Gefährliche Transporte Tesla verärgert Norweger mit Lieferproblemen

In keinem Land der Welt ist die Tesla-Dichte höher als in Norwegen. Ausgerechnet auf dem Vorzeigemarkt muss der Elektroauto-Pionier nun seine Auslieferungen drosseln - aus einem einfachen Grund.

Ein Tesla Model 3 (Symbolbild).
REUTERS

Ein Tesla Model 3 (Symbolbild).


Wer in Norwegen einen Tesla gekauft hat, muss sich momentan gedulden: Tesla hat dort gerade Lieferprobleme - schuld daran sind jedoch nicht die Autos, sondern der Transport. Rund ein halbes Duzend Autotransporter, die für Tesla unterwegs waren, wurden von den norwegischen Behörden aus dem Verkehr gezogen, ein weiterer hatte einen Unfall, bei dem auch zwei Tesla Model S beschädigt wurden.

Die norwegische Polizei stellte bei den verwendeten Lkw unter anderem mangelhafte Beleuchtung und Probleme mit den Bremsen fest, auf einem Transporter waren gar Sommerreifen montiert. Diese Probleme seien jedoch nicht auf Tesla beschränkt, sondern würden immer wieder bei Lkw festgestellt, erklärte ein Sprecher der norwegischen Straßenverwaltung. Zusätzlich zu den Sicherheitsmängeln waren die Lkw nicht gerade umweltfreundlich, mehrere erfüllten nur die Abgasnorm Euro 3.

Tesla sieht die Spediteure vor Ort in der Verantwortung und erklärte, man erwarte von seinen Subunternehmern, dass ihre Lkw örtlichen Sicherheitsbestimmungen entsprächen. Der Vorsitzende des norwegischen Transportverbands, Geir Mo, bewertete das Verhalten Teslas jedoch als "inakzeptabel": So habe Tesla, obwohl der erste Lkw am 8. März gestoppt worden war, die Transporte noch zwei Wochen weiterlaufen lassen und so das Leben vieler Menschen wissentlich in Gefahr gebracht.

Viele Auslieferungen im März

Im letzten Monat des Quartals liefert Tesla normalerweise die meisten Fahrzeuge aus: So wurden im Januar und Februar dieses Jahres in Norwegen etwas mehr als 300 neue Tesla ausgeliefert, im März dagegen bereits knapp tausend.

Die große Zahl an Auslieferungen ist laut Tesla auch die Ursache der Probleme. Normalerweise verschiffen die Kalifornier ihre Autos ins norwegische Drammen, von dort geht es per Lkw weiter. Momentan gibt es dort jedoch keine freien Lastwagen für den Weitertransport, Tesla bringt seine Autos deshalb zuerst ins schwedische Göteborg, von dort geht es dann per Lkw weiter nach Norwegen. Die aus Göteborg kommenden Lkw fielen jedoch durch die Kontrollen der norwegischen Beamten, Tesla war anscheinend nicht in der Lage, kurzfristig sichere Autotransporter zu finden.

Musk ordnet gedrosselte Lieferungen an

Tesla-Chef Elon Musk ordnete mittlerweile an, die Lieferungen nach Norwegen zu drosseln, da die Logistik vor Ort nicht schritthalten könne.

Der norwegische Transportverband widersprach jedoch Musks Version von der überforderten Logistik: Es gebe kein Kapazitätsproblem in Drammen, so würden die Spediteure vor Ort regelmäßig deutlich größere Lieferungen anderer Hersteller problemlos abwickeln. Schuld am Chaos sei Tesla, da das Unternehmen die tatsächliche Anzahl gelieferter Fahrzeuge nicht in den Verträgen festgelegt habe und nun kurzfristig keine Lkw frei seien.

Um die Auslieferungen der Autos in Göteborg trotzdem vornehmen zu können, sollen nun norwegische Beamte als Berater nach Schweden reisen und dort bereits im Hafen die Sicherheit der verwendeten Lkw prüfen. Die Bedeutung des norwegischen Markts scheint diesen Aufwand für Tesla zu rechtfertigen, nirgendwo sonst verkaufen die Kalifornier pro Kopf mehr Autos, gleichzeitig ist das Land nach den USA und China der drittgrößte Markt des Herstellers.

ene

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insgesamt 19 Beiträge
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53er 26.03.2018
1. Kaufpreis des Tesla X Modell 100 D
in Nowegen umgerechnet 80.000 Euro, Kaufpreis eines identischen Fahrzeugs in Deutschland 110.000 Euro. Und das bei norwegischem Lohnniveau! Noch Fragen?
JiggiZiggi 26.03.2018
2.
Volkswagen und BMW verkaufen in Norwegen deutlich mehr Elektroautos als Tesla. Diese Firmen scheinen keine Probleme bei der Fahrzeugauslieferung zu haben. Denke auch, dass dies ein Tesla Problem ist. "Laut Zahlen, die das Blog "EV Sales" zusammengetragen hat, liefert Volkswagen aktuell 23 Prozent des norwegischen E-Auto-Marktes, BMW steht mit 16 Prozent auf Rang 2. Tesla (11 Prozent) konkurriere mit Mercedes (10 Prozent) um Rang 3. Mit seit Januar 5699 Einheiten das Lieblings-E-Auto der Norweger: Volkswagens e-Golf." http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/elektroautos-in-norwegen-wo-volkswagen-tesla-die-ruecklichter-zeigt-a-1177253.html
this.charming.man 26.03.2018
3. Ja. ich hätte schon noch eine Frage:
Zitat von 53erin Nowegen umgerechnet 80.000 Euro, Kaufpreis eines identischen Fahrzeugs in Deutschland 110.000 Euro. Und das bei norwegischem Lohnniveau! Noch Fragen?
Was hat Ihr Beitrag mit dem Artikel zu tun?
sinsin 26.03.2018
4. Tesla
Ja, aber das liegt daran, daß auf konventionelle Fahrzeuge in Norwegen 100 Prozent des Kaufpreises an Zulassungssteuer(!) fällig werden, die bei E-Fahrzeugen komlett erlassen werden. Das heißt, der Kauf ist steuerlich massiv subventioniert, zumindest bis genügend Fahrzeuge zugelassen sind, dann wird diese Regelung zurückgefahren werden
aurichter 26.03.2018
5. Was spricht denn dagegen,
wenn in Norwegen von Tesla freie Stellplätze angemietet werden? Sollte doch wohl wesentlich günstiger sein, als über den Umweg Schweden die Fahrzeuge zu verteilen. Vor Ort könnten die Spediteure dann die Auslieferungen abarbeiten und Stellplätze sollten die Spediteure auch wohl benennen können. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Zu Not könnte man sogar Eisenbahnwaggons zum Autotransport als Ausweichmöglichkeit hernehmen und diese nach Bestelldatum bestücken. Dahingehend scheinen die Norweger auch sehr unflexibel zu sein.
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