Tarn-Tal Höchste Autobahnbrücke der Welt eröffnet

Mit offiziellem Pomp hat der französische Präsident Jacques Chirac die höchste Autobahnbrücke der Welt eingeweiht: Das von Norman Foster entworfene Bauwerk spannt sich über das Tarn-Tal, ist höher als der Eiffelturm, länger als die Champs-Élysées - und wurde von einer privaten Firma gebaut.


Millau-Brücke: "Ein Kunstwerk"
DPA

Millau-Brücke: "Ein Kunstwerk"

Millau - Präsident Chirac zog die Staatsflagge von einer Gedenktafel, Kampfjets flogen über das filigrane Bauwerk und zogen Rauchfahnen in den Farben der Trikolore hinter sich her - Frankreichs Straße über den Wolken ist eröffnet. Ab Donnerstag werden die ersten Fahrzeuge über die höchste Brücke der Welt rollen.

Der 394 Millionen Euro teure Bau des britischen Stararchitekten Norman Foster besteht aus sieben Pfeilern, auf deren Stahlverstrebungen die Autobahn ruht. Die Straße schwebt 270 Meter über dem malerischen Tal des Tarn im Zentralmassiv. Nicht nur wegen der Höhe werden sich die Autofahrer manchmal fühlen, als ob sie über den Wolken rollen: Mitunter wabert der Nebel im Tal bis direkt unter die Brücke. Die angesehene Zeitung "Le Monde" veröffentlichte am Dienstag ein solches Foto und schwärmte: "Ein Kunstwerk".

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Viadukt von Millau: Eröffnung im Dezember 2004

Damit hat Frankreich Deutschland den Titel des Spitzenreiters abgenommen: Bislang war die Autobahn über die Kochertal-Brücke mit 185 Metern die höchstgelegenste der Welt. Nur die Royal Gorge Bridge im US-Staat Colorado ist noch höher: Hier sind es 331 Meter nach unten zum Arkansas-Fluss. Diese Hängebrücke ist allerdings nur für Fußgänger geöffnet.

Ende der sommerlichen Monsterstaus

Chirac würdigte die schlanke Konstruktion als Meisterwerk französischer Ingenieurskunst und künstlerisches Juwel, auf das Frankreich zu Recht Stolz sein könne. "Wir waren von der Eleganz und der logischen Struktur eines Bauwerks fasziniert, das die eine Hochebene auf kürzestem Wege mit der anderen verbindet", sagte Foster, der beispielsweise auch die Kuppel des Berliner Reichstags entworfen hat.

Der höchste Pfeiler der Millau-Brücke ist mit 340 Metern 16 Meter höher als der Eiffelturm. Das Bauwerk ist 2,5 Kilometer lang und verbindet Paris mit der Mittelmeer-Küste; die Brücke wurde wegen der häufigen Staus in den kurvigen und engen Straßen des Tals gebaut. Bei Sturm kann die Brücke allerdings geschlossen werden. Dabei soll das Bauwerk Windstärken bis 250 Stundenkilometern trotzen - in einer Gegend, in der bisher nur Windgeschwindigkeiten bis 176 Kilometer je Stunde gemessen wurden.

Mehr als 200.000 Tonnen Beton, 36.000 Tonnen Stahl und 9000 Tonnen Straßenbelag verbaute der private Baukonzern Eiffage, der keine Staatsmittel erhielt, in die Millau-Brücke. Die Finanzierung soll nachträglich über die Maut erfolgen, die Eiffage in den kommenden 75 Jahren erheben darf.

Ab Donnerstag soll der Verkehr über die Brücke rollen. In den Sommermonaten sollen es 28.000 Fahrzeuge täglich sein, rund 10.000 im Rest des Jahres, erläuterte Eiffage. Wer sich den atemberaubenden Blick gönnen möchte und keine Höhenangst hat, kann die Brücke im Winter für eine Maut von 4,90 Euro passieren und für 6,50 Euro im Sommer. Lkw müssen das ganze Jahr über 24,30 Euro bezahlen.



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