Standheizung Wärme zum Nachrüsten

Auf wohlige Wärme beim Einsteigen muss niemand verzichten, denn fast jedes Auto lässt sich mit einer Standheizung nachrüsten. Satte 700 Euro kosten die Geräte, für Turbo-Diesel-Fahrer wird's günstiger - wenn die Heizung denn noch unter die Motorhaube passt.


Frühmorgendliches Auftauprogramm: Mit einer Standheizung kann man sich das Scheibenkratzen ersparen
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Frühmorgendliches Auftauprogramm: Mit einer Standheizung kann man sich das Scheibenkratzen ersparen

Zugefrorene Scheiben gehören für Autofahrer zu den lästigen Begleiterscheinungen des Winters - zumindest für diejenigen ohne frostsicheren Garagenstellplatz. Auch auf die Fahrt zur Arbeit im kalten Auto würden viele lieber verzichten. Eine Standheizung kann daher ein sinnvolles Nachrüstzubehör sein. Per Zeitschaltuhr sorgt sie automatisch für freie Scheiben und einen vorgewärmten Innenraum.

Bei den Nachrüst-Heizsystemen gibt es nach Angaben von Bert Korporal, Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover, drei Typen: Vor allem in Skandinavien verbreitet seien am Motorblock montierte Heizstäbe, die an eine Steckdose angeschlossen werden und das Kühlwasser elektrisch vorwärmen. Durch diese "extern gespeiste Motorheizung" hat der Motor schon beim Losfahren Betriebstemperatur. Auch die Heizung wird beim Anschalten des Gebläses schneller warm.

Die "elegantere" Lösung für Pkw sind laut Korporal Standheizungen, die mit einem kleinen Brenner arbeiten und aus dem Kraftstofftank gespeist werden: "Damit ist man nicht auf eine Steckdose angewiesen." Auch diese Heizungen erwärmen zunächst das Kühlwasser. Über den Wärmetauscher gelangt die Wärme ins Lüftungs- und Heizungssystem und so gleich ins Innere des Fahrzeugs, denn die per Zeitschaltuhr programmierbaren Standheizungen schalten auch das Gebläse mit ein.

Scheiben sind beim Einsteigen bereits abgetaut

Wie bei den Heizstäben entfallen durch den vorgewärmten Motor Kaltstart und Warmlaufphase. Durch den vorgewärmten Innenraum sind die vereisten Scheiben zudem schon beim Einsteigen abgetaut - das Gebläse muss also beim Losfahren nicht auf Hochtouren laufen. Der dritte Gerätetyp sind Zusatzheizungen, die Warmluft direkt ins Wageninnere blasen. Nach Angaben des Sachverständigen sind sie eher für Wohnmobile gedacht.

Knifflige Montage: Vor dem Kauf sollten sich Autofahrer beraten lassen, ob sich die Standheizung noch unterbringen lässt
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Knifflige Montage: Vor dem Kauf sollten sich Autofahrer beraten lassen, ob sich die Standheizung noch unterbringen lässt

Standheizungen, wie sie der Zulieferer Eberspächer aus Esslingen (Baden-Württemberg) anbietet, sind ohne Montage ab 740 Euro zu haben. Beim Konkurrenten Webasto aus Stockdorf (Bayern) kosten sie ohne Einbau ab 698 Euro. Auf Wunsch sind bei Eberspächer auch Fernbedienungen erhältlich, die die Temperatur im Auto anzeigen. Auch die Bedienung per Handy ist möglich. Neben ähnlichen Funktionen bietet Webasto nach eigenen Angaben eine "intelligente" Fernbedienung an: Der Telestart T 100 HTM erkenne anhand von Umgebungstemperatur und gewünschter Abfahrtszeit, wann die Heizung einzuschalten ist.

