Von Michael Kröger
Zuerst war es nur die Idee mit den Laptop-Zellen, dann folgte der Plan für ein neues, ganz eigenes Auto. Und jetzt stellt Tesla die Welt des Automobilbaus noch einmal auf den Kopf. Denn just in der Phase der Entwicklung, in der die etablierten Autobauer ihre Pforten hermetisch verschließen, luden die Kalifornier Interessenten und Journalisten ein, um einen Blick auf das noch unfertige Produkt zu werfen: die Tesla Limousine namens Model S.
Ende März hatten die Besucher die Gelegenheit, die ersten Prototypen zu begutachten und mit den Entwicklern zu fachsimpeln, was denn noch hier oder dort noch verbessert werden könnte. Natürlich hatte der Tag der offenen Tür einen eigennützigen Hintergedanken: Es galt, die Vorfreude zu steigern und womöglich schon die ersten verbindlichen Bestellungen einzusammeln.
Aber auch für Anregungen hatte das Team von Entwicklungschef Peter Rawlinson ein offenes Ohr. Der jetzt vorgestellte Model S weist jedenfalls durchaus sichtbare Veränderungen gegenüber dem 2009 vorgestellten Prototypen auf. Die Karosserie wirkt erkennbar straffer und definierter in der Form. Schärfere Kanten setzen Akzente, geänderte Scheinwerfer geben der Front ein ernsteres Antlitz. Der etwas vergrößerte Kühlergrill erhielt einen dickeren Chromzierring und steht nun steiler im Wind. Die Fließheck-Limousine rangiert stilistisch irgendwo zwischen Maserati Quattroporte, Porsche Panamera und Audi A7.
Alles in allem ließen die jetzt veröffentlichten Bilder bereits das Auto erkennen, dass 2012 in Produktion gehe, erklärt Tesla-Sprecherin Sarah Zimmermann. Möglicherweise gebe es noch die eine oder andere Änderung im Detail, etwa um das Strömungsverhalten des Autos zu optimieren, fügte sie hinzu. Die Veränderungen dürften aber nur minimal sein.
Qualität steht im Vordergrund
Die Karosserie ist komplett aus Aluminium gefertigt, um das Mehrgewicht der Lithium-Ionen-Akkus zu kompensieren, die im Wagenboden untergebracht sind. Je nach eigenen Bedürfnissen sollen die Kunden zwischen unterschiedlichen Leistungsstufen wählen können. Dabei geht es weniger um Beschleunigungsvermögen und Höchstgeschwindigkeit als vielmehr um die Reichweite: Es gibt Pakete für 255, 370 oder 480 Kilometer und wohl auch ein Schnellladesystem, mit dem man binnen 45 Minuten volltanken kann.
Den Sprint auf Tempo 100 soll der Model S in weniger als sechs Sekunden absolvieren und maximal 200 km/h laufen. Wer die Leistung offensiv abruft, dürfte aber auch mit dem dicksten Batteriepack kaum 480 Kilometer weit kommen.
Rawlinsons Team ist mit den ersten Prototypen des Model S bereits seit Monaten unterwegs, denn diesmal ist der Druck viel größer. Mit dem Roadster stand man noch praktisch allein auf weiter Flur. Doch wenn die Tesla-Limousine auf dem Markt kommt, wird sie auf ernstzunehmende Konkurrenten treffen. Und selbst die etablierten Hersteller können dann zumindest mit Hybridantrieb und elektrischem Kurzstreckenbetrieb aufwarten. Der E-Modus verliert deshalb zusehends an Exklusivität und Tesla muss auch mit konventionellen Qualitäten punkten.
Derzeit noch hat Tesla bei den Kunden offensichtlich reichlich Kredit. Obwohl die Produktion erst 2012 anläuft, sollen bereits mehr als 3000 Kunden ein Fahrzeug bestellt haben. Der Preis in den USA beträgt umgerechnet rund 39.300 Euro für die Version mit der kleinsten Batterie. In Europa müssen Interessenten mit mindestens 60.000 Euro rechnen.
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