SUV-Studie Bentley EXP 9F: Wir sind wieder schwer

Aus Genf berichten und

Bentley SUV-Studie: Zu groß für die Normgarage Fotos
Bentley

Bei Bentley ist Prunk Teil der Firmenphilosophie - die Kunden in China, Russland oder den arabischen Emiraten lieben die Briten genau deswegen. Die jetzt auf dem Autosalon in Genf gezeigte SUV-Studie EXP 9F markiert in dieser Hinsicht einen neuen Superlativ - und könnte tatsächlich gebaut werden.

Seit Volkswagen bei Bentley das Zepter schwingt, geht es mit der britischen Luxusmarke stetig bergauf. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die Briten von ihrem Ruf zehrten, die Autos, die das Werk verließen, diesem aber nicht im Ansatz gerecht wurden. Heute, das konnte man am Montagabend beim Premierenschaulaufen von Volkswagen beim Autosalon in Genf beobachten, ist Bentley längst geschätztes Mitglied in der Wolfsburger Familie.

Welche Rolle den als Briten verkleideten Deutschen im Konzern zusteht, ist auch relativ schnell klar. Zusammen mit Lamborghini markieren sie im Markenverbund des Konzerns die Freak-Fraktion.

Während bei den Ankündigungen von Audi, VW, Seat oder Skoda stets ein Unterton der Vernunft mitschwingt, die Markenchefs auf der Bühne in Genf gut dosiert Schlagworte wie "Nachhaltigkeit", "Verantwortung", "Umweltverträglichkeit" fallen lassen, regiert bei den beiden Luxusmarken die Liebe zum Superlativ. Wer nur geringe Stückzahlen produziert, diese aber enorm teuer verkauft, kann sich eben einen gewissen Irrsinn leisten.

Wachstumsmarkt SUV

Die neue Geländewagenstudie, die unter den Scheinwerfern in Genf auf die Bühne rollt, passt da gut ins Bild. Fünf Meter lang, gut 600 PS stark und mehr als 200.000 Euro teuer - kann man so ein Auto wirklich verkaufen? Wolfgang Dürheimer ist sich sicher: "Weltweit gibt es kein Segment, das so stark und stetig wächst wie das der Geländewagen", sagt der Bentley-Chef. Auf diesem Wachstumsmarkt will er mit dem Bentley EXP 9F nun neue Maßstäbe in Sachen Luxus setzen. Mit einem Auto für Kunden, denen ein Range Rover zu billig und ein Porsche Cayenne Turbo zu mickrig ist.

Wenn das Publikum auf dem Autosalon in Genf die Wuchtbrumme goutiert und der Konzernvorstand grünes Licht gibt, könnte sich das Serienmodel ab 2015 auf die Straße quetschen. Als Fahrer thront man dort dann in einem opulent mit Sattelleder und Edelholz ausgeschlagenen Ambiente hoch über dem Asphalt, während sich im Fond mehr Beinfreiheit als in einem Business-Class-Flieger genießen lässt.

Dürheimer, der sein Auto in Genf beharrlich einen "Ess-U-Vau" nennt, statt die gängige Bezeichnung "Es-Ju-Wie" zu verwenden, war früher mal Porsche-Entwicklungschef und hat in Zuffenhausen das SUV-Modell Cayenne auf den Weg gebracht. Bei Bentley soll er diesen Erfolg wiederholen - schließlich hat sich Porsche mit dem Cayenne im Geländewagen-Segment etabliert.

"Bei 3500 Autos pro Jahr lohnt sich das Projekt"

Vor allem mit Blick auf die Märkte in China, Russland oder Indien könnte das Vorhaben Dürheimers gelingen. Denn ein Luxus-SUV würde dort vermutlich gefragter sein als die bisherigen Sport- und Nobelmodelle der Briten. Der Mann aus dem Oberallgäu kalkuliert zurückhaltend: "Wenn wir im Jahr 3500 Exemplare verkaufen können, lohnt sich das Projekt."

Das Styling des EXP 9F stammt von Designchef Dirk van Braeckel. Obwohl seit zwölf Jahren bei Bentley, war es dessen erste Studie eines SUV. Mit seinem Debüt zeigt sich van Braeckel zufrieden: Das Auto sei auf den ersten Blick als Bentley zu erkennen und trotzdem "so martialisch, dass die Russen klatschen werden".

Dürheimers Vision und van Braeckels Form soll Rolf Frech nun auf die Straße bringen. Frech ist oberster Entwickler bei Bentley. Gemeinsam mit Dürheimer hat er bei Porsche bereits den Cayenne und den Panamera auf die Räder gestellt.

