Tesla Model Y im Check Hasta la vista, Audi?

Das Model Y soll Tesla endgültig zum Massenhersteller machen. In seinem Segment gibt es jedoch bereits elektrische Konkurrenz. Wie schlägt sich das neue SUV gegen die Etablierten?

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Die Stars kommen immer zuletzt - diese Party-Weisheit gilt anscheinend auch für das Model Y. Denn Teslas neues SUV bricht mit einer Serie des US-Herstellers: immer der Erste zu sein. So machte der Tesla Roadster die E-Mobilität salonfähig, das Model S brachte den Elektroantrieb in die Oberklasse, das Model X wiederholte diesen Schritt für das obere SUV-Segment. Und mit dem Model 3 gab es - wenn auch mit einiger Verspätung - erstmals ein sportliches E-Auto mit ordentlicher Reichweite für vergleichsweise wenig Geld.

Das Model Y soll Tesla nun endgültig zum Massenhersteller machen. Firmenchef Elon Musk ist überzeugt, mehr Fahrzeuge verkaufen zu können als von den drei bisherigen Modellen S, X und 3 zusammen. Dabei stößt Musk jedoch auf ein ungewohntes Hindernis. Denn im Segment der mittelgroßen SUV tummeln sich bereits mehrere Elektro-Konkurrenten etablierter Hersteller. Wie schlägt sich das auf dem Model 3 basierende SUV gegen diese Konkurrenz? Ein Schnellcheck.

Der Preis: Nicht günstig - aber billiger als Audi und Co.

Das Model Y startet bei 39.000 US-Dollar, ist in der Basisversion allerdings noch nicht bestellbar. Die Long-Range-Variante mit erhöhter Reichweite ist in Deutschland für 55.000 Euro zu haben. Noch teurer sind das Allradmodell für 59.000 beziehungsweise die Performance-Variante für 67.000 Euro. Zu diesen Preisen hat auch die Konkurrenz vergleichbare Autos im Angebot: Volvo bietet, ebenfalls ab kommendem Jahr, den Polestar2 an. Der Grundpreis liegt hier bei 39.900 Euro. Bereits erhältlich sind die beiden Elektro-Crossover Hyundai Kona Elektro und Kia e-Niro für 39.000 beziehungsweise 38.000 Euro.

Preislich gibt es bei Tesla also nicht mehr Elektro-SUV fürs Geld als bei der etablierten Konkurrenz - den deutschen Herstellern sind die Kalifornier jedoch voraus. Das Elektro-SUV Mercedes EQC und der Audi E-Tron kosten, wie auch der Jaguar i-Pace, über 70.000 Euro.

Die Reichweite: Andere schaffen mehr fürs Geld

Bis zu 540 Kilometer Reichweite verspricht Musk für das Model Y mit erhöhter Reichweite, das Einstiegsmodell soll rund 370 Kilometer schaffen. Das klingt zwar beeindruckend - ähnlich teure Konkurrenten kommen jedoch weiter. So schafft der Hyundai Kona Elektro stolze 482 Kilometer. Und auch sein Konzernbruder, der Kia e-Niro, bietet deutlich mehr Reichweite als die Standardvariante des Model Y: Er kommt auf 455 Kilometer.

Gegen die Long-Range- oder auch die Performance-Variante des Model Y hat die Premiumkonkurrenz dagegen das Nachsehen. Ihre SUV sind nicht nur teurer, sondern müssen auch deutlich früher an die Ladesäule. So liegt die Reichweite des Audi E-tron bei 417 Kilometern, die des Mercedes EQC bei 450 Kilometern. Am besten schlägt sich der Jaguar i-Pace mit bis zu 480 Kilometern - der mit rund 78.000 Euro allerdings preislich oberhalb des Model Y liegt.

Wer viel Reichweite für vergleichsweise kleines Geld sucht, sollte sich also eher bei anderen Herstellern umsehen.

