Technischer Durchbruch Elektroautos bekommen Einheitsstecker

Ein Steckersystem für Elektroautos von Sizilien bis zum Nordkap, das ist die Vision der Auto- und Stromkonzerne. Der dreipolige genormte Ladestecker soll in Kürze vorgestellt werden. Die Grünen fordern schon mal eine satte Förderprämie für Käufer von E-Fahrzeugen.


Den Entwicklern von Elektroautos ist ein wichtiger Durchbruch gelungen. Eine Gruppe führender Autobauer und Energiekonzerne verständigte sich auf einen einheitlichen Stecker zum Laden der strombetriebenen Fahrzeuge, wie eine Sprecherin des Energiekonzerns RWE bestätigte. Damit können Elektroauto-Fahrer sicher sein, dass sie ihr Fahrzeug auch überall mit neuer Energie betanken können.

Bei den Prototypen (hier ein Smart-e) sehen die Stecker mal so, mal so aus - jetzt soll der Einheitsstecker kommen
DDP

Bei den Prototypen (hier ein Smart-e) sehen die Stecker mal so, mal so aus - jetzt soll der Einheitsstecker kommen

Der Normstecker soll den Angaben zufolge noch auf der Hannovermesse präsentiert werden, die Bundespräsident Horst Köhler am Sonntagabend eröffnete. Der Stecker soll dreiphasig sein und mit einer Spannung von 400 Volt arbeiten, berichtet die Tageszeitung "Welt". Die Leistung ermögliche es, Elektroautos innerhalb weniger Minuten wieder aufzuladen.

Die Normung sei entscheidend für die Entwicklung der zukünftigen Stromautos, sagte die Verantwortliche für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder bei RWE, Carolin Reichert. Nur wenn es europaweit einheitliche Anschlüsse für die Stromautos gebe, könnten diese in Großserie gebaut werden.

"Ein Auto muss in Italien genauso betankt werden können wie in Dänemark, Deutschland oder Frankreich", sagte Reichert. Probleme, wie es sie bei Rasierapparaten oder Laptops in fremden Ländern gebe, müssten für den Pkw-Vertrieb vorab gelöst werden. Die Standards sollten für jeden Anbieter frei zugänglich sein. Einen Zeitplan zur Einführung des neuen Steckers gibt es nach Angaben der RWE-Sprecherin allerdings noch nicht, die Gespräche der Konzerne liefen weiter.

An der Entwicklung der gemeinsamen Ladestationen arbeiten laut RWE die Autokonzerne Volkswagen, Daimler, BMW, Ford, General Motors, PSA Peugeot Citroën, Fiat, Toyota, Mitsubishi und die großen westeuropäische Energiekonzerne E.on, EnBW, Vattenfall, Electricité de France, Npower in Großbritannien, Endesa in Spanien und Enel in Italien mit.

Grüne planen Elektroauto-Prämie von 5000 Euro

RWE und Daimler hatten im September einen Pilotversuch mit Elektroautos in Berlin gestartet. BMW kooperiert auf dem Gebiet mit Vattenfall und E.on, Volkswagen ebenfalls mit E.on.

Analog zur Abwrackprämie fordern die Grünen unterdessen eine Prämie für die Käufer von Elektroautos. Grünen-Parteichef Cem Özdemir sagte dem "Weser-Kurier", seine Partei plane ab 2010 eine 5000-Euro-Prämie für alle Bürger, die sich ein Elektroauto zulegen. Durch ein solches Bonusprogramm würden die Preise für Elektrofahrzeuge sinken, dann könne die Prämie Jahr für Jahr abgeschmolzen werden. In Großbritannien plant die Labour-Regierung sogar ein noch großzügigeres Modell: Wer dort eine Stromwagen kauft, soll dafür vom Staat 5700 Euro bekommen.

Umweltschützer kritisieren, Elektroautos seien ähnlich umweltschädlich wie herkömmliche Autos. Die Emissionen entstünden lediglich bei der Stromherstellung statt bei der Verbrennung im Motor. Sie fordern daher, der Strom für Elektroautos müsse komplett aus erneuerbaren Energien stammen. Frühestens 2012 werden die ersten Stromfahrzeuge in den normalen Handel kommen.

cht/dpa/ddp



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