Erklärung von Lungenärzten Co-Autor des Positionspapiers ist Diesel-Entwickler

Das Positionspapier von Lungenfachärzten zum Thema Stickoxid-Grenzwerte hat prominente Unterzeichner. Einer davon ist ein Verfechter der Diesel-Technologie, der schon für Daimler arbeitete.

Feinstaubalarm 2018 in Stuttgart
DPA

Feinstaubalarm 2018 in Stuttgart

Von , Magdalena Hamm und


Am Dienstag hat eine Gruppe von Lungenfachärzten in einem Positionspapier die geltenden Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub kritisiert - und damit die Debatte um Fahrverbote und Tempolimits in Deutschland erneut entfacht. Wer den Blick auf die vier Initiatoren dieses Dokuments lenkt, stutzt aber: Einer von ihnen ist ein bekannter Motorenentwickler.

Angestoßen wurde das Positionspapier durch den Pneumologen Dieter Köhler, ehemals Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Köhler zweifelt die Gesundheitsgefahr der von Autos ausgestoßenen Stickoxide (NOx) an. Seiner Meinung nach enthielten zahlreiche Studien über die Schadstoffe systematische Fehler, wodurch auch die gesetzlich festgelegten Grenzwerte zweifelhaft wären.

Neben Köhler werden drei weitere Autoren genannt, die das Positionspapier erarbeitet haben. Darunter der Karlsruher Ingenieurwissenschaftler Thomas Koch, ein bekannter Entwickler von Dieselmotoren. Ihm gehe es um die Einhaltung der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens, erklärte Koch auf die Frage, warum er sich an der Aktion beteiligt habe. Seiner Meinung nach werde die Diskussion um die Luftqualität auf der Grundlage falscher Formeln diskutiert. "Da greift auch nicht die Ausrede, Leben retten zu wollen", so Koch.

Kein Pneumologe, dafür Diesel-Experte

Koch hat Maschinenbau in Karlsruhe studiert, ist also ist kein Pneumologe, sondern Ingenieur. Dieser Unterschied ist für ihn jedoch kein Problem: "Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit Emissionen und Immissionen und bin daher auch statistisch in der Lage, diese Daten einzuschätzen." Koch war zehn Jahre lang für den Autokonzern Daimler tätig und verantwortete dort unter anderem die Vorentwicklung für die Einspritzung von Verbrennungsmotoren. Dort habe er an Motoren für Nutzfahrzeuge gearbeitet, deren Emissionen "immer die Messlatte für den Wettbewerb waren", so Koch.

Auch danach blieb er den Verbrennungsmotoren treu: 2012 wurde er an das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) berufen, wo er Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen wurde. 2016 war seine Expertise dann als Gutachter für den Untersuchungsausschuss Abgas des deutschen Bundestages gefragt, der den Dieselskandal aufarbeiten sollte. Aktuell ist Koch unter anderem Sachverständiger im Ausschuss Verkehr und digitale Infrastruktur des deutschen Bundestages, wo er sich mit der Luftqualität und der technischen Nachrüstung von Diesel-Pkw beschäftigt.

Initiatoren halten Vortrag auf Abgasforum

Der Ko-Autor Matthias Klingner ist ebenfalls Diplomingenieur und derzeit Institutsleiter des Fraunhofer Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme. Der vierte Autor Martin Hetzel ist Pneumologe und Ärztlicher Direktor eines Krankenhauses vom Roten Kreuz in Stuttgart.

Das Positionspapier, das an mehr als 3800 Mitglieder des DGP versandt wurde, fand insgesamt 112 Unterzeichner. Darunter 105 Lungenärzte, zwei Ingenieure, zwei Physiker, zwei Atemtherapeuten und ein Rechtsmediziner.

Initiator Köhler hielt bereits im Februar 2018 einen Vortrag auf dem "Internationalen AVL Forum Abgas- und Partikelemissionen" in Ludwigsburg. Dort sprach er über die "Bewertung der Studien zur Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub." Das geht aus dem Tagungsprogramm hervor.

Nach dem dreißigminütigen Vortrag von Köhler folgte ein weiterer bekannter Sprecher: Professor Koch. Er hielt einen Vortrag über den Einfluss des Dieselmotors auf die Umwelt. Auf der letzten Seite seiner Präsentation zieht Koch ein Resümee: "Die aktuelle Situation wird langfristig wertvoll werden für den Diesel durch die schnellere Eliminierung der NOx-Diskussion!"

insgesamt 195 Beiträge
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Seite 1
quark2@mailinator.com 25.01.2019
1.
Ooooch, klar, immer wieder eine tolle Taktik, einfach den Autor diskreditieren und dann ist es egal, was er geschrieben hat, oder ? Auch Diesel-Emtwickler und Pharmakonzerne, ja sogar Tabakkonzerne können legitime Kritikpunkte finden. Worauf es allein ankommt ist, ob jemand recht hat, oder nicht. Wie ich schon zuvor schrieb: Am besten, man einigt sich auf gemeinsame Tests, führt diese durch und trägt mit den Ergebnissen dazu bei, daß es keinen Zweifel mehr gibt. Rein wissenschaftlich und möglichst schnell.
Tatin 25.01.2019
2. Na sowas, wer hätte das wohl gedacht?
Warum überrascht mich das nicht? Dr. med. Marlboro hatte doch auch schon erforscht, dass Zigaretten gar nicht schädluch sind ;-)
lincoln33t 25.01.2019
3. Und wo ist jetzt das Problem
Immerhin haben es 100 Pneumolgen unterzeichnet, bestimmt nicht ohne Grund.
drui 25.01.2019
4. Lieber Spiegel
Wie wäre es mal mit etwas Selbstkritik? Erst geht ihr den selbst erklärten "Experten" unter den Lungenfachärzten auf dem Leim, die nie auch nur eine wissenschaftliche Publikation vorzuweisen haben und offensichtlich von der Autoindustrie bezahlt werden, dann erst fällt euch auf, dass die Individuen doch nicht die Mehrheitsmeinung ihrer eigenen Zunft vertreten sondern das Gegenteil von dem, das ihr Verband sagt. Warum kann das nicht recherchiert werden, bevor ihr Euch zum Megaphon von Fake News macht? Lassen sich so emotionale News besser doppelt und dreifach verkaufen?
riomaster181 25.01.2019
5.
A jja. Jetzt geht es also wieder darum, wer etwas sagt, und nicht, was gesagt wird. Es ist doch völlig gleichgültig welchen beruflichen Hintergrund dieser Mann hat oder ob ein Fahrverbotsbefürworter politisch für eine Abkehr vom Individualverkehr agitiert. Argumente zählen, sonst nichts.
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