Nach Rekord-Rückruf Autozulieferer Takata stellt Produktion von Airbags um

Der wegen defekter Airbags in die Kritik geratene Autozulieferer Takata hat weitere Maßnahmen zur Krisenbewältigung angekündigt. So soll eine als riskant eingestufte Chemikalie der Gasgeneratoren ersetzt werden.

Nach Airbag-Defekten: Zulieferer Takata stellt Produktion auf andere Chemikalie um
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Nach Airbag-Defekten: Zulieferer Takata stellt Produktion auf andere Chemikalie um


Nach der größten Rückrufaktion in der Automobilgeschichte der USA will der japanische Zulieferer Takata Konsequenzen aus seinen defekten Airbags ziehen. Künftig solle bei den Airbags auf die Verwendung von Ammoniumnitrat verzichtet werden, teilte das japanische Unternehmen am Montag (Ortszeit) mit. Die Chemikalie wurde in Millionen von Fahrzeugen bei Airbag-Gasgeneratoren als Treibstoff eingesetzt und steht im Verdacht, ein Grund für erhebliche Sicherheitsrisiken zu sein.

Takata-Airbags haben in der Vergangenheit in mehreren Fällen unvermittelt ausgelöst. Dabei kam es zu regelrechten Explosionen, die Teile der Metallverkleidung sprengten. Diese Defekte werden mit mindestens sechs Todesfällen und zahlreichen Verletzten in Zusammenhang gebracht. Laut Takata entstehen die Mängel offenbar, wenn die Autos über viele Jahre einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und Hitze ausgesetzt sind.

Von BMW bis Toyota - fast jeder große Hersteller ist betroffen

Am Dienstag muss sich der für Nordamerika zuständige Takata-Manager Kevin Kennedy in Washington bei einer Anhörung befragen lassen. Vor etwa zwei Wochen hatte Takata auf Drängen der Verkehrsbehörde NHTSA der größten Rückrufaktion der US-Geschichte zugestimmt. Seit 2013 wurden bereits etwa 17 Millionen Fahrzeuge von Autoherstellern in die Werkstätten beordert, diese Zahl wird sich noch einmal fast verdoppeln.

In den USA sind elf Hersteller betroffen: BMW, Fiat, Chrysler, General Motors, Ford, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Toyota und vor allem Honda. In Deutschland sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes Fahrzeuge von Toyota, Lexus, Honda, Mazda, Nissan, BMW, General Motors und Alpina von Takata-Rückrufaktionen betroffen. Die Zahl liegt demnach hierzulande aber deutlich unter einer Million Autos. Die Austauschaktion könnte nach Einschätzung der US-Behörden Jahre dauern. (Weitere Informationen zum Takata-Rückruf und den Fragen, die sich daraus ergeben, lesen Sie hier.)

In Notizen, die vorab veröffentlicht wurden, bemüht sich der zuständige Takata-Manager Kennedy, das Ausmaß der Misere zu relativieren: "Wir sind stolz, dass Millionen von Takata-Airbags ordnungsgemäß funktioniert und Tausende von Todesfällen verhindert haben". In den letzten Monaten habe Takata ballistische Tests für mehr als 12.500 Airbags durchgeführt, von denen nur neun Mängel aufgewiesen hätten. Kennedy bezeichnete es aber als unakzeptabel, "wenn auch nur eines unserer Produkte nicht wie vorgesehen funktioniert und Menschen in Gefahr bringt".

Takata ist einer der weltweit größten Airbag-Hersteller. Das Unternehmen hat 36.000 Mitarbeiter und Dutzende Standorte in 20 Ländern, darunter mehrere in Deutschland. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, die Probleme mit seinen Airbags jahrelang ignoriert und dann zu spät gehandelt zu haben.

smh/AFP/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
dr.u. 02.06.2015
1. Was bitte sind...
... ballistische Airbag Tests?
deegeecee 02.06.2015
2.
Zitat von dr.u.... ballistische Airbag Tests?
In dem Zusammenhang am naheliegendsten: Test beim Auslösen des Airbags. Offenbar scheut man die Begriffe "Zündung, Explosion, Sprengung" in Zusammenhang mit der regulären Funktion des Airbags, worauf auch der Euphemismus "Chemikalie der Gasgeneratoren" für "Sprengladung" hindeutet. Schäden durch unkontrollierte Absprengungen ließen sich so ergründen, das willkürliche Auslösen nicht.
stauss4 02.06.2015
3. Harakiri ist das vorgeschriebene Prinzip des Kaizen beim Versagen
Umstellung? Einstellung. Was man nicht kann, sollte man auch nicht machen.
pauschaltourist 02.06.2015
4.
Typisch Spiegel-online. Null Hintergrundinformationen. Seit wann ist der Firma das untaugliche Mittel bekannt? Und warum wird erst jetzt die Produktion umgestellt? Welche Alternative wurde gefunden? Eventuell das Mittel, das bis 2001 problemlos im Einsatz war, aber leider, leider einige Cent teurer als der Billigstoff?
deegeecee 02.06.2015
5.
Zitat von stauss4Umstellung? Einstellung. Was man nicht kann, sollte man auch nicht machen.
Dann stünde die Automobilwelt Knall auf Fall ohne Airbags da. Fehlermöglichkeiten zu identifizieren und abzustellen ist da schon sachdienlicher.
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