Verkehrsstudie Das sind Deutschlands Stau-Metropolen

Laut einer Studie hat sich das Verkehrschaos in vielen deutschen Ballungsräumen verschlimmert: Die Autofahrer standen 2014 länger im Stau als im Vorjahr. Die meiste Geduld wird den Kölnern abverlangt.

Stau in der Stadt: Im Schnitt warten Pendler mehr als anderthalb Tage im Jahr
DPA

Stau in der Stadt: Im Schnitt warten Pendler mehr als anderthalb Tage im Jahr


Wer mit dem Auto im Stau steht, zählt oft die Minuten: Wann geht's endlich weiter und wie viel verspäte ich mich? Diese Zeit zu summieren kann ziemlich frustrierend sein, wie jetzt eine Studie des Verkehrsdatenanbieters Inrix zeigt - im Schnitt gingen Deutschlands Pendler im vergangenen Jahr insgesamt 39 Stunden im Verkehr verloren. Der Wert für das Vorjahr lag bei 35 Stunden.

Inrix hat die Stauwerte von 22 Ballungsräumen untersucht, in 17 Fällen habe sich die Verkehrssituation laut der Studie verschlechtert. Zudem analysierte das Unternehmen die Situation in 13 anderen europäischen Ländern. Die Ergebnisse im Überblick:

  • Neue Stau-Hauptstadt ist Köln. Hier verschwendeten die Autofahrer im Schnitt 65 Stunden beim Warten. Der bisherige Spitzenreiter Stuttgart folgt mit 64 Stunden knapp dahinter. Auf Platz drei liegt Karlsruhe mit 63 Stunden. Im Vergleich aller Ballungsräume hat sich der Wert hier am meisten verschlechtert: Ganze zehn Stunden mehr als im Vorjahr standen die Nordbadener im Stau.

    Deutschlands staureichste Ballungsräume in 2014 (nach verschwendeten Stunden pro Jahr)

    Platz Ballungsraum Verschwendete Stunden in 2014 Unterschied zu 2013 (in Stunden)
    1 Köln 65 9
    2 Stuttgart 64 4
    3 Karlsruhe 63 10
    4 Düsseldorf 53 4
    5 Hamburg 48 0
    6 München 48 4
    7 Bonn 42 4
    8 Ruhrgebiet 42 2
    9 Nürnberg 38 6
    10 Freiburg im Breisgau 37 5
    11 Frankfurt am Main 37 5
    12 Saarbrücken 36 1
    13 Hannover 35 1
    14 Bielefeld 34 -1
    15 Darmstadt 33 0
    16 Magdeburg 30 10
    17 Dresden 28 4
    18 Leipzig 26 4
    19 Bremen 25 3
    20 Kiel 25 -1
    21 Berlin 23 2
    22 Augsburg 20 0

  • Zu den extremsten Knotenpunkten zählen unter anderem die Lerchenauer Straße in München, wo Pendler im vergangenen Jahr im Schnitt rund 68 Stunden im Stau standen. Ebenfalls stark verstopft ist die Donnersberger Brücke in München (56 Stunden), die Leverkusener Brücke in Köln (54 Stunden) sowie die Friedrichstraße (45 Stunden) und Storkower Straße (43 Stunden) in Berlin.

  • Unter den analysierten europäischen Staaten hatten es die Autofahrer laut der Studie nur in zwei Ländern noch schlechter als in Deutschland: In Belgien standen die Menschen im Schnitt 51 Stunden im Stau, in den Niederlanden 41 Stunden. Zum Vergleich: In Ungarn lag der Wert bei fünf Stunden und in Portugal bei sechs.

  • Angesichts der Verhältnisse in der englischen Hauptstadt fließt der Verkehr in den deutschen Stau-Metropolen noch relativ flüssig: In London verschwendeten die Pendler 2014 im Schnitt 96 Stunden im Stau. Brüssel belegt mit 74 Stunden den zweiten Platz im Ranking, dann folgt schon Köln.

So lief die Untersuchung ab
So wurden die verschwendeten Stunden ermittelt
Inrix ermittelt Indizes: Wenn es keine Staus gibt, der Verkehr also normal fließt, ist der Index gleich Null. Ein Index-Wert von 30 gibt beispielsweise wieder, dass für eine gewisse Strecke 30 Prozent mehr Zeit benötigt wird als bei fließendem Verkehr.
Für eine Strecke, die normalerweise in 20 Minuten zurücklegt werden kann, benötigen Autofahrer bei einem Indexwert von 30 also 26 Minuten.
Um das Maß der Störungen von Jahr zu Jahr und zwischen Ballungsräumen messen und vergleichen zu können, analysiert das Unternehmen den Verkehr nach eigen Angaben nur während Stoßzeiten von Montag bis Freitag von 6 bis 10 Uhr sowie 15 bis 19 Uhr.
So wurden die Daten erhoben
Inrix misst die Verkehrsstörungen nach eigenen Angaben anhand von Straßensensoren, statistischen Erhebungen sowie den Echtzeitdaten aus GPS-Geräten in Fahrzeugen. Ein Netz von mehr als einer Million Kilometer Autobahnen und Nebenstraßen in Europa sei dabei ausgewertet worden.
Warum sind die Straßen in Deutschland noch verstopfter als im Vorjahr? "Generell sind vor allem die wachsende Bevölkerung sowie die Urbanisierung Haupttreiber für Staus", heißt es in der Studie. Zudem habe die gute Konjunktur einen negativen Nebeneffekt: Die deutsche Wirtschaft sei momentan die stärkste in der Eurozone und konnte 2014 ein Wachstum von 1,6 Prozent verzeichnen. "Das Wirtschaftswachstum in Deutschland hat zu mehr Bauprojekten auf nationaler Ebene geführt - mit der Konsequenz von deutlich höherem Verkehrsaufkommen", sagt Inrix-Chef Bryan Mistele.

