Möglicher G-Modell-Nachfolger: Rundschliff für die alte Kante

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Mercedes-Studie Ener-G-Force: Der Würfel ist gefallen Fotos
Daimler

Seit mehr als 30 Jahren baut Mercedes das G-Modell, seit mehr als 30 Jahren sieht der Riese aus wie ein Würfel. Erstmals bringen die Schwaben jetzt eine abgerundete Variante des Allrad-Klotzes ins Spiel. Sakrileg oder Spitzenidee?

Porsche 911, VW Käfer, Ford Mustang, Land Rover Defender - wenn Autos zu Ikonen reifen, bekommen Designer ein Problem. Hat sich eine Form erst einmal ins kollektive Gedächtnis der PS-Gemeinde eingebrannt, wird die Arbeit an einem Nachfolger zur Gratwanderung zwischen Erwartung und Enttäuschung. Das weiß auch Gordon Wagener. Der Designchef von Mercedes hat nämlich nicht nur den SL im Portfolio, von dem jeder ein Bild im Kopf hat, sondern auch die G-Klasse.

Wageners Vorgänger machten um den kantigen Allradler stets einen großen Bogen. "Am besten nichts ändern", fasst er die bisherige Devise im Umgang mit dem Allrad-Dinosaurier zusammen. Zwar wurde der Geländewagen immer mal wieder überarbeitet und modernisiert, doch das betraf praktisch ausschließlich die Technik. Optisch steht der Wagen im Grunde noch genau so da wie bei der Premiere im Jahr 1979.

Doch jetzt beginnt offenbar die Götterdämmerung für die G-Klasse. Im Rahmen der Los Angeles Autoshow sinnieren die Schwaben zum ersten Mal öffentlich darüber, wie die Zukunft des ewig Gestrigen aussehen könnte. Retro war laut Wagener tabu. "Es galt, nicht das G-Modell des letzten Jahrhunderts nachzubauen, sondern die G-Klasse von morgen zu zeichnen." Vor knapp einem Jahr begann ein Team junger Designer im kalifornischen Carlsbad mit der Arbeit.

Geheime Botschaft im Scheinwerferlicht

Das Ergebnis hört auf den Namen Ener-G-Force und ist kein kantiger Kasten mehr, sondern trägt modellierte Flächen und markante Rundungen. Stammt das Original noch aus der Zeit von Rubiks Zauberwürfel, kommt die Studie in der Designwelt von iPhone und Co. an.

Gleichzeitig erkennen Kundige jede Menge Reminiszenzen an das Original: Der aufrechte Kühlergrill hat fast die gleiche Form wie in den letzten 33 Jahren, die Blinker ragen noch immer aus den Kotflügeln wie die Augen eines Krokodils aus dem Wasser, die Fenstergrafik an der Flanke ist fast unverändert und wo früher das Ersatzrad am Heck angeschlagen war, befindet sich jetzt eine eigene herausziehbare Werkzeugkiste samt integriertem Radkreuz. Wer trotzdem noch zweifelt, muss sich die Scheinwerfer genau ansehen. Die LED darin bilden nämlich den Buchstaben G.

Bei der Entwicklung der G-Klasse hatten die Schwaben damals als Kunden vor allem das Militär und die Rettungskräfte im Blick, die Studie hingegen ist ein Spielmobil für große Jungs geworden. Gepimpt, gechoppt und getuned, steht sie auf 20-Zoll-Felgen mit Ballonreifen. Überhaupt ist das Design grell, wuchtig, reißerisch. Studien allerdings müssen so sein - um Aufmerksamkeit zu erregen. Gleichzeitig soll niemand auf die Idee kommen, dass so ein Auto schon bald beim Händler stehen könne.

Dabei könnte man allerlei anstellen mit so einem Auto, gerade in den USA, wo ausladende Geländewagen das Straßenbild prägen. Doch wenn es um die konkreten Perspektiven für die Studie geht, wird die Sprachregelung kompliziert. Einerseits werde exakt so ein Wagen wohl kaum in Serie gehen, sagt Wagener. Andererseits sei das Auto so detailliert gestaltet, dass man ihn relativ schnell realisieren könne. Ja, was denn nun?

Erbt der nächste GLK den Look der Studie?

Offenbar hat sich Mercedes für einen Mittelweg entschieden, der sich in der Serienfertigung aufgabelt. In Zukunft nämlich sollen die SUV-Modelle bei Mercedes-Benz schnittiger werden. Daneben soll es rustikale Geländewagen geben. Für letztere könnte die Studie aus Los Angeles eine Art stilistische Blaupause sein. Der nächste GLK zum Beispiel könnte Elemente des Konzeptfahrzeugs übernehmen.

Allerdings nur optische. Denn die Technik der Studie ist noch Science-Fiction. In der Theorie gewinnt das Fahrzeug aus Brauchwasser den für den Betrieb der Brennstoffzellen nötigen Wasserstoff. Gespeichert wird die elektrische Energie in Akkus, die in den Trittleisten untergebracht sind und genutzt wird sie von vier Radnabenmotoren. Doch von derart modernen Antrieben sind die Geländewagen von heute und wohl auch von Morgen noch ziemlich weit entfernt.

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insgesamt 153 Beiträge
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1. optional
steelman 16.11.2012
Ein Suff mehr zur Auswahl zum Brötchen holen, wo ist das Problem?
2. Wow...
nurmalso2011 16.11.2012
... Schade, dass Mercedes ihr Studien immer zu sehr verwässert, bevor die Modelle auf den Markt kommen. Ein provokatives Design würde sicherlich auch den Absatzzahlen gut tun.....
3. Schauderhaft!
markus-f 16.11.2012
Sieht aus, wie aus dem Programm eines chinesischen Billigspielzeugherstellers ... diese blinkenden, quakenden Plastikautos für drei/ vier US $, wie sie auf fernöstlichen und afrikanischen Straßenmärkten verkauft werden. GLATTE SECHS
4. als studie ok,
fessi1 16.11.2012
Zitat von sysopDaimlerSeit mehr als 30 Jahren baut Mercedes das G-Modell, seit mehr als 30 Jahren sieht der Riese aus wie ein Würfel. Erstmals bringen die Schwaben jetzt eine abgerundete Variante des Allrad-Klotzes ins Spiel. Sakrileg oder Spitzenidee? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/studie-ener-g-force-mercedes-enthuellt-moeglichen-g-modell-nachfolger-a-867432.html
aber das ganze sieht mehr nach dem zukünftigen Highlander von Toyota aus, denn nach G-Klasse... Vielleicht hätte man doch eher deutschen Designernachwuchs ranlassen sollen.
5. Billige Kopie
huettenfreak 16.11.2012
Mal abgesehen davon dass ich das "alte" G-Modell im Vgl. um Welten schöner finde ist dieses neue Gedankenspiel lediglich eine ganz billige Kopie des Toyota FJ Cruisers. Und daran haben die ein ganzes Jahr "gearbeitet". Oh Gott!
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