Autogramm Ssangyong Actyon Sports: Eher der Kumpel-Typ

Von Jürgen Pander

Autogramm Ssangyong Actyon Sports: Ärmel hochkrempeln Fotos
Jürgen Pander

Der Pick-up Ssangyong Actyon Sports ist so etwas wie der Gummistiefel unter den Autos: praktisch, nützlich, einfach, billig. Wer Verwendung für eine Ladefläche hat, jedoch nichts anzufangen weiß mit Dingen wie Image oder Markenprestige, sitzt in diesem Auto goldrichtig.

Der erste Eindruck: Mein Surfbrett, meine Mountainbike, mein Paraglider. Es gab mal eine Sparkassen-Werbung, die ging so ähnlich. Und daran denkt man jetzt, während man dem Ssangyong Actyon Sports zum ersten Mal gegenübersteht. Man könnte auch an Torfballen, Blumenkübel und Spaten denken, falls man einen Gartenbaubetrieb besäße, oder an Zementsäcke, Schalbretter und Kalksandsteine, wäre man ein Bauunternehmer.

Denn das Auto ist ein Kleinlaster, amerikanisch ausgedrückt: ein Pick-up. Der Fünfsitzer mit Ladefläche sieht aus, wie man sich einen automobilen Kumpel vorstellt - groß, stark, allürenfrei und auf sympathische Art hemdsärmelig.

Das sagt der Hersteller: Die koreanische Marke Ssangyong fiel einstmals auf durch eine Kooperation mit Mercedes und haarsträubendes Design. Inzwischen gehört der Allrad-Spezialist zum indischen Autokonzern Mahindra & Mahindra und fiel zuletzt durch erstaunliches Wachstum auf. In Deutschland beispielsweise wurden im vergangenen Jahr 350 Ssangyong-Modelle verkauft, in diesem Jahr dürften es laut Geschäftsführer Ulrich Mehling "rund 700 Fahrzeuge" werden, das ist immerhin eine Steigerung von 100 Prozent.

Jüngste Modellneuheit ist der Pick-up Actyon Sports, der in der Basisversion ohne Allradantrieb 19.990 Euro kostet. "Hierzulande dürfte das Auto vor allem für gewerbliche Nutzer interessant sein", sagt Mehling. In Korea hingegen werde der Pick-up als "the recreation machine" beworben und sei ein "reines Spaßmobil" für Leute mit transportintensiven Hobbys.

Das ist uns aufgefallen: Bei Ssangyong denkt man sogleich an Billigmarke, und das ist ja auch nicht verkehrt. Ein VW Amarok kostet mindestens 39.533 Euro und damit doppelt so viel wie der Actyon Sports. Wer aber ein spartanisch-klappriges Autos erwartet, liegt völlig falsch.

Der Korea-Pick-up sieht nicht nur manierlich aus, er ist auch ordentlich eingerichtet. Eine Klimaanlage gehört zum Serienumfang, ebenso elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Spiegel, Bordcomputer, höhenverstellbarer Fahrersitz sowie zwei Airbags und ABS; ESP hingegen gibt es erst ab dem zweiten Ausstattungsniveau.

Der 2-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor leistet 155 PS und wurde vom österreichischen Entwicklungsdienstleister AVL mitkonzipiert; gebaut wird er jetzt von Ssangyong in Korea. Die Maschine ist kraftvoll, vor allem aber ist sie laut und durstig. Das mit dem Krawall ist nicht so schlimm, es verstärkt lediglich das Gefühl, es eher mit einem Lkw als mit einem Pkw zu tun zu haben. Dazu tragen auch das vergleichsweise flach stehende, große Lenkrad bei, die hohe, aufrechte Sitzposition und natürlich die schieren Ausmaße des Fahrzeugs.

