Staatslimousine des US-Präsidenten Cadillac Number One

Sie wiegt mehrere Tonnen, lässt sich angeblich fernsteuern und wird wie ein Staatsgeheimnis behandelt: Die Limousine des US-Präsidenten ist der exklusivste Dienstwagen der Welt. Kurz vor der Amtseinführung hat General Motors den "Cadillac One" an Barack Obama übergeben.


Menschen in Führungspositionen kennen das: neuer Job, neues Auto. Die meisten Dienstwagen sind fade Massenware - doch wenn der US-Präsident sein neues Fahrzeug bekommt, ist das anders. Schließlich gibt es auf der Welt wohl keine andere Limousine, die so viel Aufsehen erregt wie das wuchtige schwarze Vehikel, das am Montag bei der Amtseinführungszeremonie erstmals vom Capitol zum Weißen Haus rollen wird. Kaum ein anderes Gefährt auf dem Planeten ist derart vollgestopft mit Technik.

Für den mächtigsten Mann der Welt ist eben nur das Beste gut genug. Wie schon sein Vorgänger George W. Bush wird auch Barack Obama einen Cadillac fahren. "Wir fühlen und geehrt, dass wir erneut das erste Auto der Nation stellen", bedankt sich Markenchef Mark McNabb artig. Begonnen hat GMs staatstragende Rolle bereits im Ersten Weltkrieg, als viele Cadillac-Motoren und Modelle an Armee und Regierung geliefert wurden. Und spätestens seit Präsident Wilson 1919 in Boston die Siegesparade in einem Cadillac abnahm, waren die Bande zum Weißen Haus geknüpft.

Wenig Ähnlichkeit mit Serienfahrzeugen

War Bushs Dienstwagen noch ein Derivat des Cadillac-Flaggschiffs DTS, bekommt der 44. Präsident der Vereinigten Staaten ein völlig neues Auto, das bis auf ein paar stilistische Zitate mit der aktuellen Modellpalette nichts gemein hat. Im Vorfeld hatten die Medien spekuliert, das Obamobil sei im wesentlichen ein Pick-up-Truck der Marke GMC, auch der Motor stamme aus einem dieser Laster. Doch das weist GM brüsk zurück: "Der Präsident fährt weder einen Truck noch eine Limousine", so ein Cadillac-Sprecher: "Natürlich fährt der Präsident in einem einzigartigen Fahrzeug".

Ein Datenblatt will der Secret Service nicht herausrücken, doch das Format des Autos lässt sich auf knapp sechs Meter taxieren. Wo normale Limousinen hinten allenfalls noch ein kleines Dreiecksfenster haben, bekommt das Auto mit dem Kennzeichen "USA 1" eine große Scheibe, durch die der neu gewählte Präsident so gut zu sehen sein soll wie eine Schaufensterpuppe bei Macy's. Denn Barack Obama will seinen neuen, offenen Führungsstil offensichtlich auch auf der Straße deutlich machen: Der neue Wagen sei viel lichter als das Vorgängermodell, heißt es bei Cadillac.

Entspannen Sie sich, Mr. President

Einzigartig ist auch das Interieur mit Konferenzbestuhlung im Fond und fast so viel Elektronik wie im Oval Office. Offiziell bestätigt werden zwar nur die spezielle Klimaanlage, die handvernähten Lederpolster, die edlen Hölzer und der Zehnfach-CD-Wechsler. Doch es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich auch Funktelefone mit Verschlüsselung, einen mobilen Internet-Zugang und ein fest installiertes Laptop im ausfahrbaren Schreibtisch vorzustellen.

Auf längeren Fahrten wird Mister President wohl kaum auf TV- und DVD-Entertainment sowie eine wohltemperierte Erfrischung aus der Bar verzichten müssen, die nach dem Ausscheiden des Abstinenzlers Bush künftig vielleicht auch wieder mit Alkohol bestückt sein dürfte. Schließlich braucht man bei der aufreibenden Regierungsarbeit auch mal eine Pause.

Noch wichtiger ist wohl die Sicherheitsausstattung des Luxusliners, die jedem Panzer zur Ehre gereichen würde. Natürlich schweigt der Geheimdienst beharrlich. Doch kann man schon auf den ersten Fotos erkennen, wie mächtig zum Beispiel die schusssicheren Scheiben sind. Die Karosserie der Präsidentenlimousine ist wohl mindestens 15 Zentimeter stark, die Frontscheibe ist so dick wie das Telefonbuch von New York, und auf den Reifen könnte man selbst dann noch dahinrollen, wenn die von einer Maschinengewehrsalve perforiert wurden. Nicht umsonst nennt der Secret Service das Auto intern "The Beast".

James Bond lässt grüßen

Dazu gibt es angeblich einen gegen chemische Angriffe hermetisch abgedichteten Innenraum und Gimmicks, wie sie sonst nur die Filmautos von 007 haben. So konnte sich der Cadillac von Bush angeblich auf Knopfdruck in Nebel hüllen, um Scharfschützen zu behindern. Und falls dem Fahrer etwas passiert wäre, hätte sich die Limousine dem Vernehmen nach sogar per Joystick fernsteuern lassen. Es ist kaum denkbar, dass der neue Präsident auf derartige Extras verzichten muss.

All die Technik und vor allem die Panzerung erhöhen natürlich das Gewicht: Obwohl die Limousine nach ersten Ohrenzeugenberichten wohl doch keinen Dieselmotor bekommen hat, sondern wahrscheinlich mit dem stärksten V8-Benziner fährt, den GM auftreiben konnte, wird es mit dem Spurtvermögen nicht sonderlich weit her sein. Viel schneller als 160 km/h fahren diese Luxuspanzer in der Regel nicht. Und während ganz Amerika nach sparsamen Autos giert, dürfte sich Obamas Dienstwagen auf 100 Kilometern kaum mit weniger als 20 Litern begnügen.

Natürlich ist die Lieferung ans Weiße Haus für General Motors zu allererst ein Marketing-Coup. Denn einen prominenteren Werbeträger als den US-Präsidenten kann man sich kaum vorstellen. Mehr TV-Präsenz wird es in den nächsten Jahren wohl für kaum ein anderes Auto geben. Gleichzeitig bringt der Auftrag wohl auch eine schöne Stange Geld: Denn erstens wird sich Cadillac die Spezialanfertigung teuer bezahlen lassen - und zweitens hat der Secret Service bei seinem Hauslieferanten nicht nur einen Wagen bestellt.

Weil der US-Präsident überall auf der Welt grundsätzlich in der eigenen Limousine vorfährt, gibt es vom Cadillac Number One nach Schätzungen von Experten mindestens ein halbes Dutzend. Während Barack Obama noch durch Washington D.C. fährt, werden die anderen Limousinen vielleicht schon für die ersten Staatsbesuche in aller Herren Länder verschickt.

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