Zentrale Cockpits im Auto Mehr Mitte, bitte

Eines der ungeschriebenen Gesetze beim Autodesign lautet: Das Cockpit gehört hinter das Lenkrad. Manche Hersteller ignorieren diese Regel. Tatsächlich gibt es gute Gründe für einen Tacho in der Mitte.

Von Markus Bruhn

Renault

Einsteigen, Lenkrad anfassen, Schlüssel ins Zündschloss fädeln, noch ein Blick ins Cock... Moment mal, wo ist denn das Cockpit? Der Erstkontakt mit Autos wie Citroën C4 Picasso, Toyota Verso oder Renault Espace führt zwangsläufig zu dieser Überraschung. Weil dort, wo normalerweise das Cockpit sitzt, bei diesen Autos gähnende Leere herrscht. Statt auf Tacho, Drehzahlmesser, Tankuhr und Temperaturanzeige blickt der Fahrer auf den Plastikdeckel eines zusätzlichen Ablagefachs direkt vor dem Volant. Das Cockpit ragt stattdessen mittig aus der Armaturentafel.

Fragt man die Hersteller nach dem Grund für diese Anordnung, nennen die vor allem ästhetische Gründe. Die genannten Modelle, allesamt Familien-Vans, sollen großzügig, modern und weitläufig wirken - zu diesem Eindruck kann eine symmetrisch gestaltete Armaturentafel beitragen. Außerdem werden durch die zentral angeordneten Instrumente die Fahrinformationen sozusagen demokratisiert, weil sie von jedem Platz im Auto aus abgelesen werden können.

Für den Fahrer bedeutet ein zentrales Cockpit, von der anfänglichen Irritation abgesehen, sogar eine gewisse Erleichterung. "Ein mittig platzierter Tacho ist weiter vom Fahrer entfernt als ein direkt vor dem Lenkrad positionierter. Daher muss das Auge beim Blick von der Straße auf den Tacho und zurück die Sehschärfe weniger stark verstellen. Man kann einen mittigen Tacho also einen Tick schneller erkennen und ablesen", sagt ADAC-Testingenieur Martin Ruhdorfer.

Alles im Blick

Die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen ist zudem geringer. "Ein mittiger Tacho kann bei richtiger Anordnung für eine bessere Straßenübersicht sorgen", sagt Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim. Es sei ein Unterschied, ob der Blick horizontal leicht abschweift, um die Geschwindigkeit oder Tankfüllung zu kontrollieren, oder ob er vertikal nach unten geht und dabei für einen kurzen Moment die Straße aus dem Blickfeld gerät.

Ganz neu ist die mittige Platzierung des Cockpits natürlich nicht. In der Frühzeit des Automobils waren die Anzeigeninstrumente kreuz und quer auf dem Armaturenbrett verteilt, später wurde daraus ein meist symmetrisches Arrangement, das durchaus auch mittig zwischen Fahrer- und Beifahrerplatz angeordnet war. Das wohl berühmteste Auto mit zentralem Anzeigenmodul ist der klassische Mini aus dem Jahr 1959. "In den siebziger Jahren war der Alfetta GTV dann einer der Wagen, bei denen diese Lösung wieder aufgegriffen wurde", sagt Fügener. Das Alfa-Sportcoupé wurde ab 1974 gebaut.

Erneut zum Einsatz kam das Mittel-Cockpit beim Renault-Kleinwagen Twingo, der 1993 debütierte. Die ungewöhnliche Einrichtung in diesem Auto war ein Signal an die Kundschaft. Fügener: "Der Twingo sollte dadurch modern wirken." Nonkonformismus im Innenraumdesign spielt also auch als Marketingaspekt eine Rolle. Ganz besonders gilt das auch für das Remake des Mini ab 2001: Die aktuellen Modelle tragen seither zumindest noch den Tacho groß und prägnant in der Mitte der Armaturentafel, allerdings wird die im kommenden Jahr erscheinende, dritte Generation des britischen Kleinwagens mit dieser Tradition wohl brechen - mit einem Cockpit herkömmlicher Machart.

Renault stattete ab 1996 auch die Großraumlimousine Espace mit mittigem Cockpit aus. Die Instrumententafel ist zusätzlich leicht nach hinten in Richtung der Windschutzscheibe angeordnet. Von Renault heißt es, dadurch könne der Fahrer den unteren Bereich der Windschutzscheibe und damit die Straße weiter einsehen, auch wenn er auf das Cockpit schaut. Designexperte Fügener stimmt dem zu: "Im Espace sind die Instrumente so angeordnet, dass ich beim Blick darauf ein gutes horizontales Sichtfeld habe, also auch die Straße weiterhin sehen."

