Auf dem Weg zum autonomen Fahren Guckst du!

Verkehrsschilder per Kamera erkennen - das aufpreispflichtige Assistenzsystem bieten viele Hersteller an. Leider zeigt ein Test jetzt, dass die digitalen Helferlein nicht so zuverlässig sind, wie man es sich wünschen würde.

Tempolimit und Blitzerwarnung: Assistenzsysteme sollen Fahrer an Schilder erinnern
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Tempolimit und Blitzerwarnung: Assistenzsysteme sollen Fahrer an Schilder erinnern


Hamburg - Kurz das Radioprogramm gewechselt, ein Blick in den Rückspiegel - solche alltäglichen Situationen im Auto genügen, um ein Straßenschild zu verpassen. Handelt sich es um ein Tempolimit oder Verbotsschilder, kann die Unachtsamkeit schnell kostspielige Folgen haben.

Autohersteller bieten deswegen Assistenzsysteme zu automatischen Schildererkennung an: Kameras beobachten den Schilderwald, erkannte Signale werden auf der Instrumententafel eingeblendet, sodass der Fahrer jederzeit sehen kann, welches Verkehrszeichen gerade gilt.

Allerdings funktionieren diese Systeme noch nicht zuverlässig. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeitschrift "Auto Zeitung" in ihrer neuen Ausgabe (Heft 7/2015). Die Autoren testeten neun entsprechend ausgestattete Pkw-Modelle verschiedener Hersteller und Fahrzeugklassen. Das Ergebnis: Bei Nässe oder Dunkelheit konnten die Kamerasysteme oft keine Verkehrsschilder erkennen, verloren die Orientierung oder zeigten völlig falsche Tempolimits an.

Bereits alltägliche Situationen machen Probleme

In dem Praxisvergleich waren die Prüfer mehrere Tage mit den Testkandidaten auf Autobahnen, Landstraßen, im Stadtverkehr und auf einer abgesperrten Teststrecke unterwegs. Überprüft wurden die Fahrzeuge Audi TTS Coupé, BMW X5, Ford Focus, Mercedes C-Klasse, Opel Corsa, Porsche Cayenne, Range Rover Evoque, Volvo V40 Cross Country und VW Golf. Die Preise der Systeme variierten von 150 Euro (im Audi) bis 3511 Euro (im Mercedes).

Am besten schnitt die Verkehrszeichenerkennung von Volvo ab, die sich keine eklatanten Schwächen erlaubte. Die Systeme von Opel und BMW arbeiteten hingegen am unzuverlässigsten, so die Prüfer.

Der Test zeigte, dass viele alltägliche Situationen die Schilderwächter an ihre Grenzen bringen. So reagierten die Systeme beispielsweise unzureichend bei Gegenlicht. Außerdem wurden bodennahe Verkehrszeichen, die häufig als Warnung vor Tagesbaustellen zu finden sind, meist komplett ignoriert. Lediglich zwei der neun Systeme erkannten solche Schilder.

Die Tester der "Auto Zeitung" kommen deswegen zu dem Ergebnis, dass viele Systeme, für die die Hersteller Aufpreise verlangen, ihr Geld nicht wert seien. Verlassen sich Autofahrer darauf, könnten die Assistenzsysteme eine Gefahr für den Führerschein darstellten.

smh



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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
metastabil 11.03.2015
1.
Eine Verkehrszeichenerkennung kann ohnehin immer nur eine Hilfestellung für den Fahrer sein, da es einfach zu viele Unwägbarkeiten gibt. Ein an Sonn- und Feiertagen geltendes Tempolimit wäre am 6. Januar in Berlin beispielsweise nicht aktiv, in Bayern hingegen schon. Außerdem gibt es im Straßenverkehr auch eine gewisse Anzahl an impliziten Vorschriftsänderungen, z.B. dass ein Tempolimit nach Abbiegen in eine andere Straße auch ohne Schild aufgehoben ist, sofern es nicht durch ein Zonenschild angeordnet wurde.
ich2010 11.03.2015
2.
in meinem auto funktioniert das eigentlich ganz gut. auch bei dunkelheit oder regen. einzig nervig ist, wenn das assistenzsystem ab und an die geschwindigekeitaufkleber auf dem vorausfahrendem lkw liest und dann 60 oder 80 anzeigt. das passiert übrigens auch beim überholen auf der autobahn. ansonsten aber ganz nützlich.
mfeldtn 11.03.2015
3. Gps
Solche Sachen muß man per GPS lösen. Oft kennen die Navis auch jetzt schon die regulären Geschwindigkeitsbegrenzungen und auch deren Geltungsbeschränkungen. Schilder werden insofern eigentlich überhaupt *nur* für Ausnahmen gebraucht. Es kann aber eigentlich nicht so schwer sein, die vernünftig und einheitlich Machinenlesbar zu gestalten. Im Zweifelssfalle braucht es halt ein genormtes Zusatzschild mit 'nem Strich- oder Semphorcode drauf. Hat mit den Preisschildern ja auch geklappt...
karlsiegfried 11.03.2015
4. Die Menschen werden immer blöder
Wer die Verkehrsschilder nicht mehr wahrnehmen kann oder will, sollte seinen Führerschein abgeben. Punkt.
caligus 11.03.2015
5. Wie wäre es denn ...
... wenn die Geschwindigkeitsbegrenzungen gleich verbindlich in die Navigationssysteme der Autos übernommen würde ... dann könnte man sich auf lange Zeit sehr viel Geld bei den Schilder sparen.
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