Studie Ford Evos Der Mondeo von Morgen

Türen wie die Flügel eines Maikäfers, einen Bug wie ein Mustang und ein Heck wie der Enkel des Capri? Ganz so dynamisch wird der nächste Ford Mondeo zwar nicht. Doch zumindest die Designsprache des kommenden Flaggschiffs nehmen die Kölner mit der IAA-Studie Evos vorweg.


Ford nordet seine Designmannschaft neu ein. Nachdem der Focus technisch zum Weltauto geworden ist und auf allen wichtigen Märkten verkauft wird, will der US-Konzern jetzt auch seine Formensprache globalisieren. Wo die Reise hingeht, hat Designchef J Mays jetzt mit der Studie Evos vorgegeben. Sie feiert ihre Publikumspremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt und wird schon bald ihre ersten Spuren im Produktportfolio hinterlassen. "Bereits nächstes Jahr werden Sie den ersten Ford in diesem neuen Geist sehen", sagt Mays und verschweigt, was die Männer aus der zweiten Reihe längst verraten haben: Was sich da im Frankfurter Rampenlicht dreht, ist ein sehr konkreter Vorbote des nächsten Mondeo.

Wenn der Ende 2012 erstmals zu sehen ist, wird man deshalb zum Beispiel die deutlich geglätteten, etwas ruhiger Flächen der Studie wieder erkennen. Man wird sich an die schlanke, sehr leicht wirkende Silhouette des 4,50 Meter kurzen, 1,36 Meter flachen aber 1,97 Meter breiten Schaustücks erinnern. Und man wird vor allem die Front des Evos wiedersehen, das mit schmalen Scheinwerferschlitzen und einem prominent nach oben gerückten Trapez-Grill künftig alle Ford-Modelle zieren soll.

Was es dagegen nicht mehr geben soll, ist das mit zu vielen Linien überladene Heck. Ebenfalls keine Chancen haben die vier gegenläufig monierten Flügeltüren, räumt Mays ein. Die hat er nur umgesetzt, damit man einen ungehinderten Blick in den Innenraum erhaschen kann. Dort sieht man vier dünne aber offenbar sehr bequeme Sessel, ein futuristisches Cockpit und einen Fahrersitz, den Mays nicht umsonst den heißen Stuhl nennt. Rot lackiert, rückt er den Fahrer ins Zentrum des Geschehens und überprüft gleich selbst, ob der Evos zum Pulsbeschleuniger taugt: Nicht umsonst haben die Entwickler spezielle EKG-Sensoren in den Polstern integriert.

Das Auto in der Wolke

Dazu stellt Mays mehr Liebe zum Detail in Aussicht, lässt sich manche Formen von technischen Errungenschaften wie der LED-Technik diktieren und verspricht eine höhere Wertanmutung. Zwar nimmt er dafür bewusst das Wort "Premium" in den Mund, will das aber nicht als Ansage für höhere Preise verstanden wissen. "Der Markt ist voll von Marken, die ihre Autos teurer verkaufen wollen und damit ihre liebe Not haben." Ihm gehe es weiter um bezahlbare Volumenmodelle, die allerdings künftig attraktiver werden müssen.

Zuallererst geht es Ford zwar beim Evos um die neuen Designsprache. "Aber die Studie ist mehr als nur eine schöne Verpackung", sagt Forschungschef Paul Mascarenas und lenkt den Blick auf die Technik des Schaustücks. Besonders stolz ist er auf die vollkommene Vernetzung des Evos. "Das Auto wird zum Teil der Cloud", sagt der Entwickler und meint damit jene virtuelle Wolke, auf der sämtlichen persönlichen Daten und Informationen des Fahrers gespeichert und online Verfügbar sind. Deshalb läuft im Evos nicht nur die gleiche Musik wie zu Hause am Küchentisch, sondern das Auto kennt auch den Terminplan und füttert damit sein Navigationssystem. Wird es knapp mit den Terminen, nimmt er den schnellsten Weg. Hat man dagegen ein bisschen Zeit, bietet das System automatisch eine schöne, dynamische Strecke an.

Die soll der Mondeo von Morgen beherzt in Angriff nehmen, weil Lenkung, Fahrwerk und Getriebe auf Knopfdruck ihren Charakter verändern und sich dank elektronischer Weitsicht auch automatisch den jeweiligen Gegebenheiten anpassen werden. In Fahrt bringt ihn dabei ein Plugin-Antrieb, für den Ford einen Vierzylinder-Benziner und einen Elektromotor kombiniert. Das Doppel ist vor allem auf den emissionsfreien Antrieb ausgelegt und schaltet den Verbrenner nur zu, wenn die Fahrt an Tempo gewinnt oder die Akkus zur Neige gehen. So stromert der Evos laut Mascarenas problemlos durch die Innenstadt und kommt insgesamt auf eine Reichweite von über 800 Kilometern.

Auf den ersten Blick muten viele der Funktionen noch futuristisch an. Doch Ford hat Bodenhaftung bewiesen: "In dieser Studie steckt keine Technik, die wir nicht bereits für die Serienfertigung vorbereiten würden", sagt der Forschungschef. Das Infotainment-System kann man deshalb etwas abgespeckt schon kaufen, der Plug-In-Antrieb geht nächstes Jahr im C-Max in Serie, und das vorausschauende Fahrwerk wird eines der Highlights im nächsten Mondeo.

Da kann Designer Mays nicht mithalten. Er macht keinen Hehl daraus, dass der Evos so nie in Serie geht. Doch viele Details des Autos wird man schon bald auf der Straße sehen. "Denn dieses Auto hat alle Stilelemente, die wir für Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Cross-Over benötigen", ist Mays überzeugt. "Das ist der Baukasten, aus dem sich über 1100 Designer in unseren acht Studios rund um den Globus künftig bedienen werden."



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