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18. Februar 2013, 11:59 Uhr

Verkehrsstudie mit GPS-Daten

Wo die Stau-Verursacher wohnen

Diese Frage hat sich jeder Autofahrer schon mal gestellt: Wer ist eigentlich schuld daran, dass sich jeden Tag der Verkehr in den Städten staut? Durch die Auswertung von GPS-Daten haben Wissenschaftler nun eine Antwort gefunden.

Millionen Autofahrer teilen in den Städten täglich das gleiche Schicksal. Auf dem Weg zur Arbeit stehen sie im Stau, ein ewiger Kreislauf aus Schleichen, Anhalten, Warten, Weiterschleichen. Man hat sich damit abgefunden: Verstopfte Straßen gehören zum Alltag, schließlich sind im Berufsverkehr einfach zu viele Autos gleichzeitig unterwegs und die Routen überlastet.

Verkehrsforscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der University of California haben das Chaos auf den Straßen nun genau untersucht - und dank neuer Analysemethoden die Problemzonen im Verkehrsnetz präzise bestimmt. Das Fazit ihrer Untersuchung: Dass jeden Tag so viele Autofahrer im Stau stecken, liegt nicht an der schieren Masse von Fahrzeugen, sondern nur an einem vergleichweise kleinen Teil der Verkehrsteilnehmer.

Für ihre Studie, über die der "Boston Globe" nun berichtete, nahmen die Forscher den Verkehr in und um der amerikanischen Großstadt Boston unter die Lupe. Statt ihre Untersuchung wie bisher auf Verkehrszählungen anhand von Strichlisten zu stützen, werteten sie dabei über einen Zeitraum von drei Wochen die anonymisierten GPS-Daten der Handys von mehr als 680.000 Autofahrern aus. Die Wissenschaftler konnten dadurch nachvollziehen, wann und auf welcher Route diese Autofahrer unterwegs waren.

Wegen ein paar Autofahrern staut sich der ganze Verkehr

Die im Vergleich zur alten Untersuchungsmethode viel umfangreichere Analyse brachte folgendes Ergebnis: Während des Berufsverkehrs waren 98 Prozent der Straßen in Boston nicht überlastet, der Verkehr hätte sich dort also nicht stauen müssen. Lediglich auf zwei Prozent der Routen war zu wenig Platz für die Zahl an Autos, die dort fuhren. Bei diesen überlasteten Strecken handelte es sich allerdings um die Hauptverkehrsadern. Und über die Problemrouten breiteten sich die Staus dann auf die anderen Straßen aus.

Die Studie deckt sogar die Herkunft der Schuldigen auf: Die Forscher hatten Boston für die Analyse in insgesamt 750 Erhebungsgebiete unterteilt - nur 15 davon entpuppten sich als Problemviertel, was die Verkehrsentwicklung betrifft. Aus ihnen stammten jene Autofahrer, die auf die Hauptverkehrsadern drängten und somit allen anderen den Weg zur Arbeit versperrten. In Boston heißen die Bezirke zum Beispiel Everett, Marlborough, Lawrence oder Lowell.

Zum einen wissen die Pendler an der amerikanischen Ostküste dank der Studie nun, wem sie die tägliche Schleicherei zu verdanken haben. Zum anderen können aber auch gezielter Maßnahmen ergriffen werden, um die Verkehrsknoten zu lösen. Denn laut den Wissenschaftlern würde es schon ausreichen, die Zahl der Autofahrer aus den 15 Problembezirken um ein Prozent zu senken, damit alle Verkehrsteilnehmer im Schnitt 18 Prozent schneller bei der Arbeit und wieder zu Hause sind.

cst

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