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Streit um CO2-Grenzwerte: Merkel übernimmt Position der Autolobby

Merkel mit Daimler-Chef Zetsche und Verkehrsminister Ramsauer: Streicheleinheiten Zur Großansicht
AFP

Merkel mit Daimler-Chef Zetsche und Verkehrsminister Ramsauer: Streicheleinheiten

Mit aller Macht stemmen sich deutsche Autohersteller gegen strengere Abgasvorschriften der EU. Jetzt bekommen sie prominente Unterstützung: Kanzlerin Merkel setzt sich für die Mehrfachanrechnung von Elektroautos ein - und übernimmt damit die Position der Autolobby.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der Autobranche bei den Verhandlungen über strengere CO2-Grenzwerte in der EU Hilfe zugesagt. Deutschland sei bei ambitionierten Zielen immer mit dabei, sagte Merkel am Montag auf einer Konferenz zur Elektromobilität in Berlin. Sie warnte aber indirekt davor, dass dies zu Lasten der deutschen Autoindustrie geschehe. Dabei hätten vor allem die Supercredits eine "super Bedeutung", sagte Merkel unter dem Beifall der Automanager.

Supercredits sind eine Art Bonus für Elektroautos. Diese sollen im Flottenverbrauch der Hersteller mehrfach angerechnet werden - und damit die CO2-Bilanz schönen.

Das EU-Parlament spricht sich derzeit dafür aus, dass Neuwagen mit weniger als 50 Gramm CO2-Ausstoß, also Elektroautos und Plug-in-Hybride, in die Berechnung aller Emissionen von 2016 bis 2023 mit dem Faktor 1,5 eingerechnet werden. Die EU-Kommission will sogar nur einen Faktor von 1,3 zulassen.

Erfolgreiche Lobbyarbeit

Die deutschen Hersteller fordern dagegen, dass der Faktor der Anrechnung deutlich erhöht wird. Erst vor kurzem hatte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, Merkel einen Bettelbrief geschrieben. Wissmann hatte dabei vor "überzogenen" CO2-Regulierungen und indirekt vor dem Verlust von Jobs gewarnt.

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So argumentierte jetzt auch Merkel: Gerade große Autos seien die Innovationstreiber in der Industrie, sagte die CDU-Vorsitzende. Deutschland sei in besonderer Weise von der Branche abhängig. "Ein Viertel des Umsatzes der deutschen Industrie entsteht mit und in der Autoindustrie." Hiervon hänge Wohlstand und Zukunft des Landes in erheblichem Maße ab. Zugleich wies Merkel darauf hin, dass sich derzeit immer neue Mobilitätskonzepte entwickelten und sich die Nutzung der Verkehrsmittel der Menschen stark verändere.

Der Vorstoß aus Brüssel trifft besonders die deutschen Hersteller BMW und Mercedes, weil sie im Durchschnitt größere und leistungsstärkere Autos verkaufen als Konkurrenten wie Fiat, Toyota und Ford. Große Fahrzeuge verbrauchen mehr Kraftstoff und stoßen größere Mengen CO2 aus. Andere europäische Hersteller wie Fiat oder Volkswagen hatten sich hingegen zu den angestrebten CO2-Grenzwerten bekannt.

cst/dpa

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1.
ewspapst 27.05.2013
Zitat von sysopAFPMit aller Macht stemmen sich deutsche Autohersteller gegen strengere Abgasvorschriften der EU. Jetzt bekommen sie prominente Unterstützung: Kanzlerin Merkel setzt sich für die Mehrfachanrechnung von Elektroautos ein - und übernimmt damit die Position der Auto-Lobby. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/streit-um-co2-grenzwerte-merkel-uebernimmt-position-der-autolobby-a-902162.html
Was haben wir doch für eine tolle Kanzlerin, nach diesen Entscheidungen wird ihre Beliebtheit durch die Medien siche einen neuen Höhenflug bekommen und Steinbrück wird das sicher wieder weiter abstürzen lassen, jedenfalls nach Wunsch der Medien.
2. ach nee
Stabhalter 27.05.2013
Zitat von sysopAFPMit aller Macht stemmen sich deutsche Autohersteller gegen strengere Abgasvorschriften der EU. Jetzt bekommen sie prominente Unterstützung: Kanzlerin Merkel setzt sich für die Mehrfachanrechnung von Elektroautos ein - und übernimmt damit die Position der Auto-Lobby. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/streit-um-co2-grenzwerte-merkel-uebernimmt-position-der-autolobby-a-902162.html
Merkel die Autostreichlerin,.herrlich dieses Bild,wie Pik 7 am Gartenzaun und die verkörpert Deutschland?
3. Und jetzt...
DerNachfrager 27.05.2013
...alle entlassenen Opel-Werker mal mitsprechen: Autolobby gaanz gaanz pööhse !
4. Dienen
rainer_daeschler 27.05.2013
Gerhard Schröder war der Autokanzler. Angela Merkel ist Autokanzlerin und Bankenkanzlerin. Niemand konnte ahnen, als sie versprach, dass sie Deutschland dienen möchte, dass es für sie in erster Linie aus Banken und Autos bestehen würde.
5. Wie immer...
g0r3 27.05.2013
Wie immer: Die Lobbyisten nehmen die Arbeitnehmerschaft in Geißelhaft und die Politik spurt nach minimalem Widerstand, um den Anschein der Freiwilligkeit zumindesten vor den ganz den Dummen der Bürgerschaft zu verbergen.
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

CO2-Emissionen

Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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CO2-Ausstoß - Die Fakten
DPA

2009 hat die EU einen CO2-Grenzwert für Pkw festgelegt. Nach der gültigen Richtlinie darf der CO2-Ausstoß der Neuwagen-Flotte eines Herstellers ab 2020 durchschnittlich 95 Gramm je Kilometer nicht überschreiten. 2012 lag dieser Durchschnittswert in Europa bei 136,1 g/km, in Deutschland bei 141,8 g/km. Die EU-Regelung sieht Strafen vor, wenn die Autos ab 2020 mehr als 95 g/km ausstößen - und zwar 95 Euro je Gramm und Fahrzeug. Läge dann der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Autos eines Herstellers bei 105 g/km, würden pro verkauftem Auto 950 Euro fällig.

Nicht nur in Europa, auch für andere Weltregionen wurden CO2-Grenzwerte ab 2020 festgelegt. In den USA etwa 121 g/km (ab 2025 dann 93 g/km), in China 117 g/km und in Japan 105 g/km. Die deutsche Autoindustrie erklärte, der europäische Richtwert sei "sehr ambitioniert" und nur durch "erhebliche Mehrkosten" erreichbar.

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Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine


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