Tesla Model X: Strom unter den Flügeln

Aus Los Angeles berichtet

Tesla Model X: Elektroauto für die Großfamilie Fotos
REUTERS

Das Auto soll geräumig wie ein Minivan sein, beschleunigen wie ein Porsche - und das mit einem Elektromotor. Tesla-Chef Elon Musk hat das neue Modell X vorgestellt. Der Flügeltürer soll auch die letzten Zweifler vom Stromantrieb überzeugen. Es könnte sogar klappen.

Rund um den Flughafen von Hawthorn geht gerade nichts mehr. Nur im Schritttempo quälen sich die Autos um das Areal im Süden von Los Angeles. Das ist normal in der Millionen-Metropole, doch dieser Stau ist anders. Während sonst in den USA immer noch viele V6- und V8-Motoren bollern, hört man hier vor allem das ungewohnte Surren Dutzender Elektromotoren. Fast jedes zweite Auto im Gewühl ist nämlich ein Tesla Roadster.

Das Ziel der E-Auto-Fahrer ist das Designcenter der Marke Tesla Motors. Dort, in einem ehemaligen Hangar, gibt Firmenchef Elon Musk an diesem Freitag den Startschuss für die nächste Attacke auf den Verbrennungsmotor. "Wenn sich nicht bald etwas ändert, sind wir alle im Eimer", ruft er seinen Fans entgegen.

Musks Strategie klingt logisch. "Wenn das Elektroauto den Durchbruch schaffen soll, muss es nicht gleich gut, sondern besser sein als alles Bisherige", sagt er. Dann zieht er das Tuch vom neuen Modell X. Es ist ein Luxusliner der Fünf-Meter-Klasse, eindrucksvoll, wuchtig, selbstbewusst. "Der bietet Platz wie ein Minivan, sieht aus wie ein SUV und fährt wie ein Sportwagen", beteuert der Chef. Das Publikum jubelt. Es ist ein bisschen so wie früher, als Steve Jobs seinen Anhängern ein neues i-sonstwas vorstellte.

Grundsätzlich ist eine halbwegs sportlich gestylte Familienkutsche ja nichts Neues. Doch wenn die Motoren kaum größer sind als eine Getränkekiste und die Akkus als flaches Sandwich im Wagenboden untergebracht sind, wird es interessant. Dann reicht der Platz zum Beispiel für eine dritte Sitzreihe. Und er reicht für je einen Kofferraum vorn und hinten. Bei Tesla heißt das Gepäckabteil im Heck klassisch "Trunk", das im Fond nennen sie "Frunk". Allein in den Frunk, behauptet Musk, passe mehr Gepäck als in einen Audi Q7.

Eine Mischung aus Maserati und BMW

Solange das Auto verschlossen auf der Bühne steht, sind einige Tesla-Fans allerdings doch noch etwas skeptisch. An die Form des Wagens, mit einer Schnauze nach Art des Maserati Quattroporte und einem Heck wie beim BMW 5er GT müssen sie sich erst gewöhnen. Doch als Musk die Türen öffnet, ist das Eis gebrochen. Beifall brandet auf. Wie bei einem Mercedes SLS öffnen sich die Fondtüren wie Flügel. "Falconwing-Doors", wie sie sich Chefdesigner Franz von Holzhausen für das Model X hat einfallen lassen, hat man bislang noch nie an einem Familienauto gesehen.

Als Musk lässig auf die dritte Sitzreihe flutschen möchte, muss er sich aber gehörig verbiegen. Trotzdem lächelt er tapfer in die Kameras und sagt: "Noch nie war Einsteigen so einfach." Dann lässt er sich doch lieber in der zweiten Sitzreihe nieder.

Als die Gäste ins Auto dürfen, ist der Fahrerplatz am begehrtesten. Man sitzt hier so bequem und luftig wie in einer Mercedes S-Klasse und blickt in ein Cockpit, das jeden Computerfreak neidisch macht. Die voll animierten Instrumente sehen besser aus als Fernsehen in HD und der riesige Tochscreen auf der Mittelkonsole strahlt brillanter als ein iPad. "Niemand will in einem Auto für viele tausend Dollar auf Qualitäten verzichten, die Computer und Telefone für wenige Hundert Dollar bieten", sagt Musk.

Starthilfe von Toyota und Mercedes

Ganz neu ist diese schöne neue Infotainment-Welt für die Tesla-Gemeinde allerdings nicht. Sie stammt, wie auch der Antrieb des neuen Autos, aus dem Modell S, das ab Juni in den Handel kommt. Im Falle des Model X jedoch werden - auf Kundenwunsch und gegen Aufpreis - beide Achsen mit Elektromotoren bestückt. Dann wird aus dem Elektroauto ein Allradler. Zu den E-Maschinen wird an diesem Abend noch nichts Näheres mitgeteilt.

Musk gibt nur eine Information preis: "Das Model X schafft den Sprint von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden und hängt damit auch den Porsche 911 ab." Wie beim Model S dürfte allerdings auch bei diesem Auto bei 200 km/h Schluss sein. Zur Reichweite ist nur zu hören, dass es zwei unterschiedlich große Batteriepakete geben soll, wobei das Größere Strom für gut 400 Kilometer speichern kann.

War der Tesla Roadster noch ein elektrifizierter Lotus, sind die Limousine S und das Model X eigene Entwicklungen, die sich eine gemeinsame Plattform teilen. Allerdings gebe es prominente Geburtshelfer, räumt Musk ein. Tesla hat seinen Partnern und Teilhabern Daimler und Toyota bei der Elektrifizierung von Smart, A-Klasse und RAV-4 geholfen. Im Gegenzug haben die großen Autohersteller den Newcomern bei der Entwicklung seiner Autos unter die Arme gegriffen, berichtet Musk.

