Vernetzte Fahrzeuge Auto-Apps sammeln viel mehr Daten als nötig 

Moderne Autos lassen sich über das Smartphone bedienen. Doch statt vom Komfort der Vernetzung ausschließlich zu profitieren, wird der Fahrer laut Stiftung Warentest ausspioniert.

Prüfer der Stiftung Warentest analysieren den Datenstrom der App in einem Tesla
Stiftung Warentest

Prüfer der Stiftung Warentest analysieren den Datenstrom der App in einem Tesla


Moderne Autos wissen mehr über den Fahrer als diesem womöglich lieb ist. Die Stiftung Warentest hat 26 Apps von 13 großen Herstellern getestet und auf ihr Datensendeverhalten überprüft. Bei allen Anbietern sei dieses kritisch, so das Urteil der Experten. Es wurden deutlich mehr Daten an Google, Apple oder weitere Stellen übertragen als für den Betrieb der App notwendig waren. Darunter befanden sich auch personenbezogene Daten wie die Fahrzeugidentifikationsnummer und der Standort des Pkw.

Laut Bundesdatenschutz- und Telemediengesetz dürfen personenbezogene Daten aber nur dann erhoben werden, wenn der Betroffene eingewilligt hat. Um zustimmen zu können, muss der Nutzer vor dem Installieren der App über das Datensammeln umfassend und verständlich aufgeklärt werden. Auch das leistet laut Stiftung Warentest keiner der geprüften Anbieter. Im Test befanden sich Anwendungen von Opel, Hyundai, Mercedes, Audi, BMW, Fiat, Peugeot, Renault, Seat, Skoda, Toyota, Tesla und Volkswagen.

Nur D aimler beantwortete einen Fragebogen zum Thema Datenschutz

Die Apps der Hersteller sollen den Komfort und Spaß beim Autofahren erhöhen, indem sie beispielsweise das Autoradio mit Musik vom Handy versorgen, SMS vorlesen oder bei Elektrofahrzeugen bei der Suche nach Ladestationen helfen. Mobile Geräte des Fahrers verbinden sich deshalb beispielsweise via Bluetooth mit dem Bordsystem des Autos. Das Sendeverhalten der Apps untersuchte die Stiftung Warentest mithilfe eines dazwischengeschalteten Proxy-Servers, der die Daten aus der App während der Fahrt auslas. Anschließend wurden diese analysiert und, wenn nötig, entschlüsselt.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, das Auto mit dem Internet zu koppeln. Vor allem Oberklassemodelle können sich mit einer eingebauten Mobilfunkkarte beispielsweise mit den Servern der Hersteller verbinden. Was diese Autos übertragen, konnten die Fachleute nicht ermitteln. Es sei technisch kaum möglich, sich in die Mobilfunkverbindung der verbauten Sim-Karte zu hacken, heißt es bei der Stiftung Warentest. Ab dem 31. März 2018 wird für alle Neuwagen in der EU ein Notrufsystem über eine Mobilfunk-Sim-Karte Pflicht. Dieses löst bei schweren Unfällen automatisch Alarm aus und ruft Hilfe.

Ein besonders krasses Beispiel für den Umgang mit Daten liefert laut Stiftung Warentest Tesla. In der "Kundendatenschutzrichtlinie" des Herstellers, die auf der Internetseite des Elektroauto-Vorreiters veröffentlicht ist, heißt es, dass Tesla Informationen nicht nur über seine Autos und Apps bezieht, sondern möglicherweise auch über Dritte, etwa öffentliche Datenbanken, Marketingfirmen, Werkstätten und sogar soziale Medien wie Facebook. Über Fernzugriff könne Tesla auch Aufnahmen von Fahrzeugkameras erhalten oder Daten zum Fahrstil sammeln. Diese Infos, so Tesla, könnten auch im Falle einer Ermittlung bei Behörden landen oder dem Arbeitgeber, "wenn das Produkt nicht Ihnen selbst gehört und sofern dies nach geltendem Recht zulässig ist."

Ein an alle Hersteller verschickter Fragebogen zum Umgang mit den generierten Daten beantwortete lediglich Daimler. Die Hersteller sollten unter anderem darüber Auskunft erteilen, welche Daten Pkw und Apps sammeln, wer diese verarbeitet und wo diese gespeichert werden.

mhu

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
MrSnoot 26.09.2017
1.
---Zitat--- Ein an alle Hersteller verschickter Fragebogen zum Umgang mit den generierten Daten beantwortete lediglich Daimler. Die Hersteller sollten unter anderem darüber Auskunft erteilen, welche Daten Pkw und Apps sammeln, wer diese verarbeitet und wo diese gespeichert werden. ---Zitatende--- Ist der Hersteller nicht gesetzlich verpflichtet, darüber Auskunft zu geben?
dirk.resuehr 26.09.2017
2. Cui bono?
Von mir aus. Sollen sie sammeln, fahre zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Tanken. Geheim, geheim. Tankt an freier Tankstelle, kauft bei Lidl, Aldi und Globus, geheim geheim! Interessanter ist doch der SPON, kaum kuck ich mir eine Werbung an aus Neugier, weil ich in dem Hotel war oder noch nicht, schwupps erhalte ich per Email Angebote desselben. Auch bei Autos oder Möbeln. Nutzt nur gar nichts. Ich kucke, kaufe nichts, buche nichts. So ein Ärger. Laßt doch linke nach Menschenrechten schreien, Spionage Derart tut mir gar nichts, beeinflußt nichts, das Wissen meines Kaufverhaltens nutzt nichts, weil imprägniert, und, falls die guten Qualitäten, die sich bei Discountern eingebürgert haben, auf mich zurückgeführt werden sollten, krieg ich ein Kreuz am Band!
Wolfvon Drebnitz 26.09.2017
3. Spon sammelt auch mehr Daten...
Spon sammelt auch mehr Daten als bekannt. Ich konnte die Webseite im Firefox nicht mehr lesen - immer wieder poppt die Meldung auf ich sollte meinen Add-Blocker abschalten. Doch ich hatte überhaupt keinen installiert. Nach ewiger Suche kam ich dahinter, dass ich im Firefox den Button "Schutz vor Aktivitätenverfolgung" deaktivieren musste - dann ging es wieder. Also verfolgt SPON doch mein Surfverhalten...
w.diverso 26.09.2017
4. Wundert das wen?
Klar werden die Firmen von ihren Kunden sammeln solange die sich nicht wehren. Es ist auch kein Wunder, dass Tesla da an der Spitze ist. Ist ja eine amerikanische Firma die das Geldverdienen ja besonders stark in ihren Genen hat. Nett ist auch, dass die Bilder aus den Kameras des Autos absagen können. Wird nicht lange dauern bis sie auch eine Kamera, für z.B. Gestensteuerung, haben, die Bilder aus dem Inneren an den Hersteller überträgt. Jetzt wissen sie schon wie viele Personen im Auto sitzen, später wissen sie dann auch wer das war. Warum aber die Daten der verbauten SIM-Card nicht überprüft werden können ist nicht klar. Man muss doch nur eine Funkstation aufbauen, die die Daten als Zwischenstelle übernimmt. Das machen doch alle Geheimdienste so.
Suzie 26.09.2017
5.
Klar, dass diejenigen die regelmäßig mit 250km/h über die Autobahn brettern und abends zum außerehelichen Intermezzo fahren etwas nervös werden dürften, wenn das Auto Daten sammelt…
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