Tesla Model S: Erlkönig frei Haus

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Die Tesla-Limousine nimmt allmählich konkrete Formen an. In einem Workshop mit Interessenten nahmen die Entwickler Anregungen auf - und schärften das Profil der Karosserie noch ein wenig nach. Bis zum Serienanlauf dürften sich jetzt nur noch wenige Details ändern.

Tesla Model S: Geschärft in die letzte Testrunde Fotos
manager magazin

Zuerst war es nur die Idee mit den Laptop-Zellen, dann folgte der Plan für ein neues, ganz eigenes Auto. Und jetzt stellt Tesla die Welt des Automobilbaus noch einmal auf den Kopf. Denn just in der Phase der Entwicklung, in der die etablierten Autobauer ihre Pforten hermetisch verschließen, luden die Kalifornier Interessenten und Journalisten ein, um einen Blick auf das noch unfertige Produkt zu werfen: die Tesla Limousine namens Model S.

Ende März hatten die Besucher die Gelegenheit, die ersten Prototypen zu begutachten und mit den Entwicklern zu fachsimpeln, was denn noch hier oder dort noch verbessert werden könnte. Natürlich hatte der Tag der offenen Tür einen eigennützigen Hintergedanken: Es galt, die Vorfreude zu steigern und womöglich schon die ersten verbindlichen Bestellungen einzusammeln.

Aber auch für Anregungen hatte das Team von Entwicklungschef Peter Rawlinson ein offenes Ohr. Der jetzt vorgestellte Model S weist jedenfalls durchaus sichtbare Veränderungen gegenüber dem 2009 vorgestellten Prototypen auf. Die Karosserie wirkt erkennbar straffer und definierter in der Form. Schärfere Kanten setzen Akzente, geänderte Scheinwerfer geben der Front ein ernsteres Antlitz. Der etwas vergrößerte Kühlergrill erhielt einen dickeren Chromzierring und steht nun steiler im Wind. Die Fließheck-Limousine rangiert stilistisch irgendwo zwischen Maserati Quattroporte, Porsche Panamera und Audi A7.

Alles in allem ließen die jetzt veröffentlichten Bilder bereits das Auto erkennen, dass 2012 in Produktion gehe, erklärt Tesla-Sprecherin Sarah Zimmermann. Möglicherweise gebe es noch die eine oder andere Änderung im Detail, etwa um das Strömungsverhalten des Autos zu optimieren, fügte sie hinzu. Die Veränderungen dürften aber nur minimal sein.

Qualität steht im Vordergrund

Die Karosserie ist komplett aus Aluminium gefertigt, um das Mehrgewicht der Lithium-Ionen-Akkus zu kompensieren, die im Wagenboden untergebracht sind. Je nach eigenen Bedürfnissen sollen die Kunden zwischen unterschiedlichen Leistungsstufen wählen können. Dabei geht es weniger um Beschleunigungsvermögen und Höchstgeschwindigkeit als vielmehr um die Reichweite: Es gibt Pakete für 255, 370 oder 480 Kilometer und wohl auch ein Schnellladesystem, mit dem man binnen 45 Minuten volltanken kann.

Den Sprint auf Tempo 100 soll der Model S in weniger als sechs Sekunden absolvieren und maximal 200 km/h laufen. Wer die Leistung offensiv abruft, dürfte aber auch mit dem dicksten Batteriepack kaum 480 Kilometer weit kommen.

Rawlinsons Team ist mit den ersten Prototypen des Model S bereits seit Monaten unterwegs, denn diesmal ist der Druck viel größer. Mit dem Roadster stand man noch praktisch allein auf weiter Flur. Doch wenn die Tesla-Limousine auf dem Markt kommt, wird sie auf ernstzunehmende Konkurrenten treffen. Und selbst die etablierten Hersteller können dann zumindest mit Hybridantrieb und elektrischem Kurzstreckenbetrieb aufwarten. Der E-Modus verliert deshalb zusehends an Exklusivität und Tesla muss auch mit konventionellen Qualitäten punkten.

Derzeit noch hat Tesla bei den Kunden offensichtlich reichlich Kredit. Obwohl die Produktion erst 2012 anläuft, sollen bereits mehr als 3000 Kunden ein Fahrzeug bestellt haben. Der Preis in den USA beträgt umgerechnet rund 39.300 Euro für die Version mit der kleinsten Batterie. In Europa müssen Interessenten mit mindestens 60.000 Euro rechnen.

