Studie über Luftverschmutzung Der verhängnisvolle Diesel-Boom

Die schwere Luftverschmutzung in den Städten wird sich noch verschlimmern. Zu diesem Schluss kommt das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer Studie. Grund für die trüben Aussichten sei die Vorliebe der deutschen Autofahrer für besonders umweltschädliche Fahrzeuge.

Kraftstoff-Zapfhahn: "Deutlich zu diesellastig"
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Kraftstoff-Zapfhahn: "Deutlich zu diesellastig"


Essen - Die Luftverschmutzung ist in vielen deutschen Städten so drastisch, dass die EU sich vor kurzem in deutlichen Worten über die Bundesregierung empört hat. Brüssel forderte von Berlin umgehend Pläne, wie man das Problem überhöhter Stickoxid-Werte in den Griff zu bekommen denkt. Eine Studie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, macht nun aber jede Hoffnung auf eine schnelle Lösung zunichte: Demnach wird sich die Luftqualität in den Ballungszentren in den kommenden Jahren eher noch verschlechtern.

Schuld daran sei der Boom von Dieselautos, sagt CAR-Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer. Dieselfahrzeuge werden von den deutschen Behörden als Hauptursache für die hohen Stickoxid-Werte angeführt - die Studie prognostiziert aber genau bei diesen Modellen einen anhaltend starken Zuwachs. Allein im Zeitraum von Ende 2012 bis Ende 2014 soll der Bestand in Deutschland um 19,2 Prozent auf rund 15 Millionen Fahrzeuge ansteigen. Im vergangenen Jahr hatten Dieselautos einen Marktanteil in Rekordhöhe von mehr als 48 Prozent.

Die Macher der Studie kommen dabei zu einem weiteren besorgniserregenden Ergebnis: Demnach wird bis Ende 2014 nur ein geringer Anteil von fünf Prozent aller zugelassenen Dieselfahrzeuge die Anforderungen der Schadstoffklasse 6 erfüllen. Deren strengere Vorgaben für die Emissionswerte werden erst Anfang nächsten Jahres als neuer Standard für Neuwagen verbindlich.

Dudenhöffer fordert Ende der Dieselsubvention

Verschärft werde das Problem auch dadurch, dass Dieselfahrzeuge in der Regel eine höhere Fahrleistung als Benziner aufwiesen und zudem in der Version als sportliche Geländewagen (SUV) häufig auch einen vergleichsweise hohen Treibstoffverbrauch hätten. SUVs gelten als größtes Wachstumssegment im deutschen Automarkt. Der Dieselanteil bei diesen Modellen betrage derzeit 72 Prozent, heißt es in der Studie - "so ist leicht ausrechenbar, wie sich der Bestand an Diesel-Pkw in Deutschland entwickelt".

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und die Luftverschmutzung einzudämmen, schlägt Dudenhöffer eine Änderung der Kraftstoffsteuer vor. Er fordert eine Besteuerung des Sprits nach dem jeweiligen Energiegehalt und greift damit einen Plan der EU-Kommission auf. Weil dieser beim Diesel höher ist als beim Benzin, würde sich das Preisverhältnis der beiden Sorten umdrehen.

Derzeit wird laut der Studie der Liter Diesel mit 18 Cent weniger Steuern belastet als der Liter Benzin. Die staatliche Subventionierung hat nach Ansicht Dudenhöffers dazu geführt, dass die deutsche Automobilindustrie "deutlich zu diesellastig" sei.

cst/dpa



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insgesamt 206 Beiträge
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gott777 05.03.2013
1. Warum den bloß....
...nehmen denn so viele lieber einen Dieselwagen? Genau, weil es billiger ist und (meist) leistungsstärker. Viele Arbeitende sind nun mal auf ein Auto angewiesen und müssen täglich/wöchentlich pendeln und die Bahn fährt auch nicht in jedes Dorf. Ich würde ja gerne einen umweltfreundlicheren Benziner nehmen, aber wer bezahlt mir das? Jetzt einfach die Steuer umzudrehen wäre doch Quatsch, oder können Sie von heute auf morgen von einem Diesel auf einen vergleichbaren Benziner umsteigen? Ich zumindest habe nicht das Geld dafür. Und wenn jetzt der Diesel deutlich teurer würde könnte ich auch gleich kündigen, da dann nahezu garnichts mehr von meiner eh geringen Verdienst-Gewinn-Spanne übrig bliebe. Sitze ich zuhause und empfange Arbeitslosengeld, ist auf jeden Fall umweltfreundlicher.
vogelskipper 05.03.2013
2.
Dann müsste aber die Dieselsteuer auf Benzinerniveau abgesenkt werden. Es gibt übrigens auch normale Leute, die einen stink normalen Kombi als Familienauto fahren und den als Diesel haben, weil er weniger verbraucht. Die wird es dann wieder härter treffen, weil so viele Irrsinnige 4 l Hubraum Dieselaggregate in 2,5 Tonnen schweren SUVs durch die Innenstädte wuchten. Verkehrte Welt. Gerechter wäre es alles über 2 l Hubraum in PKWs und SUVs als Luxusmotor zu besteuern. Denn die meisten von diesen Monstern fahren in den Innenstädten herum und blasen da auch ihre 15 Liter Diesel pro 100 km im Stadtverkehr durch den Filter!
spon-facebook-1803557091 05.03.2013
3. optional
WO führt das noch hin...Nur noch neue Steuern und Gebühren, Immer wird nur über das Auto abgedroschen, Privathaushalte mit Ihren eralteten Heizungen und ungedämmten Fassaden sind in Ballungsräumen aber noch Narrenfrei- Wärmepumpen sind kein High-Tech mehr!
MichiD 05.03.2013
4. KFZ-Steuer vergessen?
Wenn man die Besteuerung des Kraftstoffes egalisiert, dann sollte man auch entsprechend die Diesel-Kfz Steuer auf Benziner-Niveau absenken. Oder wird das Auge auf der Seite bewußt zugekniffen? ;-)
caligus 05.03.2013
5. Das ist also des Pudels Kern
Schon lustig. Die EU war ja ziemlich sauer, als die "Energiegehalts-Steuer-Sau" durch Deutschland getrieben wurde und hier auf breite Ablehnung gestoßen ist. Jetzt also der erneute Vorstoß über die Stickoxide. Blöde nur, dass - ohne die Stickoxide - der Diesel bei den Schadstoffen inzwischen deutlich besser als ein Benziner dasteht. Ich will hier aber auch nicht die Benziner schlecht machen, denn jedes Antriebskonzept hat auf seine Art und Weise seine Berechtigung. Das Beste wäre z.B. derzeit ein Erdgas-Motor als Hybrid - gibts leider nicht und wäre vermutlich auch zu teuer im Anschaffungspreis. In einer Sache gebe ich der EU aber Recht: Der Drang nach GROSSEN spritschluckenden Autos ist in Deutschland deutlich erkennbar. Die Lösung ist also einfach: Nicht den Diesel verteufeln sondern eine HOHE Zusatz-Steuer für Spritschlucker - egal welcher Coleur. Wenn der Cayenne pro Jahr extra 10.000 EUR an Steuern kosten würde, würde der auch nicht mehr so oft bei uns gefahren werden .. oder man muss halt auf den Boxer umrüsten. Arme Reiche!
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