Grundsätzlich seien die Geräte für alle Fahrzeuge geeignet, sagt Klaus Teubner, Pressesprecher von Eberspächer. Probleme beim nachträglichen Einbau einer Standheizung bereitet auch nach den Erfahrungen von TÜV-Experte Korporal lediglich die Einbaulage: Die Motorräume moderner Fahrzeuge seien ab Werk derart mit Technik voll gestopft, dass für zusätzliche Aggregate kaum Platz bleibt.

Standheizung am besten von Profis einbauen lassen

Vor dem Kauf sollten sich Autofahrer daher beraten lassen, ob sich das Gerät noch im Fahrzeug unterbringen lässt. Ohnehin sollte die Montage nicht auf eigene Faust erfolgen, warnt Korporal: "Das ist vergleichsweise komplex." Bevor man anfange zu improvisieren, sollte man sich besser gleich an eine Fachwerkstatt wenden.

Um den Mechanikern die Montage einfacher zu machen, bietet Eberspächer das Modell "Hydronic" in zwei Ausführungen an: Laut Klaus Teubner gibt es eine flache und eine kurze Version. Die Einbauposition befinde sich in der Regel in der Nähe des Motors, da die Standheizung in dessen Kühlkreislauf integriert werden muss. "Die Heizung kann aber auch hinter dem Stoßfänger angebracht werden", sagt der TÜV-Experte.

Zeitschaltuhr, Fernbedienung oder Handy: Eine Standheizung lässt sich ganz unterschiedlich starten
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Zeitschaltuhr, Fernbedienung oder Handy: Eine Standheizung lässt sich ganz unterschiedlich starten

Etwas einfacher haben es unter Umständen Fahrer eines Turbodiesels mit Direkteinspritzung. Weil diese Motoren einen sehr hohen Wirkungsgrad haben und im Betrieb wenig Abwärme produzieren, besitzen sie ab Werk einen so genannten Zuheizer, so Korporal. Diese "kleinen Fremdheizungen" führen dem Kühlkreislauf bei Bedarf - zum Beispiel in der Start- und Warmlaufphase - Wärme zu. "Zuheizer lassen sich zur Standheizung aufrüsten", sagt Korporal.

"Ein Zuheizer ist eine Art Standheizung ohne Programmierung", erklärt Klaus Teubner von Eberspächer. Mit Zeitschaltuhr und Wasserpumpe lasse sich daraus eine voll funktionsfähige Standheizung machen. Bei Eberspächer koste ein Aufrüstkit ohne Montage rund 300 Euro. Wer einen TDI, TDCI, CDTI oder Ähnliches fährt, sollte also vorher beim Händler klären, ob eine Aufrüstung in Frage kommt.

Mehr Komfort, aber auch höherer Spritverbrauch

Sinnvoll ist eine Standheizung nach Ansicht von Bert Korporal vor allem für diejenigen, die im Winter täglich unterwegs sein müssen. Doch auch sie sollten prüfen, ob sich das teure Nachrüstzubehör rechnet. Immerhin kämen zu den Anschaffungskosten auch die Mehrkosten durch einen etwas erhöhten Kraftstoffverbrauch. Die Zulieferer argumentieren, dass die Kosten in jedem Fall aufgewogen werden - durch einen verbesserten Komfort und einen Gewinn an Sicherheit.

Dem Sicherheitsaspekt kann ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München nicht ohne Einschränkung zustimmen. Zwar sei es ein großer Sicherheitsgewinn, dass Autofahrer von Fahrtbeginn an freie und unbeschlagene Scheiben haben. "Den Effekt können sie aber auch erreichen, indem sie sich besondere Mühe beim Freikratzen geben." Möglicherweise sei ein Autofahrer auch aufmerksamer unterwegs, wenn er in vorgewärmten Polstern statt bibbernd und mit klammen Fingern am Steuer sitzt. Dieser Sicherheitsgewinn lasse sich aber nicht in Zahlen ausdrücken, so Maurer: "Man darf die Dinge nicht überbewerten. In erster Linie ist eine Standheizung ein Komfortzubehör."

Von Felix Rehwald, gms



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