Städte-Ranking: Hier radelt es sich am besten

Von Holger Dambeck

Welche Metropole ist besonders Fahrradfahrer-freundlich? Lobbyisten aus Kopenhagen haben eine weltweite Top-20-Liste erstellt. Darauf finden sich einige echte Überraschungen: Tokio schlägt angeblich Berlin.

Ranking: Die Radlerparadiese der Welt Fotos
Alberto Mateo/Netherlands Board of Tourism

Mikael Colville-Andersen hat eine Vision: Eines Tages geht es in allen großen Städten der Welt so zu wie auf den Straßen seiner Heimatstadt Kopenhagen: Egal ob zur Arbeit, ins Kino oder zur Uni - der Drahtesel ist das Verkehrsmittel Nummer eins. Breite Radwege und grüne Wellen speziell für Velos machen das Radeln zum entspannten Vergnügen.

Copenhagenize.com heißt folgerichtig seine Web-Seite, die längst zu den wichtigsten Fahrradblogs der Welt gehört. Anfangs waren es vor allem ästhetische Fotos von Menschen aus Kopenhagen auf zwei Rädern, mit denen Colville-Andersen sich in der Fahrradszene einen Namen machte. Inzwischen berät er mit seiner eigens dafür gegründeten Firma Copenhagenize.eu Kommunen und Länder weltweit in Sachen Fahrradförderung.

Und so entstand die Idee, ein Ranking der fahrradfreundlichsten Metropolen zu erstellen. Für insgesamt 80 Städte aus der ganzen Welt vergaben die Kopenhagener bis zu vier Punkte in insgesamt 13 Kategorien wie Radverkehrsanteil, Akzeptanz von Radlern, Sicherheitsgefühl und Infrastruktur. Hinzu kamen bis zu zwölf Bonuspunkte für Faktoren, die nicht in den 13 Kategorien abgebildet waren.

Die ersten beiden Plätze gingen, wenig überraschend, an Amsterdam (54 Punkte) und Kopenhagen (52). Danach folgen Barcelona (45 Punkte) und Tokio (41). Berlin und München folgen auf den Plätzen fünf und sechs, die dritte deutsche Metropole unter den Top 20 ist Hamburg (Platz 13). Dass Barcelona vor Berlin liegt, obwohl der Radanteil dort nur halb so groß ist, liegt an dem hohen Tempo, mit dem die katalanische Hauptstadt quasi aus dem Nichts einen kleinen Fahrradboom zustande gebracht hat. Kleinere Städte mit viel Radverkehr wie Groningen oder Münster fehlen leider im Ranking. Sie würden sicher Tokio und Barcelona schlagen, doch es wurden nur große Metropolen berücksichtigt.

Das Ranking ist zweifellos subjektiv. Details der Bewertungen, also wie viele Punkte jede der Metropolen in den 13 Kategorien bekommen hatte, wollte Colville-Andersen auch auf Anfrage nicht herausgeben. So bleibt das Zustandekommen der Liste intransparent. Dennoch verrät sie, gemeinsam mit den Kommentaren zu jeder Stadt, einiges darüber, was gerade in vielen Metropolen der Welt passiert: Das Fahrrad gewinnt an Bedeutung - und zwar in Städten, in denen man das kaum erwartet hätte. Eine Auswahl der Top-20-Fahrradstädte und Auszüge aus den Bewertungen - siehe Fotostrecke.

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Wieso
aha° 21.09.2011
ist das denn bei "Auto" eingeordnet? Die Kategorie sollte eigentlich Fahrrad heißen, wobei für "Autos" die Unterkategorien Dreirad, Vierrad und Krankenfahrstuhl in Frage kämen.
2. Tokio ?
postmaterialist2011 21.09.2011
Ich habe 8 Jahre in Japan gelebt, wo in Tokio ist die gute Frau, denn mit dem Fahrrad gefahren ? Hier in Berlin komme ich überall mit dem Fahrrad hin, in Tokio definitiv nicht. Selten so einen Schwachsinn gelesen.
3. Tokyo? Quark.
mkill 21.09.2011
Platz 4 für Tokyo ist völlig unverdient. Wieviel Zeit haben die Bewerter in der Stadt auf dem Rad verbracht? Null? Haben die Jungs mal versucht, mit dem Rad von einem Ende zum anderen zu kommen? Wohl kaum. Es gibt in der ganzen Millionenstadt vielleicht 2-3 Radwege. Leider liegen die irgendwo in der Peripherie. Ein zusammenhängendes Netz gibt es nicht, man ist entweder auf der Straße, wo man sich zwischen den Autos durchschlängeln muss, oder auf dem Fußweg, der meist zu eng ist, um Platz für Fußgänger und Radfahrer zu bieten. Schlimmer noch, in den meisten Wohngebieten sind die Straßen so eng, dass kaum zwei Autos nebeneinander passen, und Gehsteige gibt es gar nicht. An jeder kleinen Kreuzung muss man anhalten, weil es absolut unmöglich ist, die Querstraße einzusehen. Der einzige Grund, warum es nicht mehr Verkehrstote gibt, ist dass wegen dem ausgebauten Bahnnetz nur vergleichsweise wenig Autofahrer unterwegs sind. Das macht aber keine Radfahrerstadt. Hinweisschilder und Wegweiser für Radfahrer gibt es keine. Am schlimmsten aber ist der Kleinkrieg, den die meisten Stadtverwaltungen gegen geparkte Räder führen. Ich habe mehr als einmal erlebt, dass Fahrräder einfach mit einem Kleinlaster eingesammelt werden. Und das sind nicht irgendwelche vergessenen und verrosteten Schrottleichen. Ich habe erlebt, wie ältere Hausfrauen panisch aus dem Supermarkt gerannt kommen, um ihr Rad vor dem Abschleppen zu retten. Fahrradfreundliches Tokyo?? Lachhaft.
4. Wie bitte ?
B.Lebowski 21.09.2011
Platz 4 für Berlin ist ja wohl auch ein Hohn.. Baustellen, LKW´s, nicht vorhandene oder kaputte Radwege ..
5. Fahrad-Innen
leerzeichen 21.09.2011
Das ist toll, dass in Kopenhagen sooo viele Frauen radfahren, dass das sogar ins Ranking eingeflossen ist. Es ist doch immer ein dicker Pluspunkt, wenn frau etwas macht. Und so korrekt, das alles. Oder besser korrekt-Innen. Wenigstens hat das bewertende Festkommitee eine schöne Weltreise machen dürfen.
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Zum Autor

Holger Dambeck, Jahrgang '69, arbeitet seit 2004 als Wissenschaftsredakteur bei SPIEGEL ONLINE. Er fährt praktisch täglich Fahrrad und hat schon diverse Urlaube im Sattel verbracht.


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