"Selbst Frauen lehnen das Wort Frauenauto ab - da denkt man doch an klein, rund und rosa", sagt Doris Kortus-Schultes. Sie ist Leiterin des Kompetenzzentrums Frau und Auto, einem Marktforschungsinstitut der Hochschule Niederrhein. Zusammen mit fünf anderen Wissenschaftlern hat sie für eine Studie 4200 Damen und Herren zum Thema Automobil befragt. Ihr Fazit: Das typische Frauenauto gibt es zwar nicht - trotzdem ist das Kaufverhalten der Geschlechter grundlegend verschieden.
"Männer informieren sich sehr intensiv auf den Internetseiten der Autohersteller oder anderen Webangeboten zum Thema", sagt Kortus-Schultes. Davon profitieren dann wiederum die Frauen, die eher selten zur Fachlektüre greifen. "Sie fragen die Männer um Rat und zapfen sozusagen deren Autowissen ab", so die Professorin. Damit seien beide Geschlechter zufrieden: "Die Frau bekommt die Infos und der Mann fühlt sich geschmeichelt."
Die obersten Prioritäten bei der Auswahl des Fahrzeugs sind laut der Studie bei beiden Geschlechtern identisch: günstig im Verbrauch und sicher soll es sein. Bei der Ausstattung unterscheiden sich die Ansprüche aber wieder. Demnach legen Männer besonders Wert auf Klima- und Freisprechanlagen, MP3-Player und die jeweils angebotene Elektronik-Sonderausstattung. Frauen dagegen mögen es funktional und achten auf großzügige Ablageflächen im Innenraum, das Ordnungssystem im Kofferraum oder die Einparkhilfe. Diese Vorlieben hängen laut der Untersuchung damit zusammen, dass Frauen das Auto häufiger für den Familieneinkauf und den Transport des Nachwuchses nutzen.
Im Gegensatz zu früher seien heute aber auch mehr Frauen berufstätig. "Frauen verfolgen ihre Karriereziele einfach ehrgeiziger als noch vor einigen Jahren und wollen mobil sein", sagt Kortus-Schultes. Diese Entwicklung spiegle sich auch in den Halterzahlen des Kraftfahrt-Bundesamts wider: Waren 1984 noch 16 Prozent der Halter weiblich, so sind es im Jahr 2011 schon 35,6 Prozent.
"Die möchten eben wissen, was Frauen wollen"
Damit wird die weibliche Kundschaft auch für die Hersteller immer interessanter - und die Forschung des Kompetenzzentrums Frau und Auto gewinnt an Relevanz. "Vor zehn Jahren hat uns die Industrie noch belächelt", erzählt Kortus-Schultes. Heute werde sie dagegen von den Autobauern häufig zu Vorträgen eingeladen und erhalte Aufträge für Untersuchungen. "Die möchten eben wissen, was Frauen wollen."
Trotzdem sei es gerade für die deutschen Autobauer noch eine Gratwanderung, ihre Produkte gezielt für Frauen anzupreisen. "Deren Kundschaft besteht noch überwiegend aus Männern, und die sollen natürlich nicht vor den Kopf gestoßen werden." Es seien vor allem Importeure, die diese Nische offensiv angehen.
Zwei Beispiele, die der Instituts-Leiterin Recht geben: Bei Mini rückt man nicht damit raus, wie sich die Kundschaft aufteilt. Dagegen freut sich Citroën-Pressesprecher Stephan Lützenkirchen offen über die hohe Frauenquote beim Modell DS3: "Das Auto wird zu 60 bis 65 Prozent von Frauen gekauft", sagt er.
Mit ihrer Strategie, Autos nicht gezielt für ein Geschlecht zu vermarkten, scheinen die deutschen Hersteller trotzdem richtig zu liegen. "Wir haben die Teilnehmer unserer Studie auch nach dem Auto gefragt, das sie als nächstes kaufen möchten", sagt Doris Kortus-Schultes. Die vier Erstplatzierten Marken waren sowohl bei Männern als auch bei Frauen gleich: Sie wünschten sich Fahrzeuge von VW, Audi, Mercedes oder BMW.
cst
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