Kompakt-SUVs auf dem Genfer Autosalon Kleine Sünder

In Europa werden mittlerweile mehr SUVs als Kleinwagen zugelassen - ein Dilemma für die Hersteller. Um den Trend zu befeuern, ohne Verstöße gegen Umweltauflagen zu riskieren, schrumpfen sie die Geländewagen.

Aus Genf berichtet

SPIEGEL ONLINE

SUVs haben endgültig die Macht auf Europas Straßen übernommen. Laut einer Analyse der Beratungsagentur Jato Dynamics verdrängten sie im vergangenen Jahr die Kleinwagen von Rang eins der Zulassungsstatistik. Marktanteil der Pseudogeländewagen: 22 Prozent.

Die Masse machen dabei SUVs vom Schlage eines VW Tiguan oder gar eines Mercedes GLE aus. Doch die Dynamik kommt vom anderen Ende der Skala, heißt es bei Jato. Demnach entfällt das Wachstum vor allem auf kleine Modelle, die noch eine Stufe unter den Kompakt-SUVs angesiedelt sind. Die Beratungsagentur zählte bei den Mini-SUVs im vergangenen Jahr bereits etwa 1,2 Millionen Zulassungen.

Die Branche hat also mal wieder eine neue Nische entdeckt - und auf dem Genfer Autosalon gibt es einige Beispiele zu sehen, wie der Trend ausgereizt werden soll.

Audi Q2 auf dem Genfer Autosalon
Tom Grünweg

Audi Q2 auf dem Genfer Autosalon

Der VW-Konzern hatte diese Entwicklung erst einmal gründlich verschlafen: Während BMW und Mercedes mit der Produktion von X1 und GLA kaum hinterherkommen, war bei Audi bislang mit dem Q3 Schluss. Und wo Opel-Chef Neumann bereits 500.000 Mokka verkauft hat und in Genf schon das erste Facelift feiert, gab es bei der Wolfsburger Kernmarke keine Antwort auf das Erfolgsmodell aus Rüsselsheim. Bis jetzt: Denn bei Audi dreht sich der neue Q2 im Rampenlicht und bei VW das Modell T-Cross.

Mit jeweils rund 4,20 Metern treten die beiden Autos in der gleichen Liga an, und mit einem 1,0-Liter-Turbo-Dreizylinder nutzen sie einen ähnlichen Einstiegsmotor. Doch sonst gibt es auf den ersten Blick kaum etwas, das sie vereint. Der Audi ist bereits reif für die Serie und kommt im Herbst zu einem Preis von ungefähr 25.000 Euro in den Handel. Die Leistung der Motorenpalette reicht bis 200 PS, es gibt die Option auf Allradantrieb oder Doppelkupplung und eine Menge Assistenzsysteme. Außerdem wird im Q2 das komplett animierte Cockpit aus dem Audi TT sowie ein Head-up-Display geboten.

Der VW dagegen ist bislang nur eine Studie. Auch deshalb wirkt der Wagen noch reichlich überdreht, mit seinem eigenwilligen Kühlergrill und den merkwürdigen Leuchten. Vor allem aber hat er kein Dach. Wie früher der Kübelwagen und aktuell nur der Range Rover Evoque sonnt sich der Polo-SUV als Cabrio im Messelicht von Genf.

Das Konzeptauto VW T Cross Breeze
Tom Grünweg

Das Konzeptauto VW T Cross Breeze

Glaubt man Markenchef Herbert Diess, ist eine Serienversion gar nicht so abwegig. "Wir können uns durchaus vorstellen, so ein Cabriolet auf den Markt zu bringen - als preiswertes Spaßmobil mit hoher Alltagstauglichkeit." Neben dem Design ist allerdings auch der Innenraum des Konzeptwagens extrem futuristisch ausgelegt: fast alle Schalter sind ausgemustert und durch Gestensteuerung und Touchbedienung ersetzt.

Was ist denn in Toyota gefahren?

Neben Audi und VW gibt es noch einen weiteren großen Hersteller, der den Trend zum kleinen SUV lange ignoriert hat: Toyota. Anders als der ewige Weltspitzen-Rivale aus Wolfsburg zeigen die Japaner in Genf aber einen fertig entwickelten Nachzügler, den C-HR.

Im Vergleich zu dem vor zwei Jahren präsentierten Konzeptfahrzeug hat Toyota die Serienversion überraschend wenig verändert. Wo der Audi Q2 trotz Ecken und Kanten auf Anhieb als Audi zu erkennen ist und der T-Cross bei aller Ähnlichkeit mit dem Evoque optisch gut ins VW-Portfolio passen würde, sieht der C-HR aus, als wolle Toyota damit in die Fortsetzung von "Mad Max".

Nur unter der Haube ist sich Toyota bei dem bulligen Bösewicht mit der kantigen Coupé-Silhouette treu geblieben: Als eine Art aufgebockter Prius fährt er auf Wunsch auch mit Hybrid-Antrieb und soll mit einem CO2-Ausstoß unter 90 g/km zum Saubermann im Segment werden.

Kleinere SUVs als Vorbeugemaßnahme

Der vielleicht smarteste SUV in Genf kommt aber nicht vom Hybrid-Pionier und auch nicht von den deutschen Herstellern, sondern ausgerechnet von Kia: Mit dem Niro haben die Koreaner plötzlich ihre grüne Seite entdeckt und genau wie Hyundai mit dem Ioniq ihr erstes Auto entwickelt, das es ausschließlich mit Hybridantrieb geben wird.

