Studie Peugeot HX1: Sechssitzer im Weltraum-Look

Von Jürgen Pander

Eichenpanele, Marmor, vier Flügeltüren und jede Menge Hightech - Peugeot wird in zwei Wochen auf der IAA in Frankfurt ein Konzeptauto zeigen, das auf den ersten Blick stark beeindruckt, bei näherem Hinsehen aber eher enttäuscht.

Peugeot HX1: Extracool in die Sackgasse Fotos

Der Peugeot-Konzern ist recht ordentlich unterwegs. Nach Jahren, in denen die Autos der Franzosen mit Designeffekten geradezu überladen waren, herrscht nun wieder eine klare, elegante Linie vor. Die aktuelle Mittelbaureihe 508 ist ein gutes Beispiel dafür. Die Kunden goutieren die Mischung aus Hightech und Lässigkeit, in den ersten sechs Monaten des Jahres wurden in Europa bereits 57.000 Exemplare abgesetzt - und in diesen Tagen startete der Verkauf in China.

In Frankfurt erweitert Peugeot die 508-Familie durch das höher gelegte Crossover-Modell RXH, einen Wagen mit Diesel-Hybrid-Antrieb, wie er bereits im Modell Peugeot 3008 Hybrid 4 angeboten wird. So hofft man, auch jene Kunden für das Auto zu gewinnen, die gerne etwas mehr Geld ausgeben, um mit gutem Umweltgewissen und in einem extravaganten Fahrzeug unterwegs zu sein.

Diese Klientel umgarnt das Unternehmen auch mit der Studie HX1, die ihre Premiere auf der IAA feiert. Metamorphose sei das Leitmotiv bei der Entwicklung des 4,95 Meter langen und nur 1,37 Meter hohen Van gewesen, heißt es bei Peugeot. Die vier Flügeltüren öffnen sich in Richtung aller vier Ecken des Wagens schräg nach oben. Je nach Bedarf können im Innenraum bis zu sechs, teils frei verschiebbare Sitze aufgeklappt werden.

Wer hier Platz nimmt, wähnt sich auf einer automobilen Insel der Glückseligen: Es gibt großflächige Verkleidungen aus Natureiche mit Lichtleitern zwischen den Holzstäbchen; es gibt berührungsempfindliche Bildschirme im Cockpit, Bezüge aus Leder-Plissé, weißen Carrara-Marmor auf der Mittelkonsole und in Fächern verborgen eine Bordbar samt Kaffeemaschine.

Der Diesel-Hybrid-Antrieb der Studie wiederum soll Modernität vermitteln. Das Prinzip ist aus den eingangs erwähnten Serienmodellen bekannt. Beim HX1 besteht das System aus einem 2,2-Liter-Diesel mit 204 PS und einem 95-PS- Elektromotor. Macht zusammen 299 PS - und weil der E-Motor die Hinterachse antreibt, verpassen die Marketing-Leute der Studie gleich noch das Image fördernden Label Allradantrieb.

Elektrisch angetrieben fährt das Auto maximal 30 Kilometer weit

Weil die Lithium-Ionen-Batterien nicht nur im Fahrbetrieb, sondern auch an der Steckdose geladen werden können (Plug-In-Hybrid), beträgt die rein elektrische Reichweite des Autos bis zu 30 Kilometer. So ergibt sich nach der aktuell gültigen Verbrauchsformel für Hybridfahrzeuge ein schmeichelhafter Durchschnittsverbrauch von 3,2 Liter je 100 Kilometer. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 83 Gramm - vorausgesetzt, der Strom ist klimaneutral entstanden.

Wer jedoch das Auto so, wie es gedacht ist nutzen würde, nämlich als schnittiges Reisemobil, dürfte weitaus weniger sparsam unterwegs sein. Immerhin haben die Ingenieure die Windschlüpfigkeit des wuchtigen Wagens optimiert: Sieben sogenannte Flaps - kleine Flügelchen zur Lenkung des Fahrtwinds - klappen je nach Geschwindigkeit in unterschiedlicher Stellung auf oder bilden eine durchgehende, flache Scheibe. Zugleich fahren bei mehr als Tempo 100 ein Spoiler und zwei Seitenbleche über der Heckklappe aus. Der Luftwiderstandsbeiwert liege bei "für einen Van bemerkenswerten 0,28 cw", teilt Peugeot mit.

