Studie über Staus: Brummt die Wirtschaft, steht der Verkehr

Stau auf der A2 bei Hannover: "Verkehrsstaus sind ein ausgezeichneter Konjunkturindikator" Zur Großansicht
dapd

Stau auf der A2 bei Hannover: "Verkehrsstaus sind ein ausgezeichneter Konjunkturindikator"

36 Stunden haben deutsche Autofahrer laut einer Studie im vergangenen Jahr durchschnittlich im Stau gestanden. Das sind drei Stunden weniger als im Vorjahr. Glaubt man den Machern der Studie, ist das ein schlechtes Zeichen für die Wirtschaft.

Stuttgart - Als Autofahrer in Deutschland hat man im vergangenen Jahr durchschnittlich anderthalb Tage im Stau verplempert. Je nachdem, wo man wohnt und fährt, sogar noch mehr: In Stuttgart etwa 58 Stunden, in Köln 57 und in Hamburg 55 Stunden.

Berechnet wurden diese Zahlen vom US-Unternehmen Inrix, einem Anbieter von Verkehrsinformationen. Europaweit ist die Situation der Studie zufolge am schlimmsten in den Städten Mailand, Brüssel, Antwerpen, Paris und Manchester, wo Autofahrer bis zu 70 Stunden warteten.

Insgesamt sei das Risiko, im Stau zu stehen, im vergangenen Jahr geringer geworden. Weltweit registrierte Inrix einen Rückgang um 17 Prozent, in Deutschland um acht Prozent. Gründe dafür seien die hohen Treibstoffpreise sowie die Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit.

Staus als Konjunkturindikatoren

"Wie es mit dem Verkehr steht, so steht es auch um die Wirtschaft", sagte Inrix-Manager Stuart Marks. "Verkehrsstaus sind ein ausgezeichneter Konjunkturindikator, der zeigt, ob die Menschen zur Arbeit gehen, Unternehmen Produkte versenden und die Verbraucher Geld ausgeben."

So zeige sich der Rückgang vor allem in den europäischen Schuldenstaaten: In Portugal hätten sich die Staus 2011 im Vergleich zu 2010 halbiert, in Irland seien sie um ein Viertel zurückgegangen, in Spanien um 15 und in Italien um zwölf Prozent.

Deshalb seien die Staurückgänge von acht Prozent in Deutschland im Jahr 2011 kritisch zu betrachten. 2012 hat sich die Verkehrslage laut der Studie allerdings wieder verdichtet: Die Stauzeiten stiegen von Januar bis Mai um sechs Prozent an.

Am besten läuft es montags

Nach dem Datenabgleich von Inrix besteht in Deutschland die größte Staugefahr am Freitagnachmittag. Dann müssten die Fahrer damit rechnen, dass sie etwa 27 Prozent länger unterwegs sind als in verkehrsarmen Zeiten. Am besten kommen Pendler laut Studie am Montagabend nach Hause.

Inrix misst die Verkehrsstörungen in Deutschland nach eigenen Angaben anhand von Straßensensoren, statistischen Erhebungen sowie den Echtzeitdaten aus GPS-Geräten in Fahrzeugen.

cst/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. 38-58 Std. im Stau....
sikasuu 21.06.2012
.... das ist mehr als eine Arbeitswoche. Wenn man dazu noch die Wegezeit rechnet, dann dürfte "Otto Normalatbeitnehmer" im DURCHSCHITT ca. 4 Wochen nur für seinen Traum von "freier Fahrt" kostbare Zeit vertun. . Dabei ist da noch kein müder Euro für den PKW Kauf und Wartung und die Betriebkosten drin. Die Arbeitszeit muss auch noch dazu gerechnet werden. . Das Auto als Verkehrsmittel ist unschlagbar.... verschwenderisch! . Nachdenkliche Gruesse Sikasuu . Ps. Das waren nur die privaten Kosten. Die gesellschaftlichen Kosten sind in dieser Rechnung noch gar nicht drin!
2. muss nicht sein
dieter_huber 21.06.2012
http://www.dynamic-ridesharing.de
3. Einfache Maßnahme:
michaelXXLF 21.06.2012
Schnell ein paar viele Baustellen auf allen deutschen Autobahnen einrichten, bald sind Sommerferien. Dann stehen wir alle tagelang im Stau und es geht auch sofort wieder mit der Wirtschaft aufwärts!
4. optional
Hauke 21.06.2012
Ich finde es schön, daß wenigstens ab und an doch noch mal ein Blick auf die unbestechliche Realität verschwendet wird, statt nur auf die Statistiken des Reichspropagandaministeriums. Aber dieses wird den Rückgang der Staus natürlich feiern (Eigentlich auch richtig, wenn Straßenerweiterungen und/oder besserer öffentlicher Verkehr die Ursachen wären ...) und statt dem realen Grund angebliche Home Offices und Gleitzeit als Gründe nennen.
5.
M. Michaelis 21.06.2012
Das überrascht nicht. Es gibt nun mal einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Prosperität und dem Transportaufkommen. Was aber auch heisst dass das vorsätzliche Behindern des Verkehrs wie es in Deutschland zunehmen Mode wird, die Wirtschaft bremst.
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