Als Beispiel wird der enorme Anstieg an hohem Verkehrsaufkommen in Magdeburg (50 Prozent) genannt. Die Stadt liege an mehreren europäischen Verkehrsknotenpunkten, wie den Bundesautobahnen A2 und A14 sowie an der Elbe, dem Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal. Dementsprechend habe dort der Güterverkehr insgesamt einen großen Einfluss auf das Verkehrsaufkommen.

"Die Straße ist mehr denn je der attraktivste Beförderungsweg. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren eher noch verstärken", sagt Michael Schreckenberg, Verkehrsexperte der Universität Duisburg und Essen. "Deutschland ist das Transitland Nummer eins in Europa, daher ist es trotz guter Infrastruktur vorprogrammiert, dass die Staulevel anwachsen."

cst

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insgesamt 115 Beiträge
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Seite 1
Alfred Ahrens 24.08.2015
1. Kein Wunder solange KFZ-Steuern zweckentfremdet eingesetzt werden
und sich schier endlos lange Baustellen öffnen, an denen keiner arbeitet. Vielleicht mal mit Objektlohn und Zielprämien versuchen ? Und vorallem Arbeiten und die Ämter auf Trab bringen !!!
Drohnenpilot 24.08.2015
2. Brückensperrungen, Tunnelsanierungen
jahrelang herausgezögerte notwendige Infrastrukturprojekte aufgrund einer verfehlten Verkehrspolitik der Bundesregierung. Während im Osten mit dem Soli blankpolierte dreispurige Autobahnen errichtet wurden, stirbt der Westen langsam am Verkehrsinfarkt, obwohl die Metropolen prosperieren. In Köln kommt noch eine grün-dogmatisch dominierte Verkehrspolitik hinzu, die jede Art von motorisierter Individualmobilität für schlecht und böse hält und daher immer mehr Stauprojekte voran treibt. Die Ursachen also wie immer: politische Unfähigkeit.
trader_07 24.08.2015
3. Eine der besten..
Eine der besten Lebens-Entscheidungen war es für meine Frau und mich, unsere Jobs dahin gehend auszurichten, dass wir von zu Hause aus arbeiten. Ein enormes Plus an zusätzlicher Freizeit und Lebensqualität! Jedem, der darüber nachdenkt, ebenfalls zu Hause zu arbeiten, kann ich das nur allerwärmstens empfehlen, wobei mir bewusst ist, dass nicht jeder dafür geeignet ist. Man muss schon konsequent genug sein, auch wirklich zu arbeiten und darf sich nicht von privaten Dingen ablenken lassen.
Claus_Hangzhou 24.08.2015
4. Geduldig
Es war schon seit den 70iger/80iger Jahren eine ähnliche Situation, Stuttgart, das Ruhrgebiet und die anderen Zentren. Überraschend ist eigentlich nur, dass es ein Land (damit meine ich Deutschland) und seine Politiker in fast 50 Jahren nicht schaffen nachhaltige Lösungen zu erzeugen. Das wirft ein nicht sehr gerade positives Bild auf Vorausdenkendes handeln, von Visionen und Gestaltungswillen will ich schon mal gar nichts erwähnen. Noch schlimmer ist jedoch, dass sich ein Volk in unendlicher Geduld sich diese sinnlose Zeitverschwendung antut und nicht mal im geringsten die Frage stellt, muss das wirklich so sein und warum ändern wir nichts.
quidquidagis1 24.08.2015
5. Die Baustellen sind vorhersehbar...
Zitat von Alfred Ahrensund sich schier endlos lange Baustellen öffnen, an denen keiner arbeitet. Vielleicht mal mit Objektlohn und Zielprämien versuchen ? Und vorallem Arbeiten und die Ämter auf Trab bringen !!!
..aber hier im Ruhrgebiet kommt es fast täglich zur Vollsperrung einer Autobahn wg.umgefallener LKW(oft genug Gefahrguttransporter).Dann werden direkt beide Fahrbahnen auf Stunden gesperrt.
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