Fällt das Cockpit in Zukunft ganz weg?

Ist ein mittiges Cockpit also sicherer als die normale Variante hinter dem Lenkrad? So einfach ist es dann doch nicht. "Die Instrumente in die Mitte zu schieben, ist zunächst einmal weder gut oder schlecht", sagt Fügener, "die Anordnung muss insgesamt gut gelöst sein." Der Espace zeige, wie eine solche Lösung aussehen könne. "Beim Mini hingegen ist es nach meiner Ansicht weniger gut gelungen."

Eine technologisch andere Lösung ermöglichen Head-up-Displays. Da hier die wichtigsten Daten auf die Windschutzscheibe direkt ins Sichtfeld des Fahrers projiziert werden, muss der den Blick nicht von der Fahrbahn abwenden. Diese Art der Informationsdarstellung wird zukünftig den Fahrer wohl noch weiter entlasten. "Augmented Reality" (erweiterte Realität) wird das Prinzip genannt, Informationen computergestützt im Sichtfeld des Fahrers zu visualisieren. Falls dieses Verfahren konsequent umgesetzt wird, hat sich die Frage erledigt, ob das Cockpit besser direkt vor dem Fahrer oder in der Mitte der Armaturentafel positioniert wird. Denn dann ist gar kein Cockpit mehr nötig.



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Seite 1
neurobi 30.08.2013
1.
Zitat von sysopRenaultEines der ungeschriebenen Gesetze beim Autodesign lautet: Das Cockpit gehört hinter das Lenkrad. Manche Hersteller ignorieren diese Regel. Tatsächlich gibt es gute Gründe für ein Tacho in der Mitte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/tacho-und-drehzahlmesser-vorteile-von-fahrzeug-cockpits-in-der-mitte-a-914260.html
Also ich halte das analoge Tacho hinter dem Lenkrad für die beste Lösung. Dort brauche ich es nicht lange suchen. Ist es relative weit entfernt in der Mitte muss ich immer erst etwas suchen. Also subjektive brauche ich länger um das Tacho abzulesen.
hubertrudnick1 30.08.2013
2. Gut gelungen
Zitat von sysopRenaultEines der ungeschriebenen Gesetze beim Autodesign lautet: Das Cockpit gehört hinter das Lenkrad. Manche Hersteller ignorieren diese Regel. Tatsächlich gibt es gute Gründe für ein Tacho in der Mitte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/tacho-und-drehzahlmesser-vorteile-von-fahrzeug-cockpits-in-der-mitte-a-914260.html
Aus dem was ich hier erkennen kann so ist dieser Wagen recht gut gelungen, ich würde ihn gerne fahren, aber die Optik kommt mir sehr bekannt vor, er sieht wie der A3 Sportback von Audi aus.
rics 30.08.2013
3. Naja,
die dezentrale Platzierung des Cockpits in der heutigen Zeit sind ja mher bei den asiatischen und französischen Modellen zu finden. Dadurch heben sie sich ja schon von den anderen ab, es wirkt meiner Meinung nach etwas futuristischer. Aber praktisch ist das meiner Meinung nach nicht.
hansmaus 30.08.2013
4. optional
Ein Grund ein Auto nicht zu kaufen. Meine Schwester hatte mal eine Twingo mit mittigem Tacho und ich finde das gruselig, sie meint auch da sie kein Auto mehr mit mittiem Tacho kaufen würde weils einfach "komisch" ist ewig nach rechts unten schauen zu müssen.
lejared 30.08.2013
5. Kommt mir nicht mehr in die Tüte
Ich hatte den mitzogen Tacho mal im Twingo. Sowas kommt mir nicht mehr ins Auto. Ich habe mich da nie dran gewohnt. Ich finde es zudem keine Wegs ergonomischer oder sicherer den Kopf drehen zu müssen, als einfach nur für weniger als eine Sekunde den Blick zu senken. Die Cockpitinstrumente sind nun mal in erster Linie für den Fahrer wichtig. Meiner Meinung nach gibt es für diesen Quatsch nur genau einen Grund: Kosteneinsparung, weil für Links- und Rechtslenker die gleiche Armaturentafel verbaut werden kann.
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