Beschleunigung: Die Konkurrenz im Rückspiegel

Ein Midsize-SUV mit Sportwagen-Feeling versprach Elon Musk bei der Präsentation des Model Y. Dafür soll vor allem eine brachiale Beschleunigung sorgen, Tesla nennt für den Sprint von null auf 96 km/h Werte von 5,9 Sekunden in der Basisversion bis hin zu 3,5 Sekunden für die Performance-Variante.

Ein Rennen gegen ihre direkte Konkurrenz gewinnen die Varianten des Model Y damit ohne Probleme. Das Basismodell lässt die Schwestermodelle Hyundai Kona und Kia e-Niro um rund 1,5 Sekunden hinter sich, das Performance-Modell hängt seine Gegner noch deutlicher ab. Denn sowohl der Jaguar i-Pace (4,8 Sekunden), als auch der Mercedes EQC (5,1 Sekunden) und der Audi E-Tron (5,7 Sekunden) brauchen für den Sprint auf 100 km/h viel länger. Bei den Beschleunigungswerten führt also, wie so oft, kein Weg an Tesla vorbei.

Sitzplätze: Sieben Freunde müsst ihr sein

Ein Midsize-SUV muss vor allem eines sein - praktisch. Das Model Y bietet deshalb eine dritte Sitzreihe, die vor allem für sogenannte Soccer-Dads und Soccer-Moms wichtig ist: Eltern aus US-Vorstädten, die ihre Kinder, aber auch deren Freunde zu Fußballspielen kutschieren und deshalb auf die dritte Sitzreihe angewiesen sind. Genau die bietet das Model Y, das als praktische Alternative zum sportlichen Model 3 positioniert ist.

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Model Y: Das ist Teslas neues SUV

Und in dieser Kategorie ist das Model Y beinahe konkurrenzlos. Denn das einzige Elektro-SUV, das ebenfalls den Ausflug mitsamt Kindern und Großeltern in einem Wagen ermöglicht, kommt ebenfalls von Tesla: das Model X.

Stauraum: Beinahe konkurrenzlos

Eine erhöhte Sitzposition und mehr Platz als eine gleich lange Limousine - diese beiden Faktoren sprechen für ein SUV. Und auch das Model Y kann in dieser Kategorie punkten. Inklusive "Frunk", also dem Stauraum unter der vorderen Haube, fasst der neue Tesla bei umgelegter Rückbank stolze 1840,6 Liter.

Damit lässt er seine etablierten Konkurrenten weit hinter sich - egal, in welcher Preisklasse. So fassen Hyundai Kona und Kia e-Niro maximal 1114 beziehungsweise 1405 Liter. Und sogar der Audi E-Tron muss sich dem Tesla knapp geschlagen geben: Er fasst maximal 1725 Liter.

Lieferzeit: Wer Y fahren will, muss warten können

Wie auch schon beim Model 3 wird Tesla zunächst die hochpreisigen Varianten mit mehr Reichweite und höherer Leistung an den Start bringen. Die sollen ab Herbst 2020 ausgeliefert werden, die Einstiegsvariante dagegen erst im Frühjahr 2021. Die günstigen Konkurrenten von Kia und Hyundai sind dagegen bereits erhältlich.

Bei den teureren Versionen sieht es anders aus, denn der Mercedes EQC ist für die Jahre 2019 und 2020 bereits ausverkauft - und auch bei Audi übersteigt die Nachfrage die Produktionszahlen des E-Tron. Tesla dürfte also vor allem für die Premiumhersteller zu einem noch härteren Konkurrenten werden.

Fazit: Stress für deutsche Premiumhersteller

Insgesamt kann das Model Y die Konkurrenz vor allem in einem Punkt in Schach halten: bei den markentypischen, sportlichen Leistungsdaten. Die Basisvariante hat mit den E-Modellen von Hyundai und Kia jedoch starke Konkurrenten, die mehr Reichweite bei einem ähnlichen Preis bieten - und bereits heute bestellbar sind. Hier kann das Model Y jedoch mit mehr Stauraum und einer dritten Sitzreihe punkten.

Für die Modelle der deutschen Premiumhersteller könnte das Model Y zum echten Problem werden. Denn es bietet in den teureren Varianten eine höhere Reichweite, bessere Leistungsdaten und mehr Nutzwert - bei einem geringeren Einstiegspreis.

