Daimler unter Druck Smart, aber herzlich

Der Smart ist das Sorgenkind bei Daimler. Sollten auch die zwei neuen Modelle des Stadtflitzers 2015 bei den Verkaufszahlen enttäuschen, hat der Konzern ein Problem. Denn der Zwerg ist für die Schwaben in doppelter Hinsicht wichtig.

Daimler

Von Heimo Fischer


Was bringt das neue Jahr? Welche Menschen und Themen werden 2015 wichtig? Das erklären wir in dieser Serie.


Das Tempodrom in Berlin, ein sonniger Tag im Juli. Für den Autohersteller Mercedes ein Schicksalstag. Zur Weltpremiere des neuen Smart steuert Markenchefin Annette Winkler das Modell Fortwo, den Zweisitzer, vor das Publikum. Flankiert wird sie von Konzernchef Dieter Zetsche, er sitzt am Steuer des nagelneuen Forfour, ein Viertürer. Sie steigen aus und gehen Arm in Arm über die Bühne. So, als wollten sie verkünden: Gemeinsam schaffen wir es, dieses Mal.

Für den Stadtflitzer des Daimler-Konzerns begann an diesem Tag im Juli die entscheidende Phase. Der Konzern steckte noch einmal viel Geld in die Entwicklung der Fahrzeugreihe, mit der er bislang nur sehr wenig verdient hat. Dabei gibt es den Smart schon seit 17 Jahren. Doch nie ist es dem kleinen Auto gelungen, eine große Käuferschar zu begeistern.

Dabei sind die Chancen für Stadtautos so gut wie nie zuvor. Anders als beispielsweise in den USA wenden sich die Käufer auf den europäischen Märkten ab von den großen Karossen. Kleine, schicke, sparsame Wagen wie der Mini von BMW verkaufen sich erfolgreich. Auch der Opel Adam kommt gut an. "Die Rahmenbedingungen sind hervorragend", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Mit anderen Worten: Wenn der Smart es jetzt nicht schafft, dann nie.

Jedes verkaufte Modell hilft beim Einnehmen und Sparen

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen schätzt, dass Smart rund 200.000 Fahrzeuge pro Jahr absetzen muss, damit Daimler nicht draufzahlt. Von solchen Stückzahlen ist die Marke noch weit entfernt. Im Jahr 2014 wird die Verkaufszahl wohl weniger als 90.000 betragen. Den höchsten Absatz verzeichnete Smart 2008, als knapp 135.000 Stück verkauft wurden.

Für Daimler ist der Smart ein Schlüssel zum Erfolg. Denn jeder verkaufte Kleinwagen bringt nicht nur Geld, sondern drückt auch den durchschnittlichen Flottenverbrauch eines Autokonzerns, für den es strenge Grenzwerte gibt. Und die Vorgaben dafür werden sich in den kommenden Jahren verschärfen. Ein Hersteller, dessen verkaufte Autos im Durchschnitt zu viel Treibstoff schlucken, muss künftig saftige Strafen zahlen.

Aus diesem Grund hat Daimler beim neuen Smart alle Register gezogen. Das Design ist komplett überarbeitet, die Autos sind breiter als zuvor, der extrem kleine Wendekreis blieb trotzdem erhalten. Künftig ist der Smart mit einer Fünfgang-Handschaltung ausgerüstet, die gewöhnungsbedürftige Halbautomatik wurde aussortiert.

Partnerschaft mit Renault, Produktion in Slowenien

Positiv auf die Verkaufszahlen wird sich auswirken, dass die Marke Smart wieder einen Viersitzer im Angebot hat. Der Vorgänger war 2006 eingestellt worden, als die Kosten aus dem Ruder liefen. Damals hatte Daimler das Modell gemeinsam mit dem früheren Partner Mitsubishi entwickelt. Die neuen Modelle sind ein Gemeinschaftswerk mit Renault. Deren Twingo steht auf derselben Plattform wie der Smart Forfour. Daimler hat sich um die Technik gekümmert und die Franzosen um die Produktion.

Anders als der Smart Fortwo wird der Viersitzer nun nicht im Smart-Werk im lothringischen Hambach gebaut, sondern im slowenischen Novo Mesto. Dort sind die Personalkosten niedriger als in Frankreich oder Deutschland.

Mit Kleinwagen Geld zu verdienen, ist ohnehin nicht einfach. Die Gewinnspannen sind niedriger als bei Premium-Modellen wie der S-Klasse. "Beim Preis gibt es Grenzen nach oben", sagt Auto-Experte Diez. Er hält es für vernünftig, dass Smart den neuen Viertürer für 11.000 Euro anbietet. Damit liegt er deutlich unter dem Mini von BMW, für den man mindestens 17.500 Euro zahlen muss.