Die optisch beeindruckende Studie überzeugt dennoch kaum als tragfähiges Zukunftsmodell. Aus Fünf-Meter-Schlitten mit hohem Aufwand einigermaßen sparsame Luxusfahrzeuge zu bauen - dass dies möglich ist, haben BMW & Co. inzwischen demonstriert. Die größere Herausforderung ist es jedoch, kompakte und mittelgroße Alltagsautos mit minimalem Spritverbrauch zu bauen.

Die Studie BB1 vor zwei Jahren war tatsächlich etwas ganz Neues

Vor zwei Jahren stellte Peugeot auf der IAA exakt so ein Auto vor: BB1 hieß die recht zerdrückt aussehende Studie, ein Viersitzer von nur 2,50 Meter Länge und mit innovativen Radnabenmotoren an der Hinterachse und einem Gesamtgewicht von lediglich 600 Kilogramm. Ein solches Auto, eventuell noch einen halben oder einen Meter länger, aber ebenso konsequent und intelligent, wäre wohl eine Alternative für Millionen von Berufspendlern.

Peugeot präsentiert übrigens zusammen mit dem mondänen Hybridmodell HX1 auch ein Produkt, das wohl die beste Umweltbilanz aller Mobilitätswerkzeuge besitzt: nämlich einen Schuh. Entworfen wurde der Treter gemeinsam mit dem französischen Designer Pierre Hardy. Der Damenschuh lasse sich ähnlich wie das Auto den jeweiligen Bedürfnissen anpassen. Aus dem flachen, zum Autofahren idealen Modell könne vor dem Aussteigen zum eleganten High Heels entfaltet werden.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. wow.
iNSTEIN 30.08.2011
Einatmen. Und das Ausatmen nicht vergessen.
2. Wieso...
cor 30.08.2011
"...enttäuscht diese Studie bei näherem Hinsehen"? Weil es "kein kompaktes Alltagsauto mit minimalem Spritverbrauch ist". Aha, das Verstehen dieser Logik bleibt wohl dem Autor vorbehalten. Ich jedenfalls bin schwer beeindruckt vom Design. Das Auto sieht schon im Stand so aus, als ob es gerade wie ein Pfeil durch den Wind pflügt.
3. Sieht schick aus
Michael Giertz 30.08.2011
Zitat von sysopEichenpanele, Marmor, vier Flügeltüren und jede Menge Hightech - Peugeot wird in zwei Wochen auf der IAA in Frankfurt ein Konzeptauto zeigen, das auf den ersten Blick stark beeindruckt, bei näherem Hinsehen aber eher enttäuscht. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,783037,00.html
Sieht doch schick aus? Was jetzt noch fehlt ist ein dunkelblaues Glimmen am Heck, was an den Warpantrieb der Enterprise erinnern soll - fertig ist das "Shuttle" ;)
4. Wenn dann endlich mal die
pudel_ohne_mütze 30.08.2011
Zitat von sysopEichenpanele, Marmor, vier Flügeltüren und jede Menge Hightech - Peugeot wird in zwei Wochen auf der IAA in Frankfurt ein Konzeptauto zeigen, das auf den ersten Blick stark beeindruckt, bei näherem Hinsehen aber eher enttäuscht. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,783037,00.html
Technik und Elektronik funktioniert. Hatte mal einen 605 3,0 mit allen Schnick und Schnack. Ein tolles Fahrzeug, wenn denn mal alles funktionierte. Leider sehr selten.
5.
ohne_sorge 30.08.2011
Die Optik ist wirklich gut, jedoch wird man in Zukunft wegen des Gewichts wohl kein Eichenholz und auch keinen Marmor mit sich rumbewegen, da das einfach zu schwer wäre.
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