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Stuttgart vs. Maranello: Smart-Werbung erzürnt Ferrari

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Großspuriger Auftritt mit Folgen: In einem Werbespot vergleicht sich der Daimler-Kleinstwagen Smart mit Porsche und Ferrari. Maranello reagierte verschnupft und ließ die Anwälte von der Leine - wodurch die italienische Sportwagenfirma die Sache freilich noch schlimmer macht.

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Kritisierter Smart-Werbespot: Ferrari gibt die beleidigte Diva

Eigentlich war es nur eine Schnapsidee von einigen Werbeleuten der Agentur BBDO: Bei Dreharbeiten in Südafrika, so erzählt ein Daimler-Mann, sei denn Werbern beim Feierabendbier eine Parallele zwischen Lamborghini, Porsche, Ferrari und Smart aufgefallen - die Anzahl der Sitzgelegenheiten. Und weil der Gastgeber des Filmteams ein solventer PS-Fanatiker mit außerordentlichem Fuhrpark war, ging die Crew flugs in dessen Garage und hatte nach ein paar Überstunden einen netten kleinen Spot im Kasten.

"Ist es nicht erstaunlich, dass Traumwagen immer Zweisitzer sind?" fragt eine sonore Stimme, während die Kamera an einem Lamborghini Gallardo, einem Porsche Carrera GT und einem Ferrari Enzo vorbei fährt, um am Ende einen Smart zu zeigen. Als Smart-Hersteller Daimler den Spot später zu sehen bekam, griffen die schwäbischen Marketingleute zu und stellten das Filmchen ins Netz.

Hübsch gemacht, kurz gelacht, und dann weiter mit der nächsten Reklameidee? Diesmal nicht. Während Lamborghini und Porsche über den listigen Vergleich schmunzeln, nahm Ferrari die Rolle der verschnupften Diva ein. Eine wütende Protestnote aus Maranello traf in Stuttgart ein. Ferraris Advokaten pochten auf den Schutz der Markenrechte und forderten eine sofortigen Werbestopp

Kenner der Szene sind nicht überrascht. Wann immer es um das legendäre "cavallino rampante", also das Logo mit dem springenden Pferd geht, verstehen die Ferrari-Verantwortlichen keinen Spaß. Dass Ferrari einstmals sogar der Stadt Stuttgart das Pferd im Stadtwappen streitig machen wollte, ist wohl eine Legende . Doch andere Zwiste sind aktenkundig: Zum Beispiel der Rechtsstreit mit einem Fan, der mit viel handwerklichem Geschick, Geduld und Gebrauchtteilen einen Ferrari nachgebaut hatte. Oder der Händel mit einem Juwelier, der einen diamantenen Gaul anbieten wollte.

Ferrari stand für ein Gespräch in Sachen Smart-Werbefilm nicht zur Verfügung; man wolle das nicht kommentieren, so eine Sprecherin. Marc Langenbrinck, der Chef von Smart freut sich über die unerhoffte PR-Schützenhilfe aus dem Süden. "Natürlich ziehen wir den Spot umgehend zurück", sagte der Markenchef SPIEGEL ONLINE. Es ist nicht mehr als eine Geste, denn wie soll etwas verschwinden, das seit Wochen im Internet steht? "Andere mühen sich Jahrzehnte um die Akzeptanz in diesem Segment, und wir werden offenbar über Nacht ernst genommen in der Liga der Supersportwagen", spöttelt Langenbrinck. "Dafür nehmen wir gerne einen Werbespot vom Sender."

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Langenbrinck hat nicht nur den Spot storniert, sondern Ferrari auch fristgerecht geantwortet und die Italiener über das weitere Vorgehen informiert. "Wir stimmen jetzt unsere Werbung sogar mit Ferrari ab", frotzelt Langenbrinck und berichtet vom baldigen Beginn neuer Dreharbeiten. "Jetzt nehmen wir den Film neu auf und ersetzen den Ferrari Enzo einfach durch einen Mercedes SLS." Das wird den Italienern vermutlich aber auch nicht schmecken. Denn der Flügeltürer wird in dem Spot jene Farbe tragen, die durchweg mit Ferrari assoziiert wird - ein flammendes Rot.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. peinlich
tomtomtomtomtom 08.03.2010
Ferrari benimmt sich total unsouverän. Eine Sportwagenmarke mit Minderwertigkeitskomplexen. Muß an den vielen Fiat-Teilen liegen...
2. Fehler in allen Teilen
DJ Doena 08.03.2010
Zitat von tomtomtomtomtomFerrari benimmt sich total unsouverän. Eine Sportwagenmarke mit Minderwertigkeitskomplexen. Muß an den vielen Fiat-Teilen liegen...
Ist "Fiat-Teilen" nicht ein redundantes Akronym (http://de.wikipedia.org/wiki/Redundantes_Akronym)? ;-)
3. Fiat
mulhollanddriver 08.03.2010
Zitat von DJ DoenaIst "Fiat-Teilen" nicht ein redundantes Akronym (http://de.wikipedia.org/wiki/Redundantes_Akronym)? ;-)
"Fehler in allen Teilen"? Boshafte Zungen übersetzen Fiat gar mit "Für Italiener ausreichende Technik"... :-)
4. Aus der Sicht
ohmeingott 08.03.2010
der Werbenden konnte Ferrari gar nichts bessers passieren! Wie stark indisponiert ist denn der Geist der Marketing Verantwortlichen in Manarello. Lange nicht mehr so geschmunzelt - jetzt hat es sogar schon ein Spot für dieses wirklich häßliche kleine "Auto" auf die vordersten Seiten in einem Online Magazin geschafft nur weil die Italiener noch, so vermute ich, sauer sind das ihr Lieblingsdeutscher nun kein Fan mehr von ihnen ist :-)
5. Kennen Sie den?
Rainer Daeschler, 08.03.2010
Ein Smart hat eine Panne und steht am Autobahnrand. Ein freundlicher Ferrarifahrer bietet an ihn abzuschleppen und weist den Smartfahrer an, er möge kurz auf die Hupe drücken, wenn er zu schnelle fahre. Das geht auch einen Moment gut, doch dann prescht ein Lamborghini heran, der Erzfeind. Der Ferrarifahrer sieht rot, wie sein Auto aussieht, vergisst alles und gibt Gas ... BILD: *Wildes Rennen auf der A8* Ein Ferrari und ein Lamborghini lieferten sich ein heftiges Rennen auf der A8 und ließen eine Smart, trotz heftigen Hupens, nicht überholen. ---- Ups, krieg' ich jetzt Ärger aus Maranello?
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