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20. Februar 2012, 14:28 Uhr

Teures Tanken

Benzinpreis in Deutschland auf Rekordhoch

Wer dieser Tage an die Tankstelle fährt, sollte besser nicht auf die Preistafel gucken. Benzin kostet so viel wie nie zuvor. Auch Diesel hat sich massiv verteuert. Schuld sind der Konflikt mit dem Ölstaat Iran und der schwache Euro. Schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.

Hamburg - Es sind harte Zeiten für Autofahrer: Erst wurde Dieselkraftstoff wegen der extrem niedrigen Temperaturen der vergangenen Wochen vielerorts unbrauchbar, die Fahrzeuge sprangen nicht mehr an. Nun wird es zwar wärmer, doch von Entspannung kann keine Rede sein. Für neuen Ärger sorgen die Spritkosten. "Am Wochenende erreichte der durchschnittliche Preis für E10-Kraftstoff ein neues Rekordhoch", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel auf Anfrage. Im Bundesdurchschnitt kostete der Liter E10 laut dem Automobilclub am Sonntag demnach rund 1,62 Euro.

Die Höchstmarke hatte nicht lange Bestand. Bereits am Montag meldete der Marktführer Aral einen durchschnittlichen Preis von 1,64 Euro pro Liter für die Spritsorte E10. Benzin mit einem Anteil von nur fünf Prozent Bioethanol, gemeinhin als Super bekannt, lag demnach sogar bei 1,67 Euro. Ein Aral-Sprecher erklärte die hohen Preise mit gestiegenen Beschaffungskosten für die Tankstellenbetreiber. Am Montagmorgen war der Rohölpreis auf den höchsten Stand seit neun Monaten geklettert. Diesel kostete über 1,53 Euro und lag damit nur knapp unter dem bisherigen Höchststand von 1,55 Euro aus dem Sommer 2008.

Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) macht vor allem der schwache Euro-Kurs den europäischen Rohölimporteuren zu schaffen. Nach Angaben des Portals finanzen.net muss man aktuell für ein Barrel (rund 159 Liter) der Sorte Brent 91,27 Euro zahlen. Im Oktober 2009 lag der Preis noch bei knapp 45 Euro. Das Problem: Der Preis für ein Barrel Rohöl wird immer in US-Dollar berechnet. Solange der Euro also weiter unter Druck steht und im Vergleich zum Dollar schwächelt, sieht es wohl auch künftig schlecht aus an den Tankstellen.

Politische Lagen als Preistreiber

Ein weiterer Grund für den Rekord ist laut MWV der Atomkonflikt in Iran. Das Land will die Öllieferungen nach Frankreich und Großbritannien einstellen. Für Unsicherheit sorgt auch Israels Haltung im Konflikt. Angeblich plane das Land einen Angriff auf den ölreichen Iran, weil Teheran den Bau von Atomwaffen anstreben soll.

Zwar ist Europa von diesem Konflikt nur indirekt betroffen, weil es einen Großteil seiner Rohöllieferungen aus anderen Staaten bezieht. Doch die unsichere Lage macht die Märkte nervös - und diese Nervosität schlägt sich auf die Preise nieder. In London wurde die für Europa wichtigste Sorte Brent am Montag 1,52 Dollar höher mit 121,10 Dollar pro Barrel gehandelt, ehe der Preis wieder leicht nachgab.

Spezielle Auswirkungen für Deutschland hat außerdem die Lage in Nigeria. Seit langem leidet das Land unter Terroranschlägen der Islamisten, die ihre Basis im Norden des bevölkerungsreichsten Staates in Afrika haben. Durch den Konflikt sind auch Auswirkungen auf den Ölexport zu befürchten - Deutschland bezieht immerhin sechs Prozent seiner Rohölimporte aus Nigeria.

Zusätzlich ist der Winter für den Spritrekord mitverantwortlich. Weil wegen der Kälte die Nachfrage nach Heizöl besonders hoch war, hat das auch zu steigenden Preisen an der Tankstelle geführt. Zwar ist es jetzt deutlich wärmer als in den vergangenen Wochen, doch ob das zu einer Entspannung führen wird, ist fraglich. Zu schwerwiegend sind die Faktoren Wirtschaft und Politik.

rom/dapd

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