Notfallübung am Elektrowagen  Feuerwehr knackt auch Carbon-Autos

Autos werden komplizierter, stärker und schwerer. Bei einem Unfall kann das den Rettern Kopfschmerzen bereiten. Doch was, wenn auch noch ein Elektro-Antrieb und neue Werkstoffe hinzukommen? Der ADAC probte an einem BMW i3 den Ernstfall - mit überraschendem Ergebnis.

DPA

Wenn es hart auf hart kommt, ist auch ein neuer BMW i3 nur ein Haufen Schrott, durch den sich Retter zum eingeklemmten Fahrer kämpfen müssen. Im Notfall muss die Feuerwehr die Karosse mit schwerem Gerät aufschneiden. Doch bei Elektroautos wie dem i3 warten auf die Helfer noch ganz andere Probleme.

Wo sitzt die Batterie, wo sind die Kabel? Dann ist das Auto zu einem großen Teil auch noch aus Carbon und nicht aus Metall - für Feuerwehren werden die Rettungseinsätze komplizierter. Deswegen hat der ADAC getestet, ob auch bei solchen Autos die bisherigen Methoden funktionieren.

Im Technikzentrum des Autoclubs in Landsberg am Lech durften sich Feuerwehrleute an einem i3 versuchen. Den schweren hydraulischen Schneidwerkzeugen hatte auch der moderne, leichte und harte Werkstoff Carbon nichts entgegenzusetzen. Doch anders als Metall zerbröselte das Material, mit Masken mussten sich die Helfer vor dem feinen Staub schützen. Am Ende gab es Entwarnung: Die bisher gebräuchlichen Rettungswerkzeuge und Methoden funktionieren auch bei Elektroautos und neuen Karosseriebauteilen.

Eine Rettungskarte an Bord hilft den Helfern

"Wichtig ist die Erkenntnis, dass auch bei diesen Fahrzeugen die Rettung mit den bisher vorhandenen Techniken möglich ist", sagt der Chef der ADAC-Unfallforschung, Thomas Unger. Das läge auch daran, dass Industrie und Feuerwehr sich mittlerweile enger austauschten. Trotzdem wird das Retten schwieriger.

Denn ob Elektroautos, schwere Geländewagen, Gastanks oder neue Werkstoffe: Die Vielfalt auf den Straßen wächst, zudem wird das Innenleben der Wagen stetig umfangreicher. Ohne eine sogenannte Rettungskarte im Auto kann es heikel werden, etwa dort, wo sich Gasgeneratoren für die vielen Airbags befinden. "Dort sollte man mit schwerem Schneidgerät besser nicht ansetzen", sagt Albert Kreutmayr von der Augsburger Feuerwehr. Dabei kommt es im Notfall auf jede Minute an. Hektik und vorschnelles Handeln können angesichts der komplexen Technik in vielen Autos Patient und Helfer gefährden.

Hersteller müssen das bereits bei der Entwicklung beachten. Das gilt vor allem dann, wenn die Autos aufgeschnitten werden müssen. Bei Neuwagen ist die Rettungskarte in der Regel ab Werk an Bord, für ältere Fahrzeuge lässt sie sich meist im Internet herunterladen und ausdrucken. Die Initiative für den Einsatz dieser Rettungspläne geht auf den ADAC zurück. Für Feuerwehrleute wie für den Patienten können die Infos auf den Datenblättern eine Lebensversicherung sein.

Bei E-Autos muss schnell die große Batterie abgeschaltet werden

Bei Elektroautos ist beispielsweise entscheidend, dass bei einem Unfall schnell die große Batterie mit dem Hochvolt-System abgeschaltet wird. Bei manchen Modellen, etwa von Toyota, passiere das automatisch, wenn der Airbag ausgelöst wird, sagt ein Toyota-Sprecher. In Landsberg hat die Rettungskarte den Helfern verraten, wo sich das Hochvolt-System abschalten ließ. Und wohl vor allem deshalb schafften sie es, den Fahrer innerhalb von 20 Minuten zu retten. Das ist der Korridor, der den Rettern idealerweise bleibt.

