Handy-Sperre im Auto Weltverbesserer an der Windschutzscheibe

Mal schnell eine SMS während der Fahrt getippt, schon ist der Unfall passiert. Der Versuchung, am Steuer zum Handy zu greifen, ist nur schwer zu widerstehen. Ein kleines Gerät soll Autofahrern jetzt dabei helfen, sich vor sich selbst zu schützen.

Telefon am Steuer: Demnächst wird dazwischengefunkt
DPA

Telefon am Steuer: Demnächst wird dazwischengefunkt

Aus Las Vegas berichtet


Ein kurzes Telefonat, eine eilige Nachricht per Mail oder Kurznachricht - das kann im Auto tödlich enden. Die Ablenkung durch das Handy dauert am Steuer zwar oft nur eine Sekunde. Aber es kann die entscheidende sein. Zum Beispiel, wenn der Vordermann unvermittelt hält, oder plötzlich ein Kind über die Straße rennt.

Über die Gefahr sind sich wohl die meisten Autofahrer bewusst. Aber wie schwer es ist, sich während der Fahrt den Griff zum Handy zu verkneifen, weiß fast jeder aus eigener Erfahrung. Am besten wäre es da, gar nicht erst in Versuchung zu geraten. Genau dafür soll das Gerät DriveID sorgen.

Der schwarze Kasten, etwa so groß und breit wie eine Hand, wird auf der weltweit größten Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentiert - und ist von den Messeveranstaltern im Vorfeld bereits als eine der wertvollsten Innovationen ausgezeichnet worden, in der Kategorie "Technologie für eine bessere Welt". Im Februar soll das Gerät in den USA auf den Markt kommen und bald darauf auch in Europa erhältlich sein.

Der Weltverbesserer kann über mehrere Handys wachen

Der Weltverbesserer wird an der Windschutzscheibe installiert. Von dort aus wacht er über eines oder mehrere Handys. Das Telefon wird dem Gerät über eine Webseite zugeordnet, dazu muss die Nummer eingegeben werden. Über eine App greift DriveID dann auf das Smartphone zu. Wie streng, das bleibt jedem selbst überlassen. Es lässt sich beispielsweise so programmieren, dass nur die Schreib- und Telefonierfunktion des Handys gesperrt wird. Damit sind die größten Ablenkungsgefahren gebannt - gleichzeitig bleibt es aber zum Beispiel möglich, Musik über das Smartphone ins Auto zu holen.

Der Clou: Je nachdem, wo sich das Handy im Wagen befindet, wird es automatisch entsperrt. Während dem Fahrer also Facebook, Twitter oder Whatsapp verwehrt bleibt, werden diese Dienste freigegeben, sobald das Telefon zum Beifahrer wandert. Geht es zurück, aktiviert sich die Sperre wieder. Durch solche technischen Tricks hebt sich das schwarze Kästchen von anderen Geräten und Apps ab, die ähnlich funktionieren.

Warum nicht einfach abschalten?

"Über Sensoren richtet DriveID verschiedene Zonen im Auto ein", sagt Robert Guba, Chef des Herstellerunternehmens Cellcontrol. Welche Technologie genau dahinter steckt, verrät er nicht - dafür erzählt er umso offener, warum er und seine Mitarbeiter seit Jahren Geräte entwickeln, die Autofahrer vor Ablenkungen schützen sollen: "Als ich mich mal mit meinem Sohn unterhielt und er die ganze Zeit antwortete, ohne von seinem Handy aufzublicken, dachte ich mir: Der vertieft sich bestimmt auch am Steuer in sein Telefon." Dann schiebt er hinterher, dass er selbst schon mit seinem Wagen über einen Bordstein gerattert ist, weil er unterwegs eine SMS geschrieben hat.