Anders als die Schwestermarke packt Kia die saubere Technik aber nicht in ein Auto, dem man seine Sparsamkeit schon von Weitem ansieht: Kia geht mit dem Trend und tarnt den Saubermann als SUV. Das erhöht womöglich die Akzeptanz und den Absatz und damit den günstigen Einfluss auf den Flottenverbrauch.

Die verhältnismäßige Sparsamkeit ist letztendlich einer der Hauptgründe, warum die Baby-SUV-Nische für alle Hersteller so attraktiv ist. Denn der SUV-Boom beschert der Branche im Hier und Jetzt zwar traumhafte Zuwächse, schafft für die Zukunft aber gleichzeitig ein Problem: Die klobigen Autos stoßen mehr CO2 aus als Kompakt- oder Kleinwagen und trüben damit die Klimabilanz der Marken. Wollen die Hersteller also auch künftig vom Zuwachs des SUV-Segments profitieren, ohne die Einhaltung der Grenzwerte zu gefährden, müssen sie mehr von den kleinen Modellen verkaufen.

Ein Mitarbeiter von Kia sagte in Genf über den Niro: "Bei einem Verbrauch von nicht einmal vier Litern muss kein SUV-Fahrer mehr ein schlechtes Gewissen haben." Tatsächlich dürfte es aber wohl vor allem aus Sicht der Hersteller beruhigend sein, wenn die Stückzahlenbringer sauberer werden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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rumal55 05.03.2016
1. In
Deutschland werden Autofahrer immer älter. Ältere Menschen sind nicht mehr so beweglich, um in diese Apfelsinenkisten mit 3 Zylindermotörchen mit ihren Einstiegsluken 30cm über der Straße hineinschlupfen zu können. Und ausserdem bei den exorbintant hohen Renten, bei den Pensionen hält es sich ja in Grenzen, fährt Oma und Opa halt die Kleinen mit SUV zur Kidsgrippe. (-: Kindergarten:-) Wenns mal krachen sollte, ist Oma und Opa ja auf der " SICHEREN " Seite"
lestat3006 05.03.2016
2. Suv
Sehr Ueberflüssige Vehikel, viele Fahrer mit der Größe der Fahrzeuge überfordert sind und zwei Parkplätze besetzen. Extra Fahrstunden für SUV-Käufer würde die Spreu vom Weizen trennen und dem Spuk SUV ein Ende setzen.
jj2005 05.03.2016
3. Lügenbeutel
Niro: "Bei einem Verbrauch von nicht einmal vier Litern muss kein SUV-Fahrer mehr ein schlechtes Gewissen haben." Klar doch! Mein schwach motorisierter Golf TDI frisst fast sechs Liter, trotz stark optimierter Fahrweise. Es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, und alle machen mit. Schliesslich gibt's jede Menge Jungs, die mal Lastwagenfahrer werden wollten und jetzt endlich genügend Kohle für ihren Kindheitstraum haben. Wenn Schäuble Verstand hätte, würde er den Spritpreis wieder dahin zurückführen, wo er vor zwei Jahren mal war, und die Einnahmen als Kindergelderhoehung zurückverteilen... dann erledigt sich die Suvkultur von selbst.
kenterziege 05.03.2016
4. Das Altengerechte Fahrzeug....
Wie oft hat man von Fahrzeugen für Ältere gesprochen. Peugeot hat sich dann mit dem 3008 analytisch an die Aufgabe herangewagt und als besonderes Merkmal Schiebtüren installiert, die ein leichtes Ein- und Aussteigen ermöglichen sollten. Aber da war es das ALTENFAHRZEUG! Es sah auch aus, wie ein Rollator im XXL-Format. Die Alten wollen keine speziellen Altenfahrzeuge!! Wer geht schon gern freiwillig auf eine Behindertentoilette? Die kleinen SUV's, wie Tiguan und Co. werden den Wünschen der Alten gerecht. Man sitzt hoch. Man hat eine gute Übersicht. Man kann leicht aus- und einsteigen. Fahrwerk und Federung sind inzwischen PKW-gleich. Den Vierradantrieb bekommt man für vergleichsweise kleines Geld dazu. Die etwas schlechtere Aerodynamik stört erst ab 100 km/h. Ich fahre Motorrad, Audi A4 TFSI und einen Mazda MX5. Also ich komme noch "rauf und runter"! Aber der neue SEAT Alteca mit 190 PS Diesel und Vierradantrieb wird es wohl sein. Chick und Platz genug. Leistung für die Größe satt. Das Segment wird boomen. Da können die 5000 € für so eine E-Krücke herausschmeißen, die Kleinen SUV's - auch als Derivate werden den Markt machen.
götzvonberlichingen_2 05.03.2016
5. 3-2-1
Schön, so lockt man an einem Samstag die SUV Hasser auf den Plan. Das nicht SUV gleich SUV ist und es auch sparsame Autos dieser Gattung gibt und das ein SUV durchaus weniger Sprit verbrauchen kann als ein normales Auto, ignorieren die meisten Leute. Wenn man sich die Verbrauchswerte auf Spritmonitor anschaut, dann kann man z.B. lesen, dass ein Skoda Yeti (Böses SUV) durchaus weniger verbrauchen, als eine Mercedes C Klasse. Oder ein Golf. Wie alt ist mein Auto, wieviel PS hat es und vor allem wie spritschonend fahre ich damit - das sind doch die Werte die am meisten ausmachen. Da meckern die Leute über SUV's und steigen lächelnd in ihren Kombi oder 170 PS starken Kleinwagen.
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