Mehr Transparenz an Tankstellen: Technische Probleme bei Umsetzung der Benzinpreismelder

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Freie Tankstelle: Systeme zur Datenübertragung sind noch nicht reif

Autofahrer müssen weiter darauf warten, Spritpreise in Echtzeit abrufen zu können. Denn der Start der sogenannten Markttransparenzstelle verzögert sich offenbar - vor allem die freien Tankstellen scheitern noch an den technischen Hürden.

Hamburg - Eigentlich sollten die Autofahrer in Deutschland noch in diesem Sommer kinderleicht die preiswerteste Tankstelle in ihrer Umgebung finden. Mit der Schaffung der sogenannten Markttransparenzstelle, die für die kommenden Wochen angepeilt war, können nämlich alle Preisdaten direkt mit dem Handy oder Navigationssystem abgerufen werden. Doch offenbar müssen sich die Verbraucher länger als geplant auf den Service gedulden. Denn bislang sind zu wenige Tankstellen mit der nötigen Technik für die Datenübertragung ausgestattet.

Laut Angaben des zuständigen Bundeskartellamts müssen die Daten von rund 13.000 der insgesamt etwa 14.700 Tankstellen in Deutschland abrufbar sein, damit die Markttransparenzstelle eingerichtet werden kann. Notwenige Voraussetzung dafür ist zunächst eine reibungslose Übermittlung der sogenannten Grunddaten der Tankstellen, das heißt deren Name und Standort, an die zentrale Sammelstelle des Kartellamts. Bis zum 1. August hätten diese Daten vorliegen sollen, doch daraus wird nichts - denn vor allem die freien Tankstellen sind noch nicht so weit.

Mineralölkonzerne können bereits Daten liefern

"Für sichere und zuverlässige elektronische Preismeldesysteme brauchen die Hersteller unserer IT-Systeme noch etwas Zeit", sagte Axel Graf Bülow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Freier Tankstellen (BFT). Derzeit sei es noch nicht möglich, überhaupt eine Verbindung zu den Servern der zuständigen Behörden aufzubauen. Damit hinken mindestens 2250 Tankstellen - so viele freie Anbieter gibt es Deutschland - dem Zeitplan noch hinterher.

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) - unter dessen Dach unter anderem die Konzerne Shell, Jet, Total und BP organisiert sind - will dagegen pünktlich liefern. Ein Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, dass damit die Daten von rund 8500 Tankstellen am Donnerstag dem Kartellamt vorliegen.

Damit fehlen aber immer noch die Angaben mehrerer tausend Tankstellen. Und bei den bisher geforderten Daten sind die Preisangaben noch gar nicht dabei. Trotzdem hält die Behörde an der Vorgabe des Kartellamts-Präsidenten Andreas Mundt aus dem Juni fest: Er sagte, die Autofahrer werden voraussichtlich "im Laufe des Sommers" die ersten Preise über Smartphone-Apps oder Navigationssysteme abrufen können.

cst/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Wo bleiben die Strafen?
rodflanders 01.08.2013
Es war doch lang genug Zeit die Technik einzurichten. Die Vorgabe ist verpflichten. Also sollte jeder Tankstellenbetreiber, der die Vorgaben nicht erfüllen kann, eine Frist gesetzt bekommen, die hohe Strafen sowie den Entzug von Lizenzen androht. Das ist ja wohl wieder ein schlechter Witz, dass man nun wieder mit so billigen Ausreden kommt.
2. Wäre ja auch ein Wunder gewesen
Mannheimer011 01.08.2013
Wenn in Deutschland etwas termingerecht fertig wird. Aber wer die Augen offen hält kann auch ohne Apps und Navi beim Tanken sparen. Diese Woche für 1.349 Diesel getankt (Montag abends) während die blauen und gelb-roten Tankstellen zu anderen Uhrzeiten teilweise 1.489 in der Gegend haben wollten. Nicht mit mir!
3. unnötig
duerrmi 01.08.2013
Seltsam: sonst immer wird gejammert, dass der Staat zu viel reguliere und nun kann der staatliche eingriff nicht schnell genug gehen. Meiner Meinung nach ist die Einrichtung einer solchen Markttransparenzstelle nach wie vor überflüssig. Hier mischt sich der Staat zu sehr in den Markt ein. Jeder kann doch heute schon ohne große mühen vergleichen. Es gibt ja auch keine (offizielle) Stelle, die die Preise bei Obst und Gemüse vergleicht.
4. sorry...
astrid1814 01.08.2013
Zitat von duerrmiSeltsam: sonst immer wird gejammert, dass der Staat zu viel reguliere und nun kann der staatliche eingriff nicht schnell genug gehen. Meiner Meinung nach ist die Einrichtung einer solchen Markttransparenzstelle nach wie vor überflüssig. Hier mischt sich der Staat zu sehr in den Markt ein. Jeder kann doch heute schon ohne große mühen vergleichen. Es gibt ja auch keine (offizielle) Stelle, die die Preise bei Obst und Gemüse vergleicht.
...der "Markt" findet doch überhaupt nicht statt. Die Konzerne erhöhen doch die Preise wie sie wollen. Und immer fast gleichzeitig und um den gleichen Betrag. Wer glaubt, dass der Rohölpreis nur das geringste mit der Preisfindung zu tun hat, sollte sich einmal mit der Entwicklung der Rohölpreise im Verhältnis zu den Kraftstoffpreisen an der Tanke näher beschäftigen. Ich empfehle da besonders das Jahr 2008. Für mich ist das, was die Kozerne in D. und anderen EU-Staaaten betreiben, von den Regierungen gedulter Diebstahl. Von wegen freier Markt.
5. Anbindung
DarkTranquility 01.08.2013
Wenn es wirklich nur an der techn. Anbindung klemmt? Was spricht gegen einen Surfstick und Datenübertragung via UMTS/LTE & Co? Die Kosten sind überschaubar und die Anzahl der Tankstellen, die sich in Funklöchern befinden, dürfte sich in Grenzen halten...
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