Rekord-Rückruf von Takata Die Desastairbags

In den USA steht eine beispiellose Rückrufaktion an: Fast 34 Millionen Autos sind betroffen - in ihnen sind Airbags des Zulieferers Takata verbaut, die unvermittelt auslösen könnten. Müssen sich auch Autofahrer in Deutschland Sorgen machen?

Takata-Logo: "Die Marke hat keine Zukunft mehr."
DPA

Takata-Logo: "Die Marke hat keine Zukunft mehr."


Mindestens sechs Tote, mehr als hundert Verletzte durch Takata-Airbags - die Lebensretter des japanischen Zulieferers sind inzwischen als lebensgefährlich berüchtigt. In den USA wurden seit 2013 bereits etwa 17 Millionen Fahrzeuge von Autoherstellern, die Takata-Airbags verbauen, in die Werkstätten beordert, um weitere Unfälle zu verhindern. Nun hat Takata unter dem Druck der US-Verkehrsaufsicht einem landesweiten Rückruf zugestimmt - 33,8 Millionen Autos sind betroffen. Aber lässt sich die Sicherheit so überhaupt wieder herstellen? Fragen und Antworten.

33,8 Millionen auf einen Streich! Gab es so einen gigantischen Rückruf überhaupt schon einmal?

Nein, das ist bislang ein Rekordausmaß. US-Verkehrsminister Anthony Foxx sprach auf einer Pressekonferenz vom größten und wohl komplexesten Rückruf in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Summe der betroffenen Autos übersteige auch die Rekorde in Europa, sagt der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Wo liegt das Problem bei den Takata-Airbags?

Fest steht: Ausgerechnet der als Lebensretter in Notfällen konzipierte Mechanismus kann sich wegen mangelhafter Verarbeitung in eine enorme Gefahr verwandeln. Bei den Airbags besteht das Risiko, dass sie unvermittelt auslösen und Teile der Metallverkleidung sprengen. Die Folge ist eine Explosion, bei der Splitter durch den Fahrzeugraum geschleudert werden, die zu schweren Verletzungen oder in einzelnen Fällen sogar zum Tod führen können.

Wie hoch sind die Kosten für Takata?

Weil die genaue Ursache des Defekts noch immer nicht geklärt ist, müssen die Airbags komplett ausgetauscht werden. Nach Einschätzung von Dudenhöffer kostet das Airbags-Desaster Takata deshalb eine Milliardensumme. "Die Zulieferer sind gegen solche Fälle versichert - es bleibt aber abzuwarten, ob die Versicherung wirklich zahlt, wenn sich herausstellen sollte, dass Takata bei der Produktion geschlampt hat." Eines steht für Dudenhöffer jedoch fest: "Die Marke Takata hat keine Zukunft mehr."

Könnte nun die Fahrzeugproduktion ins Stocken geraten?

Dass es bei der laufenden Produktion von Autos zu Engpässen bei Airbags kommen könnte, glaubt Dudenhöffer nicht. "Takata ist ersetzbar, die Konkurrenz freut sich."

Müssen auch deutsche Autofahrer sich Sorgen machen?

Takata produziert etwa jeden fünften Airbag weltweit und betreibt auch mehrere Werke in Deutschland. Zuletzt riefen die japanischen Branchenriesen Toyota und Nissan in großem Stil Fahrzeuge mit Takata-Airbags zurück. Hier bestand allerdings nicht Gefahr, dass die Airbags unvermittelt auslösen, sondern dass sie sich bei einem Unfall nicht vollständig aufblasen. Auch in Deutschland waren Autos davon betroffen.

Die deutschen Autohersteller blieben bisher weitgehend verschont vom Takata-Problem. "Wir sind von dem erneuten Rückruf nicht betroffen", sagt Beispielsweise ein Sprecher von Mercedes. Das gleiche gilt nach Auskunft eines Firmensprechers für VW. Bei BMW heißt es, man müsse eine eventuelle Rückrufaktion prüfen.

