentlich nie so viel Geld in der Tasche hat.

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1. Leicht und locker
ohnefilter 08.10.2012
Leicht und locker - so, wie das Lebensgefühl vieler Landsleute seit der Wende. Deutschland kann es eben auch!
2. Naja
Ein_Forum_Schreiber 08.10.2012
Zitat von sysopPagani In San Cesario Sul Panaro sitzt die kleine Auto-Manufaktur Pagani. Deren neues Modell Huayra ist so brutal wie kaum ein anderer Sportwagen - und gehört zum Exklusivsten, was man kaufen kann. Allein der Zündschlüssel ist ein Kunstwerk. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/sportwagen-pagani-huayra-aus-italien-exklusiver-geht-es-nicht-a-859001.html
Irgendwie vermisse ich die Zeiten als Autos noch "designed" wurden und nicht nur von Techniker gebaut. Ein Lamborghini Miura, Ferrari 250 GTO/ Daytona Spyder, Mercedes C111 sind einfach schöne Autos. Ob der Wagen 400 oder 700 PS hat ist im Endeffekt egal, ausfahren kann man es sowieso nicht.
3. kfz.......
waldhummel 08.10.2012
artikel dieser art passen meiner meinung nach nicht zum spiegel. wer über derartige spielzeuge so schwärmerisch schreibt, bräuchte an anderer stelle nicht kleinkariert tun und irgendwelche umweltdinge anprangeren. auf welcher seite steht der spiegel eigentlich ? ja, wo denn ?
4. Naja
huettenfreak 08.10.2012
Was sind das für riesig lange Wohnwagenspiegel? Von außen sieht der Wagen ja ganz nett aus aber die Bentley-Atmosphäre im Inneren passt irgendwie nicht dazu.
5. Schade
Brigante 08.10.2012
Zitat von sysopPagani In San Cesario Sul Panaro sitzt die kleine Auto-Manufaktur Pagani. Deren neues Modell Huayra ist so brutal wie kaum ein anderer Sportwagen - und gehört zum Exklusivsten, was man kaufen kann. Allein der Zündschlüssel ist ein Kunstwerk. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/sportwagen-pagani-huayra-aus-italien-exklusiver-geht-es-nicht-a-859001.html
Nach dem dritten Bild muss/kann man getrost abschalten und sich weiter in der Nachbarschaft von San Cesario umsehen.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Pagani
Typ: Huayra
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: V12-Benzin-Direkteinspritzer-Biturbo
Getriebe: Siebengang sequenziell
Antrieb: Heck
Hubraum: 5.980 ccm
Leistung: 730 PS
Drehmoment: 1000 Nm
Von 0 auf 100: 3,3 s
Höchstgeschw.: 360 km/h
Verbrauch (ECE): 15,0 Liter
CO2-Ausstoß: 343 g/km
Gewicht: 1.350 kg
Maße: 4605 / 2036 / 1169
Preis: 1.061.480 EUR


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