Ssangyong gibt den Durchschnittsverbrauch des Allradmodells mit Schaltgetriebe mit 7,5 Liter an. Der Bordcomputers unseres Testwagens allerdings meldete beinahe den doppelten Wert nach einer kurzen Fahrt ohne Ladung. Auch wenn das nur ein grober Anhaltspunkt ist, dürfte der Alltagsverbrauch des rund zwei Tonnen schweren Pick-ups kaum unter zehn Liter liegen. Dirigieren lässt sich das Trumm übrigens vergleichsweise leicht, denn die Übersicht ist grandios und man erkennt sofort, wo das Blech endet. Warum dennoch eine Einparkhilfe erhältlich ist (in der Top-Ausstattung), ist ein Rätsel.

Das muss man wissen: Für den Actyon Sports wird lediglich eine Motorisierung angeboten, also gibt es in dieser Hinsicht schon mal nichts zu überlegen. Beim Getriebe hingegen schon, denn verfügbar sind Sechsgang-Schaltgetriebe und eine Sechsgang-Automatik. Der zuschaltbare Allradantrieb ist in den beiden höheren Ausstattungsvarianten Standard, in der Einstiegsversion kostet die Technik 3000 Euro Aufpreis.

Wer den Pick-up artgerecht nutzen möchte, den interessiert natürlich der hintere Teil des Autos besonders. Die Ladefläche ist 1,27 Meter lang und 1,60 Meter breit, die Nutzlast liegt bei zirka 680 Kilogramm. Darüber hinaus darf der Wagen eine gebremste Anhängelast von bis zu 2,3 Tonnen ins Schlepp nehmen.

Das werden wir nicht vergessen: Ein paar Details, die zeigen, wie akribisch Ssangyong an zunehmend besseren Autos arbeitet. Zum Beispiel die Markenlogos in den Scheinwerfern und Tagfahrleuchten. Man mag das als Lappalie abtun, aber gerade in solchen scheinbaren Petitessen zeigt sich, wie ernsthaft ein Autobauer sein Geschäft betreibt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
LeToubib 30.10.2012
Hab' mir die Karre schon life angeschaut: Waere das ideale Arbeitstier fuer die Ranch meiner Freundin in Kanada ...
2.
trader_07 30.10.2012
Zitat von sysopJürgen PanderDer Pickup Ssangyong Actyon Sports ist so etwas wie der Gummistiefel unter den Autos: praktisch, nützlich, einfach, billig. Wer Verwendung für eine Ladefläche hat, jedoch nichts anzufangen weiß mit Dingen wie Image oder Markenprestige, sitzt in diesem Auto goldrichtig. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ssangyong-actyon-sports-der-kernige-allrad-pickup-aus-korea-a-862286.html
Ein Auto der Kategorie "Gesehen-und-im-nächsten-Moment-schon-wieder-vergessen".
3. Respekt
emantsol 30.10.2012
Ssangyong kann echt hässliche Autos bauen! Das bleibt aber nicht mehr lange ein Alleinstellungsmerkmal, Ford holt mit dem "Eco Sport" stark auf! ;-)
4. Schade...
axelkli 30.10.2012
...daß es den nur als Doppelkabine und nicht auch als Einzelkabine mit dann längerer Ladefläche gibt. Oder etwa doch?
5. leider kann man denn nicht als lkw zulassen,
mapa13 30.10.2012
weil die pritsche kürzer ist, als der innenraum. oder doch?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Geländewagen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 49 Kommentare
Facebook

Fahrzeugschein
Hersteller: Ssangyong
Typ: Actyon Sports
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 155 PS (114 kW)
Drehmoment: 360 Nm
Von 0 auf 100: 12,7 s
Höchstgeschw.: 172 km/h
Verbrauch (ECE): 7,5 Liter
CO2-Ausstoß: 199 g/km
Gewicht: 2.057 kg
Maße: 4990 / 1910 / 1790
Preis: 22.990 EUR
Fotostrecke
Ssangyong Korando: Einfach ein Auto


Aktuelles zu