"Tödliche Waffe" Autokonzerne sollen von Airbag-Mängeln gewusst haben

Im Rechtsstreit um defekte Airbags des Zulieferers Takata geraten mehrere Autokonzerne unter Druck. Sammelkläger werfen fünf Herstellern eine Mitschuld vor. Sie sollen von den Problemen gewusst haben.

Takata-Schriftzug
DPA

Takata-Schriftzug


Die Vorwürfe der Klägeranwälte stützen sich auf interne Dokumente von Toyota, Ford, Honda und Nissan. Sie sollen belegen, dass die Konzerne bewusst Sicherheitsrisiken in Kauf nahmen, um Kosten zu sparen. Bei einem der Unternehmen etwa sei ein Airbag von Takata bereits im Jahr 2009 als "tödliche Waffe" bezeichnet worden.

Auch den deutschen Hersteller BMW haben die Anwälte im Verdacht. Der Konzern verweigere aber bislang die Kooperation bei den Ermittlungen. Ein Unternehmenssprecher in den USA war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen zu erreichen.

Die Klägeranwälte reichten am Montag neue Unterlagen beim zuständigen Gericht in Miami ein, um die Anschuldigungen gegen die Hersteller zu erhärten.

Takata gesteht Schuld ein

Die Autobauer sehen sich selbst als Geschädigte von Takata an. Sie verweisen auf ein Schuldgeständnis, das der Zulieferer im Rahmen eines Milliardenvergleichs mit dem US-Justizministerium am Montag abgegeben hat. Darin räumte Takata ein, die Hersteller mit gefälschten Testberichten über Risiken hinweggetäuscht zu haben.

Weltweit stehen mindestens 16 Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata-Airbags in Verbindung. Mehr als 31 Millionen Fahrzeuge werden beim größten Rückruf in der Geschichte der Autoindustrie in die Werkstätten müssen. Noch sind bei Millionen Fahrzeugen die Airbags nicht getauscht.

Im Vergleich zum Autohersteller VW, der im Zusammenhang mit dem Abgasbetrug in den USA nach straf- und zivilrechtlichen Prozessen eine Strafe von 4,3 Milliarden Euro zahlen muss, kam Takata noch günstig davon.

Der zuständige Richter im Prozess gegen den Zulieferer erklärte, er habe von einer noch höheren Strafe abgesehen, weil sonst die Gefahr eines Takata-Bankrotts bestehe und das den noch notwendigen Austausch vieler Airbags verzögern könnte.

cst/dpa/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
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hummerus 28.02.2017
1. Wo bleibt da der sonder Bericht?
Kein breaking News, keine sonder Sendung auf Nachrichten Kanälen. Dieselwerte manipuliert und schon sind alle am schreien, bewusst menschen in Gefahr bringen und keinen Juckt es.
bierzelt 28.02.2017
2. Hui, das wird wieder teuer
Ausländische Firmen, die in den USA angeklagt werden. Ist auch ne Form von Subvention, wenn man der Konkurrenz einfach das Geld wegnimmt.
wolfgang bruchhagen 28.02.2017
3. Steuern runter Strafen für ausländische Firmen höher
Manchmal hat man den Eindruck, dass die amerikanischen Regierungen durch Bestrafen von ausländischen Konzernen ihre Finanzlöcher stopfen. Das hätte dann gleich zwei tolle Effekte: Man nimmt Gelder ein und schwächt die ausländische Konkurrenz. Bei den Plänen von Trump, Steuern zu senken und die Rüstungsausgaben zu erhöhen, könnte da noch viel auf uns zukommen - Strafzölle inklusive. Damit soll die Vorgehensweise der Autoindustrie nicht verharmlost werden, aber 16 Tote durch defekte Airbags im Vergleich zu den vielen Toten, verursacht durch die amerikanische Waffenlobby, das ist schon ein wenig schräg.
meister_proper 28.02.2017
4. @hummerus: Haben Sie die letzten Jahre gepennt?
Zitat von hummerusKein breaking News, keine sonder Sendung auf Nachrichten Kanälen. Dieselwerte manipuliert und schon sind alle am schreien, bewusst menschen in Gefahr bringen und keinen Juckt es.
Der erste SPON-Beitrag zu diesem Thema ist vom 11.4.2013: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/japanische-hersteller-rufen-mehrere-millionen-autos-zurueck-a-893722.html Das sind schon lange keine "breaking news" mehr, sondern nur noch die juristischen Nachwehen eines alternden Skandals :-/
benzle 28.02.2017
5. Groß sind die ..
Zitat von hummerusKein breaking News, keine sonder Sendung auf Nachrichten Kanälen. Dieselwerte manipuliert und schon sind alle am schreien, bewusst menschen in Gefahr bringen und keinen Juckt es.
.. Unterschiede nicht aber fein. Die Presse setzt da andere Prioritäten. By the way .. Millionen von Diesel-Fahrzeugen,die viel mehr Schadstoffe ausstossen als angegebensind ja wohl auch nicht ohne. Nur kann man die Schäden auf die Gesundheit nichtso direkt messen wie bei einem Airbag der versagt hat.
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