Damit beantwortet er auch die Frage, warum man das Handy nicht einfach abschalten sollte, anstatt sich ein Gerät für 90 Dollar anzuschaffen, nur, um damit ein anderes Gerät teilweise funktionsuntüchtig zu machen. "Es fällt nun mal schwer, im Auto ganz auf das Smartphone zu verzichten", sagt Guba. Außerdem gibt es ja durchaus sinnvolle Anwendungen, wie zum Beispiel die Navigationsfunktion. Und zum Wählen von Notrufnummern bleibt das Handy jederzeit freigeschaltet.

Zudem nimmt das System auf einen Trend Rücksicht: IT-Unternehmen verknüpfen ihre Betriebssysteme immer enger mit dem Fahrzeug. Wo Apple mit "IOS for the Car" vorlegte, zog Google nach - in Zukunft sollen sich auch Android-Geräte ins Auto integrieren lassen. Die Benutzeroberfläche der Handys wird dabei auf dem Bildschirm im Armaturenbrett angezeigt, Funktionen lassen sich direkter anwählen. DriveID kann wiederum so eingestellt werden, dass die Handy-Anwendungen frei zugänglich bleiben, so lange sie über das Infotainmentsystem im Wagen bedient werden.

Vom Nutzen der Selbsteinschränkung

Unter Autofahrern, die von sich selbst überzeugt sind, gelten Systeme wie DriveID bestimmt als überflüssig. Wer schon den Gurtwarner als Freiheitsberaubung betrachtet, dem wird das Gerät wie eine Zumutung vorkommen: als Beweis dafür, dass der Fahrzeugbesitzer von heute immer unmündiger wird und sich der Technik zu unterwerfen hat. Andererseits scheinen solche Disziplinarmaßnahmen dringend nötig - in den USA wird die Zahl der Verkehrsunfälle, die wegen Ablenkung durch Handys geschehen, auf jährlich mehr als 100.000 beziffert.

Robert Guba berichtet stolz, dass er das Vorgängersystem von DriveID an ein Unternehmen mit einer Flotte von mehr als tausend Fahrzeugen verkaufte. Der Geschäftsführer habe ihm nun erzählt, dass innerhalb eines Jahres die Zahl der Auffahrunfälle mit den Firmenwagen um mehr als 40 Prozent gesunken sei.

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insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
lance-vance 08.01.2014
1.
Also ich finde so ein System super, wenn ich sehe, wie viele meiner Freunde und Kollegen sich beim fahren mehr mit ihrem Handy als mit der Straße beschäftigen, ist so eine Technik mehr als notwendig!
expat_ja 08.01.2014
2. Schwachsinn
In meinem 6 Jahre alten Auto kann ich problemlos per bluetooth über die Freisprecheinrichtung telefonieren. Dafür muss ich mein Smartphone nichtmal aus der Tasche nehmen. Die versuchung eine sms während der Fahrt zu lesen oder zu schreiben hatte ich noch nie. Das kann auch mal eine Weile warten.
widower+2 08.01.2014
3. Kein Problem
Zitat aus dem Artikel: "Der Versuchung, am Steuer die Finger vom Handy zu lassen, ist nur schwer zu widerstehen." Das geht mir auch so. Also gibt es kein Problem.
silenced 08.01.2014
4. <->
Wer Motorrad fährt wird das kennen, da man den Verkehr schon aus Eigenschutz sehr kritisch betrachtet. Irgendwie sind ca. die Hälfte der Verkehrsteilnehmer nebenbei mit telefonieren oder SMS-Schreiben oder irgendwie sonst am Smartphone-herumtippen beschäftigt.
Pfeiffer mit drei F 08.01.2014
5.
Zitat von lance-vanceAlso ich finde so ein System super, wenn ich sehe, wie viele meiner Freunde und Kollegen sich beim fahren mehr mit ihrem Handy als mit der Straße beschäftigen, ist so eine Technik mehr als notwendig!
Genau diese Leute werden sich aber wohl kaum ein solches Sperrgerät anschaffen.
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