Eklat nach "Top Gear"-Dreh Donuts beim Denkmal

Bei Dreharbeiten der britischen Autosendung "Top Gear" ist ein Hollywoodstar zusammen mit Rallyefahrer Ken Block mitten durch London gerast. Der Stunt sorgt jetzt für Ärger.

imago/ ZUMA Press

Vor einem Jahr trennte sich die BBC von dem Moderatorenteam um Jeremy Clarkson und gab die Autosendung "Top Gear" in neue Hände. Die größte Befürchtung der Fans war damals, dass "Top Gear" an Unterhaltungswert verliert. Dies ist nicht der Fall: Die Show beherrscht weiterhin regelmäßig die Schlagzeilen. Allerdings nicht so, wie die BBC sich das wohl wünscht.

Der jüngste Eklat um die Vollgasshow ereignete sich am Wochenende in London.

In der britischen Hauptstadt waren Teile der Innenstadt wegen Dreharbeiten gesperrt: Einer der neuen "Top Gear"-Co-Moderatoren, der Hollywoodschauspieler Matt LeBlanc ("Friends"), ließ sich von Rallyefahrer und Gymkhana-Legende Ken Block in dessen 850 PS starkem Ford Mustang durch die Gegend chauffieren.

Wie bei Block üblich, blieben dabei einige Spuren sogenannter Donuts auf der Straße zurück - schwarze Reifenabdrücke in Kreisform. Block und LeBlanc waren unter anderem auf der Tower Bridge, vor der St.-Pauls-Kathedrale, beim Buckingham Palace und unweit des berühmten Kriegsdenkmals The Cenotaph im Regierungsviertel unterwegs. Dass letztere Station als Kulisse für die Dreharbeiten genutzt wurde, hat nun ein Nachspiel.

Der ehemaliger Armeeoffizier Richard Kemp bezeichnete den Vorgang in einer BBC-Radiosendung als "unerhörte Respektlosigkeit". Das Kriegsdenkmal erinnere an den Einsatz von "Millionen von Menschen, die weit mehr für ihr Land geleistet haben," als die "Top Gear"-Macher "es je tun werden".

Moderator von "Top Gear" entschuldigt sich öffentlich

Am Montag folgte prompt die Entschuldigung von dem Hauptmoderator von "Top Gear", Chris Evans: Er bat in seiner eigenen BBC-Radioshow für die Stunts um Verzeihung und äußerte Verständnis an der Kritik: Die Bilder von dem Auto mit qualmenden Reifen vor dem Cenotaph seien in der Tat "total respektlos". Evans versprach, dass das Material nicht in der "Top Gear"-Sendung auftauchen werde.

Damit dürfte die Sache aber noch nicht ausgestanden sein: Bei ihrer Vollgasfahrt durch London wurden LeBlanc und Block nämlich von Beamten des Scotland Yard eskortiert, mehrere Straßenzüge waren während der Dreharbeiten für den Verkehr gesperrt.

Der Mustang wurde von der Polizei durch London eskoriert
imago/ ZUMA Press

Der Mustang wurde von der Polizei durch London eskoriert

Wer diesen Aufwand abgesegnet habe, sagte das britische Parlamentsmitglied Andrew Bridgen dem Boulevardblatt "Daily Mail" sinngemäß, müsse für seine Entscheidung nun sein Karriereende in Kauf nehmen. Der konservative Politiker zeigte sich enttäuscht darüber, dass die BBC sich an ein Publikum wende, das sich "von Donuts um ein Denkmal herum" begeistern lasse.

Selbst der britische Finanzminister George Osborne äußerte sich zu dem Vorfall - wenn auch nicht so verärgert wie Bridgen. Osborne hatte sich bereits während der Dreharbeiten zum City-Ausflug von LeBlanc und Block über Twitter an Chris Evans gewandt: Er versuche hier gerade den Haushalt aufzustellen, schrieb der Finanzminister, werde dabei aber von der "Top Gear"-Crew abgehalten, die auf dem Horseguards Parade eine Riesenkrach veranstalte. Horseguards Parade ist ein Paradeplatz in der Nähe des Regierungssitzes.

Chris Evans dürfte dieser kleine Scherz kaum aufheitern: Die Episode um die Cenotaph-Donuts ist nicht das erste Mal, dass er sich öffentlich erklären muss. Vor zwei Monaten tauchten Fotos auf, auf denen zu sehen ist, wie Evans sich am Rande einer Rennstrecke übergibt. Bei den "Top Gear" -Dreharbeiten war ihm auf dem Beifahrerplatz eines Audi R8 offenbar übel geworden.

Immerhin das blieb Matt LeBlanc bei seiner Fahrt mit Ken Block erspart. Außer den Donuts ließen sie auf den Straßen Londons nichts liegen.

Im Video: Ken Blocks letzter Drift im Block-Buster "Gymkhana8"

YouTube/Ford Performance

cst



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
peinbe 14.03.2016
1. J.C. hätte ...
... sich mit Sicherheit nicht entschuldigt. Im Gegenteil. Vermutlich hätte er die Politiker noch beschimpft und beleidigende Kommentare von sich gegeben;) Genau wegen diesem Verhalten haben ihn seine Fans u. a. geliebt und die Show so erfolgreich gemacht. Das neue Format dürfte wohl kaum über eine Serie heraus kommen. Abgesehen davon ist die Zeit solcher Vollgas-Shows auch langsam abgelaufen. Bis auf ein paar `Rückständige` dürfte dieser Unsinn in der heutigen Zeit wohl niemanden mehr wirklich interessieren.
Arrows 14.03.2016
2. Ken Block ist cool
Die Fahrten von Ken Block sind absolut sinnfrei, geschmacklos, umweltgefährdend, aber leider geil. Es ist schon eine Kunstform und die Kulisse wirkt surreal, da in der Regel die Stadt menschenleer dargestellt wird, als wenn niemand dort wohnt. Kein Kommentar, kein einziges Wort. Für mich künstlerisch anspruchsvoller als Ten to Eleven.
longboardmanu 14.03.2016
3. flop gear
und warum hat man dann jc gefeuert?? es givt leute die verstehen keinen spass
felisconcolor 14.03.2016
4. Ich hätte
den Tommies mehr Humor zugetraut. Ok das mit dem Denkmal.... kann man drüber streiten. Und jaaaa Donuts sind Scherze pubertärer oder postpubertärer Kfz-affiner Menschen über die der allgemeine Bürger sich fürchterlich aufregen kann und so überhaupt gar keinen Sinn drin sieht. Und von der Verschmutzung der Umwelt und Fahrrad fahren ist ja eh viel gesünder und stärkt Körper und Geist und lässt einen sich erheben über prähistorisch antiquierte Fortbewegungsmittel.
e-ding 14.03.2016
5. ...
Genial! Muss ich gucken!
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