Unfall auf Bergstraße Tesla bestätigt weiteren Crash mit "Autopilot"-System

Erneut ist in den USA ein Fahrer eines Tesla verunglückt, während bei dem Wagen die Selbstlenk-Funktion aktiviert war. Nach Angaben des Autoherstellers ignorierte der Mann dabei mehrere Warnhinweise.

Tesla Model X (Archivbild)
Tesla

Tesla Model X (Archivbild)


Tesla hat mitten in den Ermittlungen zum ersten tödlichen Crash mit seinem "Autopilot"-System einen weiteren Unfall mit dem Fahrassistenten bestätigt. Ein Model X sei am Wochenende bei eingeschalteter Selbstlenk-Funktion in der Nacht von einer Bergstraße abgekommen, erklärte der Elektroautohersteller am Mittwoch.

Der Wagen war in einen Graben gefahren, wie schon am Wochenende aus einem Bericht in einem Onlineforum von Tesla-Besitzern hervorging. Dabei wurde die Frontpartie beschädigt und ein Rad sprang ab. Der Fahrer und ein weiterer Passagier blieben dabei unverletzt.

Daten von Tesla zufolge hatte der Fahrer vor dem Unfall die Hände über zwei Minuten lang nicht am Steuer. Das verstoße gegen die Nutzungsbedingungen, die laut Tesla bei jedem Einschalten der Funktion angezeigt würden. Zudem habe das Auto den Fahrer alarmiert und dazu aufgefordert, die Hände ans Steuer zu nehmen.

Fahrer plaudert über den Unfallhergang

Der Fahrer des Model X sagte dem Nachrichtenportal "CNN Money", er sei sich nicht sicher, ob er für den Unfall verantwortlich sei oder die Technik des Wagens, da er nicht gewarnt worden sei. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass die Spracheinstellung des Wagens auf Englisch gewählt war und er Mandarin spreche.

Teslas "Autopilot"-System wird von der US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht, nachdem Anfang Mai ein vom Computer gesteuerter Tesla-Wagen unter einen Lastwagenanhänger raste, der die Fahrbahn querte. Nach Tesla-Angaben hielt das System die weiße Seite des Anhängers für ein hochhängendes Autobahnschild. Am Dienstag wurde bekannt, dass die NHTSA von Tesla ausführliche Informationen zum "Autopilot"-System inklusive aller Unfallberichte und der Log-Dateien des Unglücksautos anforderte.

Der Besitzer eines weiteren Tesla-Wagens, der am 1. Juli von der Straße abkam, sagte der Polizei ebenfalls, dass er mit eingeschalteter "Autopilot"-Funktion unterwegs gewesen sei. Tesla erklärte dazu zunächst, man habe nicht die Daten, um diese Behauptung zu verifizieren.

Musk sieht Erklärungsbedarf beim "Autopilot"

Bisher wurde nicht bekannt, wie viele Unfälle mit "Autopilot" sich seit der Einführung des Systems im vergangenen Oktober ereigneten. Tesla erklärte dem "Wall Street Journal" vor einigen Tagen lediglich, es seien "einige" passiert.

Tesla-Chef Elon Musk betonte ungeachtet der Ermittlungen, das "Autopilot"-System werde weiterhin aktiviert bleiben. Den Fahrern solle in einem Blogeintrag aber besser erklärt werden, wie es funktioniere und wie sie sich dabei verhalten sollten, sagte Musk dem "Wall Street Journal" von Mittwoch. "Viele Leute verstehen nicht, was es ist und wie man es einschaltet." Tesla habe das System so schnell wie möglich auf den Markt bringen wollen, "weil wir wussten, dass es unterm Strich Leben retten wird", erklärte der Milliardär.

