Bundesumweltministerin Schulze prescht bei Gratis-ÖPNV vor

Das Thema schien bereits erledigt zu sein. Nun erwägt Bundesumweltministerin Svenja Schulze erneut einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr - zumindest zeitweise.

Ein Linienbus in Essen
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Ein Linienbus in Essen


Bereits im Februar dieses Jahres dachte die Bundesregierung über die Einführung eines kostenlosen ÖPNV nach. Damals drohte Brüssel mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, sollte Deutschland die Maßnahmen für saubere Luft in den Städten nicht deutlich ausweiten. In fünf Modellstädten sollte getestet werden, ob Gratis-Nahverkehr tatsächlich dabei helfen kann, die Luft zu verbessern. Doch dazu kam es gar nicht erst. Die Kommunen wiegelten ab - zu aufwendig, zu teuer.

Nun prescht Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) erneut mit dem Vorschlag eines kostenlosen Nahverkehrs vor. "Ich will, dass Deutschland der Vorreiter beim Klimaschutz wird", sagte Schulze am Freitag in Berlin anlässlich einer Umweltkonferenz. Busse und Bahnen in den Großstädten könnten nach Ansicht der Umweltministerin für Fahrgäste zumindest zeitweise kostenlos sein, um neue Mobilitätskonzepte anzuschieben. Alles, was dem ÖPNV nutze und eine Alternative zum Auto bilde, müsse gefördert werden, sagte die SPD-Politikerin. Das seien:

  • ein zumindest phasenweise kostenloser ÖPNV
  • oder günstigere Fahrkartenpreise,
  • sowie einfachere Wege beim Kauf der Tickets.

Schulzes erklärtes Ziel sei es, Deutschland führend im Bereich der Umwelttechnologie zu machen, weshalb die Ministerin eine "ambitionierte ökologische Industriepolitik" verfolgen will, die neben dem Nahverkehr auch den Ausbau der Elektromobilität beinhaltet. "Wir sehen, dass gerade China sich sehr strategisch aufstellt und zum Beispiel in der Elektromobilität eine weltweite Führungsrolle anstrebt." Deutschland sei hier ins Hintertreffen geraten.

Dabei habe die Umwelttechnologie als Modernisierungstreiber der deutschen Wirtschaft enormes Wachstumspotenzial. Der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt habe 2016 bei 15 Prozent gelegen und werde Prognosen zufolge bis 2025 auf 19 Prozent steigen. Das weltweite Marktvolumen lag den Angaben zufolge 2016 bei 3200 Milliarden Euro und kann bis 2025 voraussichtlich um jährlich 6,9 Prozent auf über 5900 Milliarden Euro wachsen. Insgesamt haben deutsche Anbieter demnach einen Anteil von 14 Prozent am weltweiten Markt für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz.

cfr/dpa/rtr



insgesamt 46 Beiträge
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vox veritas 13.04.2018
1.
Von den Kapazitäten des ÖPNV mal abgesehen dürfte die Finanzierung ein ziemliches Problem darstellen, aber man könnte damit anfangen, indem man den Fuhrpark des Bundestages abbaut und die Diäten der Abgeordneten reduziert. Das wäre zumindest vorbildlich.
sametime 13.04.2018
2. Was soll das bringen?
Auf dem Land fahren die Busse nur selten und nur am Tag, in Großstädten sind die öffentlichen Verkehrsmittel jetzt schon voll. Es wird sich gar nichts ändern. Sinnvoller ist es, den ÖPNV auszubauen, statt ihn noch defizitärer zu machen.
unzensierbar 13.04.2018
3. Gierige Kommunen
Genauso wie bei der Regierung kämpfen diese um jeden Cent. Kostenloser ÖVPN ist weder kompliziert, noch teuer. Man muss nur sämtliche Ticketsysteme nicht mehr betreiben. Kosten tut das nichts, man verliert nur den Gewinn. Aber was wollen die Kommunen auch mit dem? Damit etwas machen tun sie ja schon seit Jahren nicht mehr.
investor3000 13.04.2018
4. Schon wieder eine Luftnummer?
Nach 19Uhr fahren die Busse und Bahnen quasi leer. Da würde es auch gar nichts kosten, wenn diese dann kostenfrei oder mit Kindertarif benutzt werden könnten. 3,10 Euro für ein Ticket für 3 U-Bahn-Stationen in Nürnberg sind eine Frechheit.
syracusa 13.04.2018
5.
Warum gelten Dauerkarten des einen ÖPNV-Systems nicht gleichzeitig in allen anderen? Man kann ja sowieso nicht gleichzeitig in zwei Städten Bus fahren. Das wäre also schon mal ein erster Anfang, der fast nichts kostet, und der die Nutzung des ÖPNV stark erleichtern würde. Warum senkt die Bahn den Preis für ihre "Bahncard 100" (also die Netz-Dauerkarte) nicht auf beispielsweise bezahlbare 1.500 Euro p.a., und deckt damit auch alle bundesdeutschen ÖPNV Systeme mit ab? Warum wird in ländlichen Regionen nicht schon längst das autonome Sammeltaxi erprobt, das als Teil des ÖPNV den Service rund um die Uhr sichern könnte, und das damit viele individuelle Autofahrten überflüssig machen würde?
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