Autobahnen Verkehrsexperten fordern Tempolimit für mehr Sicherheit

Wie sinnvoll ist ein generelles Tempolimit auf Autobahnen? Eine Regierungskommission will damit dem Klima helfen. Polizei und Unfallforscher halten eine Begrenzung aus Sicherheitsgründen für dringend geboten.

Autobahn A5 bei Karlsruhe
DPA

Autobahn A5 bei Karlsruhe


Im Vorfeld des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar unterstützen Unfallexperten die Forderung nach einem generellen Tempolimit. Dadurch soll die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht und die Zahl der Verkehrstoten gesenkt werden.

"Wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, dass jedes Jahr rund 3200 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen, müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Michael Mertens.

Die Debatte um ein Tempolimit tobt, seit der SPIEGEL Vorschläge einer Regierungskommission für mehr Klimaschutz im Verkehr bekannt gemacht hat. Darunter sind ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen, höhere Spritkosten und eine Quote für Elektroautos.

Laut der Polizei könnte ein Tempolimit die Zahl der Verkehrstoten weiter senken. "Wenn jemand mit Tempo 180 unterwegs ist und vor ihm schert ein Fahrzeug mit Tempo 90 auf die Überholspur aus, geht das schnell schief", sagt Mertens von der GdP. Die Unfallforscher der Versicherer (UDV) sehen das ähnlich. "Die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Fahrspuren nehmen immer mehr zu", sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Das habe oft schlimme Folgen.

Mehr Sicherheit durch Tempolimit ist umstritten

Ob ein Tempolimit für mehr Sicherheit sorgt, ist wenig erforscht und daher umstritten. Allerdings ergab die jüngste Untersuchung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Jahr 2016, dass auf Abschnitten mit einem Tempolimit pro Kilometer rund 26 Prozent weniger Menschen tödlich verunglückten als auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Zahl der Schwerverletzten sei auf Strecken mit Tempolimit um 17 Prozent ebenfalls geringer. "Bei niedrigeren Geschwindigkeiten passieren weniger Unfälle", sagt Julia Fohmann vom DVR. "Vor allem aber sind auch die Unfallfolgen für die Beteiligten geringer."

Das liegt auch daran, dass die Bremswege bei hohen Geschwindigkeiten deutlich länger sind. Bei einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde ergeben Reaktions- und Bremsweg zusammen rund 250 Meter, rechnen Verkehrsexperten vor. Bei Tempo 130 kommt das Auto bereits nach etwa 118 Metern zum Stehen.

ADAC ist gegen ein generelles Tempolimit

Der ADAC sieht hingegen keine höhere Gefahr auf Strecken ohne Tempolimit und plädiert für Geschwindigkeitsbegrenzungen an Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkten. "Die eigentliche Schwachstelle in Sachen Verkehrssicherheit sind nach wie vor die Landstraßen, wo knapp 60 Prozent aller Verkehrstoten registriert werden", heißt es beim ADAC.

Autobahnen seien bei Weitem die sichersten Straßen in Deutschland. Die Zahl der auf Autobahnen Getöteten liege in Deutschland bei aktuell 1,6 pro eine Milliarde Fahrzeugkilometer. Der ADAC beruft sich auf eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts aus dem vergangenen Jahr.

Den Zahlen zufolge waren 2017 aber mehr als ein Drittel der Autobahnunfälle auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Dadurch starben 181 Menschen, 2478 wurden schwer verletzt. Das waren 44,3 Prozent aller Getöteten und 41,5 Prozent aller Schwerverletzten auf deutschen Autobahnen.

cfr/dpa/AFP



insgesamt 62 Beiträge
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gm-nk 22.01.2019
1. Scheinsicherheit
Die Autobahnen sind - wie im Artikel erwähnt - die sichersten Straßen Deutschlands. Von ca. 3300 Verkehrstoten in 2017 entfielen ca. 310 auf Autobahnen. Wenn man diese 310 nochmals um die Anzahl der Toten durch Geisterfahrer, LKW Auffahrunfälle, Glätteunfälle und Regenunfälle bei niedrigeren Tempi reduziert, ist die Anzahl der Verkehrstoten bei höheren Geschwindigkeiten recht überschaubar. Auf der anderen Seite führt eine Höchstgeschwindigkeit von max. 120 km/h zu einem Nachlassen der Konzentration, da die heutigen modernen Autos mit ihren elektronischen Helferlein das Fahren zu einem Kinderspiel machen. Diese nachlassende Konzentration führt mit Sicherheit auch zu dem einen oder anderen Toten. Viel sinnvoller ist m.E. die elektronische Verkehrsgestaltung mit variablen Limiten - da wo es nötig ist.
guidomuc 22.01.2019
2. Wieder mal ideologisch verbrämt
Vor 20 Jahren, 1997 gab es in D ca. 8.500 Verkehrstote, 2017 waren es ca. 3.200. Jeweils 13% dieser Verkehrstoten starben auf Autobahnen. Wieviele davon wegen überhöhter Geschwindigkeit ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Eine einfache Ableitung "schnell=tot" ist unzulässig. Fakt ist jedoch, dass etwa 87% aller Verkehrstoten auf Straßen sterben, auf denen in aller Regel nicht mehr als 100 erlaubt ist. Also was soll die Wichtigtuerei?
tubolix 22.01.2019
3. Hmm ...
Spanien hat bei etwa halber Bevölkerung ungefähr halb so viele Verkehrstote. Viel sicherer kann es folglich nicht sein. Vlt sollte mehr in die Kontrollmechanismen investiert werden. Jahrelang wurde die Polizei kaputtgespart. Das lässt sich durch ein Tempolimit nicht kompensieren. Wie auch, wenn keiner da ist, der es kontrolliert.
manchmal_dafür 22.01.2019
4. Mehr Kontrollen
Ich bin nicht für ein Tempolimit, wohl aber für strengere Kontrollen was drängeln und Nötigung auf Autobahnen angeht. Wenn die Straßen frei sind, soll doch jeder Gas geben wie er mag. Wer als Raser andere gefährdet (ob er sich selbst gefährdet, ist mir relativ egal) sollte den Führerschein abgeben.
hrboedefeld 22.01.2019
5. Sicherheit geht vor
ich fahre Langstrecken grundsätzlich nachts und mit über 200km/h. So bin ich schnell und entspannt am Ziel und durchgehend konzentriert bei der Sache. Wenn das Tempolimit kommt bin ich dann wohl gezwungen auf das Flugzeug umzusteigen. Die 650km zur Familie kann ich unmöglich mit 130km/h fahren und dabei konzentriert bleiben. Das wäre mir viel zu gefährlich!
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