Laut Unternehmen stehen nur Fabriken in Nordamerika im Zusammenhang mit den defekten Teilen - allerdings ist das nur der letzte Stand der Untersuchungen.

Warum kommt es in den USA erst jetzt zum landesweiten Rückruf?

Takata hatte die Forderung der US-Verkehrsaufsicht nach einem Rückruf dieses Ausmaßes bislang abgelehnt. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Unfälle im Zusammenhang mit dem heißen und feuchten Wetter in US-Bundesstaaten wie Florida oder Kalifornien stehen. Es würde die Rückrufe daher gern auf diese Regionen begrenzen. Die Klima-Einflüsse würden durch umfangreiche eigene Untersuchungen nahegelegt, die auch den US-Behörden zugänglich gemacht worden seien. "Wir haben fast 2,5 Millionen Seiten an Dokumenten bereitgestellt", teilte Takata mit.

Im Februar war der Konzern von den Regulierern wegen mangelnder Kooperation beim Krisen-Management zu einer Strafe von 14.000 Dollar pro Tag verdonnert worden, die jetzt erst einmal ausgesetzt wurde.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Massen-Rückrufaktion?

Ungewiss. Das Vorhaben ist ein logistischer Kraftakt, der zahlreiche Autohersteller - darunter BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota - sowie etliche weitere Zulieferer betrifft. Takata hat zudem gar nicht die nötigen Ersatzteile parat, um die nötigen Reparaturen rasch zu ermöglichen.

cst/dpa

insgesamt 31 Beiträge
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Andreas-Schindler 20.05.2015
1. Man weiß noch nicht wo der Fehler liegt...
Also wenn man noch nicht mal weiß wo der Fehler liegt ist das schon mehr als schlecht. Da das Problem schon länger bekannt ist sollte man doch inzwischen wissen ob es ein Materialfehler, Produktionsfehler, oder bei der Montage ein Fehler sich eingeschlichen hat. In der Firma wo ich Arbeite werden auch schon mal paar Paletten Voll mit Fertigen Teilen Weggeschmissen wegen Materialfehler durch neuen Zulieferer. Da das Problem Angeblich nur bei Teilen aus US-Produktion besteht sollte man doch vergleichen können mit Produkten aus anderen Werken. Schätze mal der Einkauf hat zu billig Eingekauft.
Gaussen 20.05.2015
2. Kaizen, die Veränderung nicht immer zum Besseren
Kaizen, die japanische Denkweise in der Betriebswirtschaft war in den 90-er Jahren en vogue. Wurde dann von der just-in-time-Produktion und Lean Manufacturing abgelöst. Diese Produktionsmoden wiederum wurden durch die Auslandsproduktion abgelöst und einer heimischen memo-Produktion. :-) Die Japaner sind offenbar bei Ihrer Philosophie geblieben. .-) Wie heisst es so schön? Nur klappen muss es.
globalworker 20.05.2015
3. Takatamethode
Als Takata das Familienunternehmen Petri in Aschaffenburg aufgeschnupft hatte, folgte die "Globalisierung". Rohrskelette aus Portugal, Kabelbäume und Mikroelektronik für Airbags und MFLs (Mufflons) aus Tschechien etc. etc. 2009 konnte die Verlagerung der Aschaffenburger Produktionsstätte nach Rumänien gerade noch verhindert werden! Qualität zählt in diesem Unternehmen nichts, nur Rendite ist wichtig.
joG 20.05.2015
4. Was heißt
....Rückruf, Wenn hier es keinen Landesweiten Rückruf überhaupt gab und BMW offenbar meint es müsse das prüfen, ob zurück gerufen würde? In den USA warnte man, dass man auf dem Beifahrersitz nicht sitzen solle, bis das Airbag ausgetauscht ist.
milan8888* 20.05.2015
5. Die Desastairbags
”Die Desastairbags“ Ganz ehrlich - wenn ich solche "Schöpfungen" in der Überschrift lesen muss, vergeht mir jegliche Lust den zugehörigen Artikel zu lesen.
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