Sven Quandt zur Rallye Dakar 2009: "Diesmal fahren alle auf Neuland"

Am 3. Januar startet die Rallye Dakar – und zwar erstmals in Südamerika. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärt Sven Quandt, Millionenerbe und Chef des X-Raid-Teams, wie er zum Rennsport kam, was ein Auto kostet und warum es diesmal spannend wird wie lange nicht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Quandt, Sie sind Millionenerbe, Familienvater, Finanzmanager – gehören sie nicht eher auf den Golfplatz als auf die Rallye-Piste?

Sven Quandt: Der Besitzer des X-Raid-Teams sprach mit SPIEGEL ONLINE über die neue Rallye Dakar in Südamerika.
Quandt

Sven Quandt: Der Besitzer des X-Raid-Teams sprach mit SPIEGEL ONLINE über die neue Rallye Dakar in Südamerika.

Sven Quandt: Ich habe zwar Betriebswirtschaft studiert und arbeite im Investmentgeschäft. Aber Benzin habe ich seit meiner Kindheit im Blut. Als Jugendlicher habe ich die Mofas meiner Freunde frisiert, später meinen Audi 50 getunt und an den ersten Orientierungsfahrten in Hessen teilgenommen.

SPIEGEL ONLINE: Wie verschlug es Sie vom Taunus auf die afrikanische Piste?

Quandt: 1988 landete ich im Auswahlcamp für die Camel Trophy und gewann dort auf Anhieb einen Startplatz. Dann hat der Blinddarm mir den Start vermasselt. So bin ich halt später auf eigene Faust mit dem Unimog von München nach Kapstadt gefahren. Spätestens da hat es mich gepackt.

SPIEGEL ONLINE: Weshalb aber ausgerechnet die Rallye Dakar?

Quandt: Das ist die Herausforderung des Motorsports – vielleicht sogar größer als die Formel 1. Hier entscheiden nicht nur Technik, Präzision und Können, man braucht obendrein Glück. Außerdem gibt es kaum eine schönere Landschaft als die Wüste.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie von der Umgebung im Rallye-Auto überhaupt etwas mit?

Quandt: Auf der Rundstrecke klebt der Blick am Heck des Vordermanns. Aber wenn man durch die Wüste fährt, muss das Gesichtsfeld zwangsläufig weit werden. Man sucht nach Hindernissen, Sprungkuppen, der Staubfahne eines anderen Autos – da bekommt man auch was von der Gegend mit.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Weltmeister und sind die Dakar siebenmal selbst gefahren. Jetzt sind Sie Teamchef. Warum wollen Sie nicht mehr hinters Steuer?

Quandt: Die Zeiten sind härter geworden. Früher hatten auch Amateure eine Chance, weit nach vorne zu kommen. Wer ohne Fehler blieb, konstant fuhr und immer ankam, landete unter den ersten 20. Heute entscheiden oft Sekunden über den Sieg. Das ist nur etwas für Profis, dafür bin ich weder gut noch fit genug. Außerdem hätte ich gar keine Zeit mehr zum Fahren.

SPIEGEL ONLINE: Wieso das?

Quandt: Bei Rallyes wie der Dakar muss ich mich um sechs Autos, zwölf Piloten und eine Schar von Mechanikern kümmern. Daneben auch noch hinter dem Lenkrad zu sitzen – das hat keinen Wert. Bei jeder Panne klingelt mein Handy, und ich muss entscheiden, wie es weitergeht. Ich mache die Strategie und mitunter bin ich es auch, der abends mit den Mechanikern unterm Auto liegt und versucht, Probleme zu lösen.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Rallyes und Ihr X-Raid-Team nicht trotzdem nur ein teures Hobby?

Quandt: Nein! Dafür investiere ich zu viel Zeit und Geld. Auch X-Raid muss Geld verdienen. Deshalb haben wir unser Team geöffnet und verleihen oder verkaufen sogar die Autos samt der Servicemannschaft.

SPIEGEL ONLINE: Was muss man für eine Rallye anlegen?

Quandt: Das Auto kostet rund 900.000 Euro. Wer ein kleines Rennen fahren will, muss mit 120.000 Euro Miete kalkulieren, eine ganze Saison, ohne Dakar, kostet eine knappe Million Euro. Dafür bieten wir ein All-Inclusive-Paket. Der Fahrer kommt angeflogen, steigt ein, fährt los, jagt ins Ziel und fliegt wieder nach Hause – mit etwas Glück sogar als Weltmeister, wie Khalifa Al-Mutawei, der 2004 einer unserer ersten Kunden gewesen ist.

SPIEGEL ONLINE: 900.000 Euro sind eine stolze Summe für einen BMW X3.

Quandt: Unsere Autos sehen zwar annähernd aus wie die Serienfahrzeuge. Doch vom ursprünglichen X3 sind nur Motor, Frontscheibe, Außenspiegel und Türgriffe übriggeblieben. Alles andere, vom Fahrwerk über die Schalensitze bis hin zum Überrollkäfig, wurde speziell für den Rallyeeinsatz entwickelt.

SPIEGEL ONLINE: Die Dakar wurde in diesem Jahr wegen Terrorismusgefahr abgesagt, 2009 führt sie von Buenos Aires durch Südamerika. Ist das Terrain nicht völlig anders?

Quandt: Ob Afrika oder Südamerika – das ist eigentlich egal. Auch auf der neuen Dakar-Strecke wird es Wüsten und Sanddünen geben – nur dass jetzt auch noch die dünne Höhenluft dazu kommt. Und die Pampa natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Was ändert sich dann?

Quandt: Diesmal fahren alle wieder auf Neuland. Auf der alten Route wusste man, nach welcher Düne welche Steine kommen, wo man bedenkenlos rasen konnte und wo nicht. Auf der neuen Route sind wir alle Frischlinge. Das macht die Rallye diesmal ungeheuer spannend.

Das Gespräch führte Tom Grünweg

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