Testlauf Nordrhein-Westfalen lässt Mega-Lkw auf die Straße

Die Riesen-Brummis erobern immer mehr Straßen: Lkw von mehr als 25 Metern Länge dürfen jetzt testweise auch durch Nordrhein-Westfalen fahren. In Niedersachsen war ein ähnlicher Versuch auf heftige Kritik gestoßen.


Düsseldorf - Sattelzugmaschine, Sattelauflieger und zusätzlicher Anhänger: Bis zu 25 Meter lang sind die "Gigaliner", die ab dieser Woche von einer Spedition auf der Strecke Mönchengladbach - Peine - Osnabrück getestet werden dürfen. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) teilte mit, dass voraussichtlich im Januar 2007 weitere Genehmigungen für überlange Laster folgen werden.

25 Meter langer "Gigaliner": Jetzt rollen die Mega-Lkw auch durch NRW
DPA

25 Meter langer "Gigaliner": Jetzt rollen die Mega-Lkw auch durch NRW

Er erhoffe sich von dem auf ein Jahr angelegten Pilotprojekt Erkenntnisse über das Verhalten der Fahrzeuge im Straßenverkehr, sagte Wittke. Das zulässige Gesamtgewicht werde bei dem Versuch auf rund 40 Tonnen beschränkt. Die als "Monstertrucks" bezeichneten Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen würden hingegen nicht zugelassen. Der Modellversuch werde wissenschaftlich von TÜV Rheinland und TÜV Nord begleitet.

Kritiker der Riesen-Laster, die fast neun Meter länger sind als herkömmliche Fernlaster, rechnen mit schwierigeren Überholmanövern auf Autobahnen und Problemen beim Rangieren in Innenstädten. Auch die zahlreichen älteren Brücken in Deutschland könnten dem höheren Gewicht möglicherweise auf Dauer nicht Stand halten. Dass die Lastwagen helfen könnten, Sprit zu sparen, bezweifelt der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV). Das sei nur bei voller Auslastung möglich.

Billigerer Transport – wieder mehr Lkw auf den Straßen?

In Niedersachsen läuft bereits seit Juli ein Projekt mit überlangen Lkw. Landesverkehrsminister Walter Hirche hatte die Zulassung damit begründet, die größeren Ladevolumina der Lkw könnten Entlastungen im Güterverkehr bringen sowie Kosten senken.

Widerspruch kam aus der Speditionsbranche selbst: "Das Hauptargument für diese Gigaliner, eine Reduzierung der Fahrten auf den Fernverkehrsstraßen, trifft nicht zu", sagte der Geschäftsführer des Güterverkehrsunternehmens Kombiverkehr, Armin Riedl. Kombiverkehr ist ein Zusammenschluss von Speditionen. Eine Studie über die Gigaliner habe ergeben, dass im Gegenteil wieder mehr Güter auf dem Straßenweg transportiert würden, da der Transport 20 bis 25 Prozent billiger sei als mit herkömmlichen Lkw.

Auch das Bundesverkehrsministerium meldete Bedenken an und versuchte im September, die Testreihe in Niedersachsen zu stoppen. Die Risiken für die Verkehrssicherheit seien noch nicht ausreichend geklärt, unklar seien auch die Auswirkungen der bis zu 40 Tonnen schweren Fahrzeuge auf Straßen, Brücken und Innenstädte. Niedersachsens Verkehrsminister entgegnete, es handle sich nicht um eine generelle Zulassung der Mega-Lkw sondern um Ausnahmen. Der Versuch läuft wie geplant weiter.

Bisher bestehen Lkw in der Regel aus einer Sattelzugmaschine und einem Sattelauflieger und dürfen nach EU-Vorschriften höchstens 16,50 Meter lang sein. Bei Lkw mit Anhängern ist bisher eine Länge von 18,75 Meter erlaubt.

smv/ddp/dpa/Reuters



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