Von Toyota übernahm Tesla für eine handvoll Dollar auch die Fabrik in Kalifornien, in denen die neuen Modelle gebaut werden sollen. Dort laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Serienproduktion des Modell S. Bis auch das Modell X dort vom Band läuft, werden allerdings noch fast zwei Jahre vergehen. Die Fangemeinde scheint das nicht zu stören. Im Gegenteil: Kaum war die Enthüllungsshow vorbei, unterschrieb mancher Premierengast schon eine Vorbestellung.

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insgesamt 91 Beiträge
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1. Ein neuer Ansatz und stylisch schön. Das wird gut klappen
mitbestimmender wähler 10.02.2012
Da scheint ja die gleiche Design Truppe oder DesignKonzern den Auftrag zur Gestaltung bekommen zu haben wie bei Citroen DS5 "Front" und Jaguar XF "Heck" ...... Wetten das Alles zu gekauft wurde. Ist ja auch Nichts falsch daran sich auf die Technik zu konzentrieren und die Stärken auszubauen, war ja auch beim Tesla Sportwagen so, Top Tesla Technik und KnowHow, Design von Lotus/Proton und Produktion bei Lotus.......... Machen ja Apple und Andere auch. Ist wohl der Weg um in Zukunft erfolgreich zu sein, da werden Tesla; Qoros, Fisker und einige Asiaten die Zukunft der Autoindustrie Neu formen und erobern.
2. Der Untertitel ist lächerlich
zack34 10.02.2012
Zitat von sysopTESLADas Auto soll geräumig wie ein Minivan sein, beschleunigen wie ein Porsche - und das mit einem Elektromotor. Tesla-Chef Elon Musk hat das neue Modell X vorgestellt. Der Flügeltürer soll auch die letzten Zweifler vom Stromantrieb überzeugen. Es könnte sogar klappen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,814576,00.html
Na freilich, wie soll es denn sonst sein?! Ein jeder E-Motor stellt vom Start an sein volles Drehmoment z.Vfg. und beschleunigt somit GENERELL besser als ein vergleichbarer Verbrenner.
3. Manchmal ist Milch wirklich angebrachter als Bourbon..:-))
Emil Peisker 10.02.2012
Zitat von sysopTESLADas Auto soll geräumig wie ein Minivan sein, beschleunigen wie ein Porsche - und das mit einem Elektromotor. Tesla-Chef Elon Musk hat das neue Modell X vorgestellt. Der Flügeltürer soll auch die letzten Zweifler vom Stromantrieb überzeugen. Es könnte sogar klappen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,814576,00.html
Der Autor des Artikels hat definitiv Orientierungsprobleme. Obwohl die Photos klar erkennen lassen, wo sich die Vordertüren und die Hinteren befinden, Beifall brandet auf. Wie bei einem Mercedes SLS öffnen sich die Vordertüren wie Flügel. "Falconwing-Doors", wie sie sich Chefdesigner Franz von Holzhausen für das Model X hat einfallen lassen, hat man bislang noch nie an einem Familienauto gesehen. beharrt er darauf, dass die vorderen Türen Flügeltüren sind. Manchmal ist Milch wirklich angebrachter als Bourbon..:-))
4. Die Flügeltüren
zack34 10.02.2012
sehen spektakulär aus, sind aber aus einem ganz bestimmten Grund mittig am Dach aufgehangen: öffnet so ein Tür, so schwenkt sie falls Scharniere weiter außen angebracht... dermaßen stark aus, dass dies vor allem im Stadtverkehr regelrecht zu einer Gefahr werden kann. Aber (...) dann gibt es wg. der Kinematik keine Probleme mit den Dichtungen, d.h. mit dem Schließvorgang selbst. Bei dieser Flügeltür wird die Türdichtung im Seitenbereich generell stark auf Scherung beansprucht, was zu vielfältigen Problemen hinführt. Da der Kunde die Tür nur in seiner Mitte betätigt, so müssen die angebrachten Gasfeder ab einem bestimmten Öffnungswinkel eine enorme Kraft entfalten, um so einer Tür beim Schließen wie auch Öffnen helfen zu können. Diese enormen Kräfte werden in eine bereits geschwächte Dachstruktur eingeleitet. Und letztendlich führt eine derartige Schwächung der Dachstruktur (in der Mitte bleibt nur ein - hoffentlich geschlossenes Dachholm-Profil übrig) zu einer höheren Verwindung, d.h. die ntsprechende Steifigkeit leidet darunter, was gerade beim Öffnen der Tür zu deutlich sichtbarer Nachgiebigkeit des Dach-Holms führt. Aber es sieht allemal cool aus.
5. Wenn man die Luxus-Klientel zufriedenstellt...
mr future 10.02.2012
Zitat von sysopTESLADas Auto soll geräumig wie ein Minivan sein, beschleunigen wie ein Porsche - und das mit einem Elektromotor. Tesla-Chef Elon Musk hat das neue Modell X vorgestellt. Der Flügeltürer soll auch die letzten Zweifler vom Stromantrieb überzeugen. Es könnte sogar klappen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,814576,00.html
dann sollte der E-Transport für Otto-Normalverbraucher ja ein Klacks sein. Nur leider wurden wir vom gepflegten Nimbus Auto emotional nicht in Richtung des vernünftigen Transportes sondern des Statussymboles konditioniert. So ist es gut und auch bezeichnend, dass diese gehobene E-Limosine nicht von den Autogiganten kommt, die bisher meinten Vorsprung und Expertise gepachtet zu haben. Ausserdem ist Tesla wohl noch sauber, was die mafiösen Verpflechtungen von Öl und Auto angeht. re future
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Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
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Frankreich
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Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

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Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
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