Effizienzerziehung für Autofahrer: Spielen und sparen

Effizienzerziehung für Autofahrer: Lasst Blumen blühen Fotos
Fiat

Moderne Autos lassen sich verbrauchsarm steuern - der Mensch muss es nur wollen. Um ihre Kunden zu sparsamen Fahrern zu erziehen, fördern Fahrzeughersteller den Spieltrieb am Steuer.

2,8 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern, in einer normalen Straßenlimousine - das geht tatsächlich. John und Helen Taylor haben es mit einem VW Passat TDI vorgemacht. Das Ehepaar hält den Weltrekord im Spritsparen. Ihre Grundregel lautet: Gelassen fährt es sich am sparsamsten. Das bedeutet vor allem, die Gänge früh hochzuschalten und ohne abrupte Beschleunigungen gleichmäßig zu fahren. Klingt eigentlich ganz einfach.

Trotzdem ertappt man sich als Durchschnittsfahrer fast täglich dabei, wie diese Regeln über Bord geworfen werden - im zähen Verkehr oder in der Kolonne, wo man nur mittreibt. Ein Paradebeispiel ist jedoch der kurze Sprint, um es bei Gelb noch über die Ampel schaffen: Zeit wird dadurch meist kaum gewonnen, dafür viel Sprit verblasen.

Eigentlich sollten die hohen Benzinpreise genug Anreiz sein, die oberste Regel der Taylors einzuhalten. Wer beim Autofahren die ständige Herausforderung des Spritsparens sucht, dem bieten einige Fahrzeughersteller Motivationshilfen. Mit Wettbewerben, kleinen Belohnungen und Gemeinschaftsgefühl wollen sie ihren Kunden einen sanften Fahrstil schmackhaft machen.

"Zu viel Motivation ist nicht gut"

Dass diese Spielereien Sinn machen, bestätigt Rüdiger Born. "Der Fahrer erfährt dadurch, wie der Motor funktioniert", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Niedergelassener Verkehrspsychologen, "und die Belohnungen und Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Fahrern können zu einer Umstellung der Fahrweise motivieren."

Gleichzeitig warnt er aber davor, den kleinen Programmen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken: "Damit kann man sich im Auto auch überfordern", sagt Born. Zu sehr sollte man sich von den virtuellen Spritspar-Rankings und Belohnungssystemen deshalb nicht unter Druck setzen lassen. "Zu viel Motivation ist nicht gut - Sicherheit sollte bei Autofahren immer noch die oberste Priorität haben."

In der folgenden Auflistung stellen wir Ihnen einige Bespiele vor.

Fiat: Oh, wie schön ist Ecoville

Fiat eco:Drive: Sprit sparen und ab nach Ecoville Zur Großansicht
Fiat

Fiat eco:Drive: Sprit sparen und ab nach Ecoville

Fiat hat für genügsame Fahrer eine eigene Stadt gegründet - wenn auch nur virtuell: eine Netzgemeinde namens Ecoville. Bislang haben sich laut Angaben eines Fiat-Sprechers europaweit 70.000 Nutzer für die Online-Community registriert. Voraussetzung für den Einzug in Ecoville ist ein Auto mit dem Telematiksystem Blue&Me von Microsoft. Serienmäßig bietet Fiat das System in den Modellen 500, Grande Punto, Bravo und Qubo.

Über die Software eco:Drive, die sich kostenlos auf einen USB-Stick laden und an das System anschließen lässt, werden unter anderem über die Daten des Navigationssystems die Topografie der gefahrenen Strecken und der Spritverbrauch ausgelesen. Zusätzlich speichert das Programm das Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie die Schaltvorgänge. Anhand dieser Daten wird ein sogenannter Eco-Index ermittelt - je sparsamer der Fahrstil, desto höher der Indexwert. Gegebenenfalls bekommt der Fahrer dann Tipps, wie er sparsamer unterwegs sein kann. Wer die Vorgaben beherzigt, kann laut Fiat den Spritverbrauch um bis zu 15 Prozent senken - und so zu einem Vorzeigebürger von Ecoville werden.

Opel: Bloß nicht den Ball flachhalten

Display im Opel Ampera: Bei verschwenderischer Fahrweise verrutscht die grüne Kugel Zur Großansicht
Opel

Display im Opel Ampera: Bei verschwenderischer Fahrweise verrutscht die grüne Kugel

Mit einem Bleifuß lässt sich schlecht ein Ball jonglieren - das will die Fahreffizienz-Anzeige im Opel Ampera lehren. In dem Elektroauto mit Range Extender wird eine grüne rotierende Kugel im Instrumentendisplay angezeigt. Sie gibt Rückmeldung, wie energiesparend der Fahrstil ist. Tritt der Chauffeur zu heftig aufs Gas, wird der Ball gelb und hüpft nach oben. Bei einem abrupten Bremsvorgang fällt er nach unten. Dreht sich der Ball grün und gleichmäßig in der Mitte, macht man am Steuer alles richtig - und holt die maximale Reichweite aus dem Fahrzeug.

Mini: Verbinden und vergleichen

Minimalim Analyser im Mini: Punkte und Sternchen sammeln Zur Großansicht
Mini

Minimalim Analyser im Mini: Punkte und Sternchen sammeln

Beim Mini belohnt der sogenannte Minimalism Analyser eine sparsame Fahrweise mit Punkten und Sternchen - je nachdem, wie korrekt man beschleunigt, bremst und schaltet. Der Fahrer kann beispielsweise für regelmäßig gefahrene Strecken jeweils Punkte ermitteln und versuchen, einen persönlichen Highscore zu erzielen.

