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Handel mit CO2-Zertifikaten: Tesla poliert Dreckschleudern auf

Tesla Model S: E-Mobil wiegt Spritsäufer auf Zur Großansicht
Tesla

Tesla Model S: E-Mobil wiegt Spritsäufer auf

Tesla macht in der Schweiz ein lukratives Zusatzgeschäft: Der Elektroautobauer hilft anderen Herstellern, ihre CO2-Richtlinien einzuhalten - indem er Zertifikate versteigert. Für ein paar Tausend Euro können Spritsäufer so reingewaschen werden.

Noch fährt Tesla mit seinen Elektroautos Verluste ein. Da kommen den Kaliforniern zusätzliche Einnahmequellen gerade recht. Eine hat Tesla in der Schweiz gefunden: Dort gelten CO2-Emissionsvorschriften für neu zugelassene Autos, ähnlich wie in der EU. Bis zum Jahr 2015 dürfen die Fahrzeugflotten der Hersteller durchschnittlich nur noch 130 Gramm pro Kilometer verursachen. Wer darüberliegt, zahlt Strafen - oder kauft CO2-Zertifikate von Tesla.

Der Deal läuft so: Jedes Gramm CO2, das über der Zielvorgabe von 130 Gramm liegt, wird in der Schweiz besteuert. Sind die ersten drei Gramm noch vergleichsweise günstig, kostet vom vierten Gramm an jedes weitere rund 117 Euro (142,50 Franken). Bei einer leistungsstarken Limousine mit 242 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer würden beispielsweise etwa 12.900 Euro Bußgeld anfallen. Die Strafsteuer entfällt aber, wenn der Spritsäufer mit einem Tesla Model S kombiniert wird - denn das Elektroauto wird mit null Emissionen aufgelistet. Dann stoßen beide Autos zusammen nämlich 242 Gramm aus, pro Wagen demnach nur 121 Gramm.

Der Meistbietende erhält den Zuschlag

Die Zertifikate versteigert Tesla in der Schweiz höchstbietend, nennt aber keine Summen. Die Zeitung "Tages-Anzeiger" berichtet von Preisen von etwa 3300 Euro. Für die Hersteller, die sich damit reinwaschen, lohnt sich das Geschäft - weil die Zertifikate billiger sind als die Strafsteuer. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen in der Schweiz lag im vergangenen Jahr bei 145 Gramm. Entsprechende Strafen beliefen sich auf insgesamt rund 4,2 Millionen Euro (5,1 Millionen Franken).

"Das ist eine gängige Praxis", sagt Thomas Puls, Verkehr- und Umweltexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, zu dem Deal. Im Grunde funktioniert der Ausgleich wie das System mit den Supercredits: Die Hersteller dürfen E-Mobile oder Hybridautos mit einem höheren Faktor auf ihre Fahrzeugflotte anrechnen und können so ihre durchschnittliche CO2-Bilanz verbessern.

Gut für Tesla, aber auch gut für die Umwelt?

"Wir haben das in der Vergangenheit gemacht, wir machen es im Moment und werden das auch zukünftig so handhaben", bestätigt eine Tesla-Sprecherin das Vorgehen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Kritik, dass ein umweltbewusster Tesla-Käufer mit seinem Auto letztlich herkömmliche Spritschleudern decke, teile Tesla nicht. "So fließen die Einnahmen aus den Strafzöllen nicht etwa in den Straßenbau in der Schweiz, sondern kommen eben uns zugute."

Bis Ende Juni hat Tesla in der Schweiz knapp 300 Autos abgesetzt. Zu den Interessenten der CO2-Zertifikate gehört unter anderem der koreanische Autobauer Hyundai, wie ein Sprecher gegenüber dem "Tages-Anzeiger" bestätigte. Der Handel mit CO2-Papieren in der Schweiz erfolgt nach einem vergleichbaren Prinzip wie der Emissionshandel von Unternehmen in der EU.

Ob Tesla seine Zertifikate auch in der EU an andere Hersteller verkauft, konnte die Sprecherin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht beantworten.

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insgesamt 39 Beiträge
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1.
Jochen Binikowski 14.08.2014
Solange der Strom für die Teslas aus konventionellen Kraftwerken kommt sollte der entsprechende CO2 Ausstoß mitberechnet werden. Vermutlich müsste Tesla dann selber Zertifikate zukaufen. Aber vieleicht kann ja mal ein Experte erklären wo genau wieviel CO2 durch den schweizer Tesla-Deal eingespart wird.
2. wer
ambulans 14.08.2014
Tesla und Musk sein geld anvertraut, ist selbst daran schuld - der vorgänger damals hieß DeLorean; erinnert sich noch jemand an den und seine pleite?
3. Unklar
wexelweler 14.08.2014
Die berühmte Geschichte über den CO2 Ausstoss bei der Herstellung eines Elektrofahrzeugs bzw. bei der Stromerzeugung nervt gewaltig. Bei der CO2 Abgabe geht es um eine Abgabe für den Betrieb des Fahrzeugs. Die Herstellung eines jeden Fahrzeugs erzeugt CO2, die Herstellung von Kraftstoff übrigens auch. Nur in den Herstellerländern der Fahrzeuge und des Kraftstoffs kann eine CO2 Abgabe erhoben werden. Wer das dann allerdings zahlen will und soll ist eine ganz andere Geschichte. Übrigens, wer sein Auto selbst in die Schweiz importiert zahlt die volle CO2 Abgabe, was mehrere € 1000.-- betragen kann, während der Importeur seine Kosten stark reduzieren kann. Es wurde auch schon der Verdacht geäussert, dass es sich bei dieser Abgabe um eine Schutzabgabe für die Importeure handelt.
4. Tesla vs. De Lorean . . .
petzipex 14.08.2014
Zitat von ambulansTesla und Musk sein geld anvertraut, ist selbst daran schuld - der vorgänger damals hieß DeLorean; erinnert sich noch jemand an den und seine pleite?
So, so, Teslas Vorgänger was also De Lorean! Aber vielleicht bekommt man das Model S ja auch bald mit einem Fluxkompensator!? Yeah ;-)
5. das ist ja schön
oesi_in_de 14.08.2014
etablierten Herstellern wird vorgeworfen Elektro und Hybrid nur zu machen um den Flottenverbrauch zu beschönigen. Tesla macht das jetzt zum Geschäftsmodell. jetzt mag man das Modell s immer noch für ein innovatives Fahrzeug halten - nachdem ich ihn mir auf der IAA ausführlich zu Gemüte geführt haben bin ich persönlich anderer Meinung - aber mit Umweltschutz und trallala braucht keiner mehr kommen. die eigenen 0 g CO2 zu verkaufen ist exakt, was die anderen Hersteller tun. und dann kaufen sich auch noch die tollen sparsamen Kleinwagen (Hyundai) frei - jetzt ihr lieben umweltengel schreit aber leider über den Heiland musk.
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