Ein fettes Auto voller Luxus und Leistung zu bauen ist kein Problem. Aber zumindest dem Zeitgeist schuldet der Riesentrumm eine gewisse Zurückhaltung. Dürheimer hat deshalb ein ehrgeiziges - und absurdes - Ziel ausgegeben: "Wir werden vermutlich der einzige Hersteller sein, bei dem ein SUV den Flottenverbrauch nicht nachteilig beeinflusst."

Um die Vorgabe zu erfüllen, soll das Auto konsequent in Leichtbauweise konstruiert werden. Sogar ein neuer Zwölfzylindermotor soll eigens für den EXP 9F entwickelt werden - ein Aggregat mit Start-Stopp-Automatik und Zylinderabschaltung, das deutlich weniger schluckt als der bisherige W12-Motor.

Dürheimer weiß, dass den meisten seiner Kunden der Verbrauch piepegal ist. Deswegen klingt es aus seinem Mund auch überzeugender, wenn er Bentley als größten Hersteller von Autos mit 12-Zylindermotor tituliert, als wenn er über Verbrauchsoptimierung redet. "Natürlich werden wir auch der Plug-In-Hybrid-Version in unserem Es-U-Vau eine Chance geben", sagt er. Es klingt nicht sehr überzeugt. Eher so, als wisse er, das der Rest der VW-Familie von ihm hin und wieder auch ein wenig Vernunft erwartet.

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1.
barlog 06.03.2012
Wow, endlich mal wieder ein Luxusauto zum Sattsehen. Etwas zu sehr auf den russischen Geschmack getrimmt, scheint mir die Front mit diesen vier riesigen Löchern - eine Gestaltung, als wollte man hier die besonders geschmacklosen Details von Audi und Porsche vereinen.
2. Der Düsen-SUV
stanislaus2 06.03.2012
Wird ja auch langsam Zeit, dass der Kolbenmotor auch bei Autos von einem Düsentriebwerk ersetzt wird. Siehe die Einsaugstutzen in der Frontpartie. Es kommt dabei nicht so sehr auf die 16.000 kW an, sondern auf das Geräusch. Im Umkreis von 3 km wird jeder darauf aufmerksam gemacht, dass ein Bentley EXP 9 F Suff vorbeifährt. :-) Alle stehen senkrecht mit erhobenen Armen und Fingern in den Ohren. Das ist doch das, wovon Brösel schon träumte, wenn er an seinem Moped rumschraubte.
3. De Silva krank?
prophet46 06.03.2012
Zitat von sysopBei Bentley ist Prunk Teil der Firmenphilosophie - die Kunden in China, Russland oder den arabischen Emiraten lieben die Briten genau deswegen. Die jetzt auf dem Autosalon in Genf gezeigte SUV-Studie EXP 9F markiert in dieser Hinsicht einen neuen Superlativ - und könnte tatsächlich gebaut werden. SUV-Studie Bentley EXP 9F: Wir sind wieder schwer - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,818693,00.html)
Was für ein schreckliches Auto! Vorne Öffnungen wie Maschinengewehrschlitze, hinten sieht es aus, als ob man die Hälfte eines Touaregs verwendet hätte. Der hat höchstens auf einer landwirtschaftlichen Messe Absatzchancen.
4. Bentley enttäuscht nicht!
cor 06.03.2012
Auch bei dieser Studie enttäuscht Bentley nicht, denn diese Firma weiss einfach, wie man ein Auto sowohl Aussen als auch Innen möglichst pompös und hässlich aussehen lässt. PS Selbst wenn ich die Kohle hätte würde ich nie so ein Ding kaufen.
5. ??
polargraf 06.03.2012
Zitat von corAuch bei dieser Studie enttäuscht Bentley nicht, denn diese Firma weiss einfach, wie man ein Auto sowohl Aussen als auch Innen möglichst pompös und hässlich aussehen lässt. PS Selbst wenn ich die Kohle hätte würde ich nie so ein Ding kaufen.
Kann ich nur beipflichten. Das Auto sieht aus wie ein aufgeblasener Chrysler 300C Kombi, nur hässlicher. Wäre allerdings etwas eleganter als die anderen Studien die so durchs Netz kursieren, da sieht das Auto aus wie ein zu grosser Touareg mit Bentley Grill -> lächerlich. SUVs allgemein finde ich aber insofern prima als das man schon von Weitem sieht, wenn ein Mensch kommt dem das Soziale eigentlich schnuppe ist. Da weiss man wenigstens gleich wo man dran ist.
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