Verkehrsstudie Deutschlands größte Stau-Fallen

38 Stunden - so lange standen Autofahrer 2015 in Deutschland durchschnittlich im Stau. In der am schlimmsten betroffenen Stadt betrug die Wartezeit laut einer Studie sogar 73 Stunden. Der Überblick.

Stau auf einer Autobahn in Deutschland
DPA

Stau auf einer Autobahn in Deutschland


Verkehrsstaus gehören für Millionen Pendler in Deutschland zum täglichen Ritual. 2015 summierte sich die mit Stillstand verschwendete Zeit hinterm Steuer auf durchschnittlich 38 Stunden. Das ergab eine Studie des Verkehrsdatenanbieters Inrix. Kleiner Lichtblick: Im Jahr davor waren es noch 39 Stunden.

Inrix hat die Stauwerte von 22 Ballungsräumen im Bundesgebiet untersucht. Zudem analysierte das Unternehmen die Situation in mehreren anderen europäischen Ländern. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Neue Stau-Hauptstadt ist Stuttgart. Hier mussten die Autofahrer im Schnitt 73 Stunden warten. Der bisherige Spitzenreiter Köln folgt mit 71 Stunden knapp dahinter. Auf Platz drei liegt wie im Vorjahr Karlsruhe mit 54 Stunden.

    Deutschlands staureichste Ballungsräume in 2015 (nach verschwendeten Stunden pro Jahr)

    Platz Ballungsraum Verschwendete Stunden in 2015 Unterschied zu 2014 (in Stunden)
    1 Stuttgart 73 +8.5
    2 Köln 71 +5.2
    3 Karlsruhe 54 -8.9
    4 München 53 +4.5
    5 Düsseldorf 50 -3.2
    6 Hamburg 45 -3.1
    7 Nürnberg 39 +0,2
    8 Bonn 38 -3.9
    9 Saarbrücken 35 -0.1
    10 Ruhrgebiet 35 -6.9

    Quelle: INRIX

  • Den Anstieg der Stauzeit in Stuttgart um 8,5 Stunden im Vergleich zum Vorjahr führt Inrix vor allem auf eine Rekordzahl von 50.000 mehr zugelassenen Fahrzeugen in der Stadt zurück.

  • Die mit Abstand verkehrsreichste Strecke in Deutschland ist laut Inrix der Mittlere Ring (B2R) in München. Hier gab es 2015 Verzögerungen von durchschnittlich 93 Stunden. Das sind 43 Stunden mehr als die zweitverkehrsreichste Straße, die A1 von der Leverkusener Brücke nach Leverkusen, die die Fahrer letztes Jahr 50 Stunden an Stauzeit kostete.

  • Von 13 analysierten Ländern in Europa hält Belgien mit durchschnittlich 44 Stunden Stauzeit den Negativrekord. Es folgen die Niederlande mit 39 Stunden, knapp dahinter kommt schon Deutschland mit 38 Stunden. Zum Vergleich: In Ungarn beschränkte sich die Wartezeit auf fünf Stunden, in Portugal auf sechs.

  • London bleibt die europäische Stau-Hauptstadt, die Autofahrer steckten dort durchschnittlich über hundert Stunden im Verkehr.

So lief die Untersuchung ab
So wurden die verschwendeten Stunden ermittelt
Inrix ermittelt Indizes: Wenn es keine Staus gibt, der Verkehr also normal fließt, ist der Index gleich Null. Ein Index-Wert von 30 gibt beispielsweise wieder, dass für eine gewisse Strecke 30 Prozent mehr Zeit benötigt wird als bei fließendem Verkehr.
Für eine Strecke, die normalerweise in 20 Minuten zurücklegt werden kann, benötigen Autofahrer bei einem Indexwert von 30 also 26 Minuten.
Um das Maß der Störungen von Jahr zu Jahr und zwischen Ballungsräumen messen und vergleichen zu können, analysiert das Unternehmen den Verkehr nach eigen Angaben nur während Stoßzeiten von Montag bis Freitag von 6 bis 10 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr.
So wurden die Daten erhoben
Inrix misst die Verkehrsstörungen nach eigenen Angaben anhand von Straßensensoren, statistischen Erhebungen sowie den Echtzeitdaten aus GPS-Geräten in Fahrzeugen. Ein Netz von mehr als einer Million Kilometer Autobahnen und Nebenstraßen in Europa sei dabei ausgewertet worden.
Bei den 22 untersuchten Metropolregionen in Deutschland ergibt sich laut der Studie kein einheitlicher Trend - in elf davon verringerte sich demnach die Stauzeit, bei den anderen elf stieg sie.

Michael Schreckenberg, Verkehrsexperte an der Universität Duisburg-Essen, führt einige der Entspannungen auf die mittlerweile verbesserten Infrastrukturen auf den Autobahnen zurück. Viele Städte könnten ihre Straßenkapazität jedoch kaum mehr erhöhen, sagt Schreckenberg. Darunter leiden besonders vom Auto dominierte Metropolen wie Stuttgart. Dort sei das Wachstum des Verkehrs "das Ergebnis eines soliden Arbeitsmarkts, niedriger Spritpreise und der hohen Zahl von Auto-Pendlern. Das bringt die Infrastruktur an ihre natürlichen Grenzen."

cst

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insgesamt 152 Beiträge
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Seite 1
keksguru 16.03.2016
1. obsession des Autos
die Leut sind zu 90% selber schuld.... gerade Stutgart hat einen Nahverkehr der als Alternative zum Auto herhalten kann, aber die Leute sind ja alle hirnkrank, genauso wie sie sich eineseits über den Feinstaub in Stuttgart Soren machen, andrerseits mit Holz heizen wo es nur geht.
ericplant 16.03.2016
2. Hamburg auf Platz 6 und 7..
mit den gleichen Werten? Egal, wir werden noch Stauspitzenreiter, denn Hamburg wird ja Europas Fahrradmetropole Nr. 1. Dank unserem Rot- grünen Senat werden ja alle wichtigen Strassen gleichzeitig schwachsinnig gesperrt und auch noch verengt. Und das für ein Saisonfahrgerät. Danke Scholz-O-Mat!
Kamillo 16.03.2016
3. 2x Hamburg?
Warum 2x Hamburg mit 45 Stunden? Wo ist Frankfurt?
r_dawkins 16.03.2016
4. Wie wäre es mal
mit Fahrradfahren? Schafft Platz, gute Luft, weniger Stau und gesunde Bewegung... Die "autogerechte" Stadt ist ein Auslaufmodell von Gestern! - Wir brauchen "menschengerechte" Städte.
di wa 16.03.2016
5. Hamburg...
...gibt es zweimal? Rhein/Main gar nicht? Interessant wären doch gerade die Gründe für viel oder wenig Stau. Was unterscheidet die einzelnen Ballungsräume verkehrstechnisch?
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