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Einführung neuer EU-Tests: Autobauer wollen länger beim Spritverbrauch tricksen

Pkw auf Prüfstand: Kraftstoffverbrauch bei Fahrzeugen fern der Realität Zur Großansicht
AVL

Pkw auf Prüfstand: Kraftstoffverbrauch bei Fahrzeugen fern der Realität

Europas Autokonzerne wollen die Einführung von genauen Verbrauchstests verzögern. Laut "Financial Times" macht sich die Lobbyorganisation ACEA dafür stark, die neuen Prüfverfahren erst vier Jahre später zuzulassen - denn es drohen Milliardenkosten.

Brüssel - Autofahrer kennen das Phänomen: Ihr Auto verbraucht ständig mehr als vom Hersteller versprochen. Nach einer umfangreichen Studie war bekannt geworden, dass die Diskrepanz tatsächlich im Schnitt 25 Prozent beträgt. Die EU hat deshalb neue Vorgaben beschlossen - die von der Autolobby massiv bekämpft werden. Eigentlich soll das neue Testverfahren von 2017 an gelten, der "Financial Times" ("FT") zufolge drängt der europäische Verband der Autohersteller (ACEA) auf eine Einführung frühestens im Jahr 2021.

Unter Berufung auf ACEA-Dokumente schreibt die "FT", der Verband gehe davon aus, dass es für die Branche unmöglich ist, die von 2020 an geltenden CO2-Grenzwerte zu erreichen. In diesem Fall drohen den Autoherstellern Hunderte Millionen Euro Strafzahlungen.

Auch die deutsche Sektion des ACEA, der Verband der Automobilindustrie (VDA), versucht, die Einführung des neuen Tests zu verzögern. VDA-Präsident Matthias Wissmann hatte sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwar grundsätzlich einverstanden erklärt, jedoch "haben wir Anlass zur konkreten Sorge, dass die CO2-Ziele über diese Umstellung abermals verschärft werden". Auch wenn der neue Test in Kraft trete, solle die Branche die alten Regeln weiterhin bis 2020 gelten.

Bisher werden die Verbrauchswerte mit dem sogenannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ermittelt, der seit den siebziger Jahren gilt. Seit langem wird über die Tricks der Hersteller berichtet: So verwenden sie Leichtlaufreifen oder spezielle Schmiermittel, sie kleben die Spalten an Motorhaube oder Scheinwerfern für einen geringeren Luftwiderstand ab. Manche klemmen die Batterie ab, damit sie nicht geladen wird, und sie testen bei idealen Umgebungstemperaturen. Alle diese Maßnahmen verringern den Kraftstoffverbrauch. Wohlgemerkt: Alle diese Tricks sind legal - die Autohersteller nutzen lediglich den Spielraum, den ihnen die Vorgaben lassen.

Der neue Test mit dem Namen Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures (WLTP) wurde von Experten von mehreren Kontinenten unter Beteiligung der Automobilindustrie entwickelt. WLTP soll näher an der Realität sein als das alte Verfahren, dort gibt es unter anderem stärkere Beschleunigungen und höhere Geschwindigkeiten, während die Zeiten, in denen der Motor stillsteht, verkürzt werden.

Der "FT" zufolge müssten die europäischen Autohersteller insgesamt zehn Milliarden Euro zusätzlich investieren, um die CO2-Grenzwerte nach dem neuen Testverfahren zu erfüllen.

nck

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1.
schmunzel1234 21.04.2014
Zitat von sysopAVLEuropas Autokonzerne wollen die Einführung von genauen Verbrauchstests verzögern. Laut "Financial Times" macht sich die Lobbyorganisation ACEA dafür stark, die neuen Prüfverfahren erst vier Jahre später zuzulassen - denn es drohen Milliardenkosten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/spritverbrauch-autokonzerne-wollen-bis-2020-tricksen-a-965412.html
die karroseriespalten abzukleben dürfte wohl fantsie sein. der prüfzyklus wird auf einem rollenprüfstand gefahren und der luftwiderstand wird über den rollwiderstand der rollen simuliert
2. Her mit dem Test!
Urzweck 21.04.2014
Einen realistischeren Test finde ich gut! Her damit! Die Kosten bezahlen ohnehin die Kunden, und die haben es in der Hand, sparsamere Fahrzeuge zu kaufen. Ich sehe keine Probleme mit dem neuen Test! Besser wäre es, Strafzahlungen nicht aufgrund des Flottenverbrauchs, wie heute geplant, zu erheben, sondern für jedes Fahrzeug, dass xxx Gramm CO2/km zu viel braucht. Dann würde sich der Verbrauch einfach über den Verkaufspreis regeln. Die sparsamen Kunden hätten gar keine Veränderung, die anderen müssen eben mehr bezahlen. Dann kostet ein Porsche halt 30.000€ mehr. Das tut mir Polofahrer nicht weh, und dem Porschefahrer auch nicht!
3.
TS_Alien 21.04.2014
Es ist peinlich, wenn ein offizielles Prüfverfahren selbst simple Manipulationen der Testsituation nicht verbietet. Dahinter kommt wieder einmal die Unfähigkeit der Politiker zum Vorschein. Natürlich muss man auch die Autohersteller schelten, denn nicht alles, was nicht explizit verboten ist, sollte durchgeführt werden (die Ingenieursehre gibt es offensichtlich in einigen Firmen nicht mehr). So wird der gesamte Test zur Farce. Und dann das Gejammere über 10 Milliarden Mehrkosten bei einem neuen Testverfahren. Das sind lächerlich geringe Summen, die sicherlich geringer ausfallen als die Kosten für Werbung im gleichen Zeitraum. Mit solchen Politikern, Firmen und deren Mitarbeitern wird man nie einen nachhaltigen Umweltschutz schaffen. Eine mehr als peinliche Veranstaltung. Die Beteiligten müssten sich schämen.
4. Tricksen
ihawk 21.04.2014
Ist "tricksen" nicht die charmante Bezeichnung für "betrügen"? Ich bevorzuge in diesem Fall die klare Formulierung für was es ist: Betrug.
5. optional
Rushki 21.04.2014
Lese ich das richtig. Die Automobil Branche gibt offen zu, dass getrickst wird und wollen dass die Trickserein noch länger gehen, als geplant? Das ist Betrug im größtem Maße und gehört sofort bestraft! Alle wegsperren!
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Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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