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Tesla Model Y: Das sind die Konkurrenten des neuen SUV

Entscheidend könnte am Ende der "iPhone-Faktor" des neuen Tesla sein. So hat die Marke nicht nur ein besonders starkes Image, auch das Design der Modelle ist ein wichtiger Kauffaktor, der gewisse Nachteile aufwiegen kann. Inwiefern das auch für das vergleichsweise gedrungene Model Y gilt, dem die schlichte Eleganz des Model S, aber auch die spektakulären Flügeltüren des Model X fehlen, muss sich erst noch zeigen. Und auch hier erwächst Tesla ein neuer Konkurrent: Der skandinavisch-schlicht gezeichnete Polestar2 könnte Käufer mit Attributen überzeugen, die bisher Tesla vorbehalten waren: schlicht, futuristisch - und abseits des Mainstream.

Zusammengefasst: Tesla bringt mit dem Model Y erstmals ein Auto auf den Markt, in dessen Segment es bereits elektrische Konkurrenten gibt. Etablierte Hersteller setzten von Anfang an auf das SUV als Elektroauto. Die Modelle von Kia und Hyundai verfügen bei einem ähnlichen Preis über mehr Reichweite als die Basisversion des Model Y. Das Model Y bietet dagegen mehr Stauraum, eine dritte Sitzreihe und bessere Leistungsdaten. Vor allem für deutsche Oberklassehersteller dürften die Premiumvarianten des Model Y zu einer harten Konkurrenz werden, da es mehr Leistung und einen besseren Nutzwert bei einem günstigeren Einstiegspreis bietet.

insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
kalim.karemi 15.03.2019
1. gähn
nicht dass Audi der Vorreiter der Elektromobilität wäre, sie bekommen die Autos die in Serie gehen aber wenigstens auf die Stasse. Nicht in homeopatischen Dosen wie Tesla.
amadeus1860 15.03.2019
2. Falsche Info
Ein Teil des Artikels ist falsch: Die Reichweite des E-Tron ist laut WLTP-Zyklus 417 Kilometer, die des EQC nach NEFZ 450 Kilometer. Somit sind die Zahlen nicht 1:1 vergleichbar. Die Reichweite des E-Tron nach NEFZ wäre höher und die des EQC nach WLTP deutlich niedriger. Bitte dies zu korrigieren.
Laemat 15.03.2019
3. wieso
Werden Autos eigentlich immer nach Sprintstärke gemessen? Wen interessiert ob ich in 3, 5 oder 9 Sekunden auf 100 km/h bin?
Speedwing 15.03.2019
4. 0 auf 96 bzw. 100...solo wichtig?
Um dann, wenn überhaupt an der nächsten Ampel wieder nebeneinander zu stehen? Ach ja, dann hat man wieder viel rekuperiert beim Bremsen, ich vergaß ansonsten erhöht sich diese Zeit durch den Nutzer, wenn ich sehe, wieviele bei Ampelgelb noch eine Gedenkminute einlegen oder ne Mail zu Ende lesen. Da sollte man die Prioritäten woanders setzen, nämlich Reichweite. Für Ottonormalo preislich sowieso alles indiskutabel, da muss noch eine Menge Wasser den Berg runterfließen
zeichenkette 15.03.2019
5.
Zitat von LaematWerden Autos eigentlich immer nach Sprintstärke gemessen? Wen interessiert ob ich in 3, 5 oder 9 Sekunden auf 100 km/h bin?
Leute, die sich für 40.000 Euro ein Auto kaufen, scheint das zu interessieren. Und wenn man es nicht benutzt, frißt die Leistung ja erstmal kein Brot. Aber wenn man sie braucht, ist sie halt da. Die Hersteller wissen da schon, was sie tun, ein schlapperes Auto für ein paar Euro weniger würde sich nicht besser verkaufen, sondern schlechter. Man muss das nicht selber so sehen, aber das ändert nichts daran, dass das im Markt nunmal so ist.
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