cst/dpa

insgesamt 117 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sickandinsane 13.07.2016
1. Äußerst fragwürdig
Rein instinktiv würde ich doch immer die Hände am Lenkrad lassen. Abgesehen davon dass ich so einen stark agierenden Autopiloten nur auf der Autobahn für nützlich halte. Weil Hand aufs Herz, jeder fährt lieber selber als von einem Computer gesteuert zu werden. Auf der Autobahn von mir aus, überall anders meinerseits ein klares Nein.
brotherandrew 13.07.2016
2. Das ...
... Problem ist, daß diese Fahrer nicht einsehen wollen, daß der "Autopilot" nicht wirklich ein solcher ist bzw. an seine Grenzen stößt und weiterhin der ständigen Kontrolle durch den Menschen bedarf. Würde Musk das Produkt aber nicht "Autopilot" nennen, sondern z.B. "drive assistance", dann wäre auch sprachlich klar, daß es sich nicht um ein vollautonomes System handelt.
kerckhofs 13.07.2016
3.
Schön und gut, aber warum steuert der Autopilot denn nicht auf den Standstreifen o.ä. wenn der Fahrer diesen Aufforderungen nicht nachkommt? und auf dem Riesenbildschirm sollten sich diese Aufforderungen nun auch non-verbal eindeutig darstellen lassen, egal ob der Fahrer Englisch, Mandarin oder Sächsisch spricht...
patrick6 13.07.2016
4. Anwenderfehler
Das ganze erinnert stark an Computerbenutzer, die immer davon reden, dass 'ER' irgendwas gemacht hat. Die auch nicht begreifen, dass eine Maschine immer noch nur das macht, wofür sie programmiert wurde. In solchen Fällen hilft evtl. eine Schulung, die Grenzen des Erwartbaren aufzeigen. Dass man in einem Tesla auf geraden Strecken mal kurz die Hand vom Lenkrad nehmen kann, um sich irgendwo zu kratzen, scheint mir sinnvoll zu sein. Aber ganz offenbar begreifen die 'Anwender' nicht, dass so ein System seine Grenzen hat. Was mag der mensch in dem mit dem LW verunfallten Auto gerade getan haben?
PaulMeister 13.07.2016
5. verführerische Gefahr?
Nicht nur, dass es mir persönlich keinen Spass machen würde von meinem Auto langweilig rumgekutscht zu werden, so sehe ich die größte Gefahr vor allem darin, dass dieser vermeintliche Autopilot gerade zu dazu verführt, dass die Aufmerksamkeit zwangsläufig nachlassen muss, wenn das Auto in den meisten Fällen autonom und korrekt fährt. Dann noch konzentriert für die kritischen Momente zu bleiben und diese korrekt zu beurteilen ist wesentlich schwerer, als wenn man aktiv fährt und aktiv das "Zustandekommen einer Gefahrensituation" mit voller Aufmerksamkeit miterlebt. Insofern trägt das System, was meines Erachtens in diesem Entwicklungsstadium niemals "Autopilot" heißen dürfte und doch so bewußt genannt wurde, sogar noch zur Unfallgefahr bei. Schlimmer noch. Es ist nur eine Frage der Zeit (ich wünsche es natürlich nicht), dass die ersten Fussgänger oder Fahrradfahrer über den Haufen gefahren werden, weil dass System sie für zu hoch hängendes Schild (oder was dann eben für eine Börsenorientierte Ausrede von Herrn Musk präsentiert wird) gehalten und der begeisterte Tesla Fahrer sich zu sehr auf die Technik verlassen hat. Dann bekommen die Unfälle noch einmal eine ganz andere Qualität, wenn plötzlich völlig unbeteiligte Menschen im schlimmsten Fall von außer Kontrolle geradenen Maschinen getötet werden. Solange die autonome Technik in einem so frühen Entwicklungsstadium ist (Zitat: "Sogar ein Zulieferer von Tesla kritisierte das "Autopilot"-System als nicht ausgereift... Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/tesla-chef-elon-musk-verteidigt-den-autopilot-a-1102503.html", hat Sie in freier Wildbahn nichts zu suchen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.