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Alternative?
r-le 10.06.2011
Also schick sieht er ja wirklich aus. Erinnert mich aber nicht an Audi, wie im Artikel beschrieben, sondern eher an Jaguar. Wirkt ausserdem viel eleganter und leichtfüßiger als Audi. Aber etwas muss ich doch nochmal richtig stellen. Wieder diese Aussage, reines Elektroauto und nicht "nur" Hybrid wie BMW und Mercedes. Nochmal. Solange der Strom für die Elektroautos von den Kohlenkraftwerken, AKWs, etc. kommt (ca. 50-60% CO2 Anteil in D), ist die Pseudo-Ökodiskussion sinnlos, weil nicht komplett durchgedacht. Normale moderne Verbrennungsmotoren oder Hybride haben dann oft eine deutlich bessere Ökobilanz. Aber das traut sich ja keiner mehr zu sagen. P.C. sei Dank. Aber eine nette Abwechslung ist der Wagen trotzdem.
2. .
Traumflug 10.06.2011
Zitat von sysopDie Tesla-Limousine nimmt allmählich konkrete Formen an. In einem Workshop mit Interessenten nahmen die Entwickler Anregungen auf - und schärften das Profil der Karosserie noch ein wenig nach. Bis zum Serienanlauf dürften sich jetzt nur noch wenige Details ändern.
Die bei Tesla haben verstanden, wie die moderne Welt funktioniert. Weiter so! Nur der hohe Preisunterschied Europa USA erscheint mir ein wenig schräg. Doch das ist ja erst mal eine Schätzung des Spiegel-Redakteurs. Mal sehen, was da wirklich draus wird.
3. Preisunterschiede
erlachma 10.06.2011
Zitat von TraumflugNur der hohe Preisunterschied Europa USA erscheint mir ein wenig schräg. Doch das ist ja erst mal eine Schätzung des Spiegel-Redakteurs. Mal sehen, was da wirklich draus wird.
Ich fürchte aber, so wird es kommen. Andere Autos in den USA sind auch deutlich unter dem deutschen Preis zu bekommen. Ein Ford Mustang beispielsweise kostet dort neu 23.100 Dollar, also (mit dt. MwSt.) umgerechnet 18900 Euro. Günstigster Preis in Deutschland: 29.600 Euro, also rund 50% mehr. Bei anderen Modellen ist der Preisunterschied ähnlich. BMW 528i: 45000$ (inkl. MwSt. ca. 36900€). In Deutschland: 45600€. Wir in Deutschland lassen es halt mit uns machen. Das BIP/Kopf in den USA ist höher als hier, d.h. eigentlich wären dort auch höhere Preise zu erwarten.
4. ...
Charles Atane 10.06.2011
Zitat von erlachma... Ein Ford Mustang beispielsweise kostet dort neu 23.100 Dollar, also (mit dt. MwSt.) umgerechnet 18900 Euro. Günstigster Preis in Deutschland: 29.600 Euro, also rund 50% mehr. ... Wir in Deutschland lassen es halt mit uns machen. ...
Das ist das gleiche wie beim Benzinpreis. Was sich gut verkauft, muss nicht billiger werden. Und was die Firma/ der Steuerzahler zahlt, verkauft sich gut - Stichwort "Dienstwagenprivileg", 2/3 der in D verkauften Neuwagen sind nämlich steuerzahlersubventionierte Dienst-/ Geschäftswagen.
5. Desinformationen...
realist01 10.06.2011
Zitat von r-leAber etwas muss ich doch nochmal richtig stellen. Wieder diese Aussage, reines Elektroauto und nicht "nur" Hybrid wie BMW und Mercedes. Nochmal. Solange der Strom für die Elektroautos von den Kohlenkraftwerken, AKWs, etc. kommt (ca. 50-60% CO2 Anteil in D), ist die Pseudo-Ökodiskussion sinnlos, weil nicht komplett durchgedacht. Normale moderne Verbrennungsmotoren oder Hybride haben dann oft eine deutlich bessere Ökobilanz. Aber das traut sich ja keiner mehr zu sagen.
Können Sie Ihre Aussagen auch irgendwie belegen? Durch Zahlen, Rechnungen oder ähnliches? Aber bitte dann belegbar und nachvollziehbar... z.B. lokal Elektroauto vs. lokal Verbrenner; bzw. "gesamter Weg Elektroauto" vs. "gesamter Weg Verbrenner"... Bei dem lokal ist alles easy: 0 Ausstöße Elektroauto vs viele Schadstoffe und ca. 150-250 g CO2 pro km Verbrenner Und jetzt bitte Ihre Rechnung. Der CO2-Ausstoß ist für 1 kWh ab Steckdose bei dem deutschen Strommix HEUTE ca. 563 g pro 1 kWh. Tendenz fallend, und wird laut der Bundesregierung trotz dem Atomaustiegs bis 2020 kräftig fallen: http://www.umweltbundesamt.de/energie/archiv/co2-strommix.pdf Rechnen Sie doch nach.
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Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
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Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
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Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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