China spielt eine wichtige Rolle

Für Daimler wird es entscheidend sein, ob sich der Smart auch auf Wachstumsmärkten wie China durchsetzt. Für den Smart ist die Volksrepublik der größte Absatzmarkt nach Deutschland, das Händlernetz der Marke wird gerade ausgebaut. Die Chancen des neuen Smart sind auch eng verbunden mit dem Erfolg des Carsharing. Die Daimler-Tochter Car2go richtet ihre Flotten fast ausschließlich mit den Stadtflitzern aus. Mehr als 11.000 Fahrzeuge gehören dem konzerneigenen Leihwagensystem an.

Eine Cabrio-Variante wird voraussichtlich 2016 die Modellpalette abrunden. Smart soll allerdings mehr sein als eine Fahrzeugreihe. Annette Winkler will eine Marke für urbane Mobilität schaffen, die das Autofahren in vollen Innenstädten mit wenig Parkraum erleichtert. Dazu beitragen sollen auch neue Varianten mit Elektroantrieb.

Smart solle das Leben in der Stadt schöner und unbeschwerter machen, fasste Markenchefin Winkler auf der Präsentation im Sommer zusammen. Nun muss sie die Kunden von dieser Idee überzeugen. Sonst wird die Zukunft von Mercedes alles andere als unbeschwert.



insgesamt 157 Beiträge
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nadja_romanowa 28.12.2014
1.
Kommt es mir nur so vor, oder ist das Design grobschlächtig und altbacken? Irgendwie sahen die Vorgänger moderner aus. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Er wird wohl seine Käufer finden.
diskantus 28.12.2014
2. Bitte erst mal informieren, dann schreiben.
"Künftig ist der Smart mit einer Fünfgang-Handschaltung ausgerüstet, die gewöhnungsbedürftige Halbautomatik wurde aussortiert." Das ist so nicht richtig. Denn beide Modelle gibt es bereits ab März/Anfang April auch mit einer neu entwickelten Automatik (Doppelkupplungssystem), ohne das berühmte Ruckeln ("Schrecksekunde") des bisherigen Smart.
soschautsaus2014 28.12.2014
3. Benzinverbrauch
Da wird erwähnt, dass hohe Smart-Verkäufe das Benzinverbrauchsergebnis des gesamten Konzerns drücken könnten und dann wird der Benzinverbrauch des Smarts nicht erwähnt. Das ist in etwa so, als würde man bei einem Bayern-Sieg im Artikel weder Ergebnis noch alle Torschützen nennen.
rmuekno 28.12.2014
4. Was nutzt der schönste Stadtflitzer
ohne Laderaum. Auch in den neuen ForTwo dürfe wieder keine ordentlicher Wocheneinkauf reinpassen, noch ein Urlaubsgepäck. D.h. die Kiste dürfet für Viele nur als Zweitwagen/Funcar sinnvoll sein. Und gab gibt es viel Konkurenz mit mehr Platz. Und der ForFour, da kann ich gleich den Twingo nehmen oder ähnliches. Daimler hat noch nie Kleinwagen bauen können. Ein Kleinwagen muss günstig n Anschaffung und Unterhalt sein, praktisch, alltagstauglich, robust und simpel. Im Smart steckt zu viel Hightech, die ihn teuer macht und die keiner will und braucht. Als Stadtauto unbrauchbar und für die Langstecke auch.
vollzeitpoltiker 28.12.2014
5. Image und Preis
Natürlich ist Auto praktisch, wenn man NUR in der Stadt unterwegs ist, aber wenn man auch mal woanders lang fährt ist das Auto mit seinem kleinen Kofferraum einfach nervig und unpraktisch. Jetzt könnte man sagen, dass ist egal, aber man bekommt halt für denselben Preis mit einem Toyota Aygo, Dancia oder selbst mit dem Twingo für weniger Geld mehr Platz, Leistung und Komfort Und diesem hat man anders als Mini nichts entgegen zu setzen, die einfach ein Image haben das Leute mehr bezahlen lässt oder Audi die mit ihrem Kleinwagen A1 wirkliche Premium Qualität in diesem Segment anbieten und das Auto unter der großen eigenen Qualitätsmarke nämlich Audi selbst anbieten können Mercedes kann dies nicht machen, da der Smart halt einfach weit unter den Standards dieser Qualitätsmarke liegt und nur dem Image von Mercedes schaden würde
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