Zusätzlich ist ein Ranglistenvergleich mit anderen Mini-Besitzern möglich, wenn man die Minimalism-Analyser-App auf seinem Smartphone benutzt und es mit dem Fahrzeug verbindet. Sieht der Fahrer auf dem Tacho-Display oder dem Smartphone außerdem viele Sternchen, ist das ein gutes Zeichen: Damit wird angezeigt, dass er in den vergangenen zehn Minuten Gaspedal und Bremse vernünftig eingesetzt hat. Die App ist kostenlos - Voraussetzung für den Minimalism Analyser ist aber die 250 Euro teure Sonderausstattung Mini Connect.

Ford: Mit Flower-Power zum Eco-Champion

EcoMode von Ford: Spritsparen bis zur Pokalübergabe Zur Großansicht
Ford

EcoMode von Ford: Spritsparen bis zur Pokalübergabe

Ford macht Autofahrer zu Hobbygärtnern. Der Fahrassistent EcoMode zeigt im Display des Armaturenbretts eine zweiblättrige Blume an, der durch frühes Schalten und gleichmäßiges - sowie nicht zu schnelles - Fahren drei weitere Blätter hinzugefügt werden können. Stellen sich die Fahrer besonders geschickt an, kürt EcoMode sie zu Eco-Champions und blendet einen Siegerpokal ein.

Die disziplinierte Fahrweise soll sich aber nicht nur virtuell auszahlen: Werden die EcoMode-Vorgaben befolgt, lässt sich laut Ford der Spritverbrauch um fast ein Viertel senken. Das System wird derzeit in den jungen Baureihen der Modelle Focus, Mondeo und Fiesta angeboten.

Honda: Zu schnell, zu blau

Eco Guide von Honda: Lehrreiches Farbspiel auf Knopfdruck Zur Großansicht
Honda

Eco Guide von Honda: Lehrreiches Farbspiel auf Knopfdruck

Honda bietet in den Hybrid-Modellen Insight, Jazz und CR-Z den sogenannten Eco Guide an, der per Schalter aktiviert werden kann. Dann beginnt ein Farbenspiel auf der Tachoanzeige: Bei schneller Beschleunigung und raschem Bremsen leuchtet der Hintergrund blau, bei effizienter Fahrweise grün. Gleichzeitig gedeiht durch das Spritsparen eine Blume auf dem Display. Wird verschwenderisch gefahren, blättert die Pflanze wieder ab. Jede Fahrt wird auf diese Weise bewertet und mit der darauffolgenden verglichen. Steigert sich der Fahrer dabei, winkt ihm ein Pokal - und das gute Gewissen, Geld gespart und verantwortungsvoll mit dem Kraftstoff umgegangen zu sein.

cst

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insgesamt 30 Beiträge
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1.
franneck 04.07.2012
Zitat von sysopFiatModerne Autos lassen sich verbrauchsarm steuern - der Mensch muss es nur wollen. Um ihre Kunden zu sparsamen Fahrern zu erziehen, fördern Fahrzeughersteller den Spieltrieb am Steuer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,842225,00.html
Die Umwelt interessiert sich nicht für Durchschnitts-, sondern Absolutverbräuche. All die Diskussion um spritsparende Fahrweise bringt wenig, wenn die Menschen nicht lernen, nicht für jedes halbe Brötchen das Auto aus der Garage holen zu müssen.
2.
spf2000 04.07.2012
Zitat von sysopFiatModerne Autos lassen sich verbrauchsarm steuern - der Mensch muss es nur wollen. Um ihre Kunden zu sparsamen Fahrern zu erziehen, fördern Fahrzeughersteller den Spieltrieb am Steuer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,842225,00.html
Wieso nur moderne? Auch alte Autos lassen sich verbrauchsarm steuern. Seit bestimmt 30 Jahren gibt es für jeden die Möglichkeit sparsam zu fahren. Teilweise sogar besser, weil man keine Armada an Bordcomputern ständig mit Strom versorgen muß. Daß nur neue und neueste PKW sparsam sind ist Marketing und hat mit der Wirklichkeit nicht immer viel gemeinsam.
3.
daskänguru 04.07.2012
Zitat von franneckDie Umwelt interessiert sich nicht für Durchschnitts-, sondern Absolutverbräuche. All die Diskussion um spritsparende Fahrweise bringt wenig, wenn die Menschen nicht lernen, nicht für jedes halbe Brötchen das Auto aus der Garage holen zu müssen.
interessiert sich die Umwelt auch nicht für Absolutverbräuche. Selbst bei 20 Grad wärmer ist das Umwelt egal die tauscht mal schnell ein paar Lebewesen aus und gut. Egal ob -70 Grad oder + 70 Grad verstrahlt verseucht egal es gibt immer irgendwelche Lebewesen die sich da wohl fühlen.
4. das 0-Liter Auto ist möglich
dieter_huber 04.07.2012
insbesondere für Pendler: http://www.dynamic-ridesharing.de
5.
franneck 04.07.2012
Zitat von daskänguruinteressiert sich die Umwelt auch nicht für Absolutverbräuche. Selbst bei 20 Grad wärmer ist das Umwelt egal die tauscht mal schnell ein paar Lebewesen aus und gut. Egal ob -70 Grad oder + 70 Grad verstrahlt verseucht egal es gibt immer irgendwelche Lebewesen die sich da wohl fühlen.
Ich warte jetzt nur noch auf das Argument, dass sowieso jeder Tropfen Öl verbraucht wird, unabhängig von unseren Spritsparkünsten
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