Doch noch nicht alle Autofahrer haben die Karten an Bord - und längst nicht allen Autos sieht man ihre Besonderheiten so schnell an wie dem BMW i3. Auch hier habe die Frage nach Rettungsszenarien schon bei der Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt, sagt Verena Stewens von BMW. Frühzeitig seien Helfer der Feuerwehr eingeladen worden, um zu prüfen, ob die bisherigen Rettungstechniken auch bei neuen Fahrzeugen noch funktionieren. Für die Hersteller ist das doppelt wichtig, denn Kunden reagieren sensibel auf Berichte über Sicherheitsmängel.

Doch auch die Retter werden durch die vielen Neuerungen verunsichert, sagt Kreutmayr von der Augsburger Feuerwehr. Fehlt dann eine Rettungskarte, müssen sich die Feuerwehrleute anders helfen und etwa nachsehen, ob es einen Tankdeckel gibt, vielleicht Benzin ausläuft oder ein Aufkleber auf einen Erdgasantrieb hinweist. Doch das alles kostet Zeit. Zeit, die die Retter eigentlich nicht haben.

Sebastian Raabe und Max-Morten Borgmann für dpa, mhu

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vantast64 13.08.2014
1. Der Öffentliche Nahverkehr ist immer noch am sichersten,
Bequemlichkeit hat eben ihren Preis, den oft auch die Retter mitbezahlen müssen. Aber die Leute wollen es nicht anders...
stammtischhistoriker 13.08.2014
2. Batterie abklemmen?
Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass bei BMW schon vor über 10 Jahren die Batterie über einen Squib (eine kleine Zündladung) im Falle eines Unfalls abgetrennt wurde. Ich würde mich sehr wundern, wenn bei Elektrofahrzeuge nicht genauso verfahren und das Kabel einfach "abgesprengt" wird.
hdudeck 13.08.2014
3. Und ich erinnere mich, das vor 15 Jahren
auf einer Fordbildung der Feuerwehr gerade BMW negativ auffiel, da die Energiequelle (Zuendausloeser) fuer den Airbag noch 15 Minuten nach dem Abklemmen der Batterie scharf war und den Airbag ausloesen konnte. Hoffe, das sich das heute geaendert hat.
bernd.stromberg 13.08.2014
4.
Zitat von hdudeckauf einer Fordbildung der Feuerwehr gerade BMW negativ auffiel, da die Energiequelle (Zuendausloeser) fuer den Airbag noch 15 Minuten nach dem Abklemmen der Batterie scharf war und den Airbag ausloesen konnte. Hoffe, das sich das heute geaendert hat.
Das galt für alle Modelle oder für ein bestimmtes Modell? Weil Sie pauschal "BMW" schreiben, und das IMHO absoluter Quatsch ist. Grund ist, dass der 7er der E38 Version bereits ab Anfang/Mitte der 90er (also vor 20-25 Jahren) ein tolles Feature bot, bei dem zur Erhöhung der Sicherheit bei einem schweren Unfall nach Auslösung der Airbags auch die Kabel der Batteriepole mit einer kleinen Sprengladung abgesprengt wurden, gerade um sicherzustellen, dass keine Stromquelle mehr existiert die zu einer Gefahr für Insassen und/oder Retter führen könnte. Das galt meine ich auch für andere Modelle. Das würde Ihrer Argumentation widersprechen. Mag sein dass die kleineren Modelle von BMW dieses Feature nicht hatten, und diese ein Problem darstellten beim Unfall. Dann stellt sich aber die Frage warum man pauschal von BMW sprecht, und nicht von bestimmten Baureihen?!
anhaza 13.08.2014
5. @bernd.stromberg
Haben Sie den Kommentar von hdudeck zu schnell gelesen? Er schrieb, dass auch nach dem abklemmen der Batterie der Zündauslöser des Airbags noch scharf war. Also selbst wenn die Kabel der Batterie entfernt, egal ob abgeschraubt oder abgesprengt, waren hatte der Airbag noch Saft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.