Ausländische Experten auf der IAA: Wieder mal typisch deutsch
Wie blickt das Ausland eigentlich auf die sogenannte Autonation Deutschland? Das lässt sich nirgends besser erforschen als auf der IAA. Experten aus Indien, Frankreich und den USA sind erstaunt über die deutschen Hersteller - in jeder Hinsicht.
Klar, deutsche Autohersteller stehen für Luxus und Sportlichkeit. Dass sie auf der IAA in Frankfurt aber so richtig dick auftragen, hat Shrawan Raja nicht erwartet. "Wir wissen, dass der Automarkt in Europa seit Jahren in der Krise steckt", sagt der Chefredakteur der indischen Webseite "indianautosblog.com". "Aber die Hersteller treten hier auf, als herrsche Hochkonjunktur. Die müssen wirklich sehr optimistisch sein."
Der Experte aus Indien ist nicht der einzige Journalist, der über die wuchtigen Auftritte der Autobauer staunt. Auch sein Kollege Jean-Michel Setbon, freier Autojournalist aus dem südfranzösischen Mudaison, ist von den Messeständen von Audi, BMW und Mercedes beeindruckt. Schließlich füllen die Hersteller jeweils eine komplette Halle.
Trotz der gigantischen Ausmaße der IAA - die Messe erstreckt sich über eine Fläche von 230.000 Quadratmeter - kommen sich aber weder der Franzose noch die Inder verloren vor. "Die Organisation ist wirklich professionell", findet Setbon.
Auch Anjan Ravi, ebenfalls im Dienste von "indianautosblog.com", freut sich, dass auf die deutschen Klischee-Tugenden Verlass ist. "Dank der klaren Ordnung hatte ich nie das Gefühl, die Orientierung zu verlieren", sagt er.
Zudem sei das Arbeiten auf der Messe sehr viel einfacher als beispielsweise auf der größten Automesse in Indien, der Delhi Auto Show. "Da gibt es zwar auch Pressetage, doch das Publikum darf trotzdem in die Hallen. Es ist praktisch unmöglich, in dem Gedränge dann noch brauchbare Fotos zu machen. Auf der IAA ist das viel strikter geregelt."
Was wurde bloß aus BMW?
Das Thema Elektromobilität übrigens, das in Frankfurt einen breiten Raum auf den Messeständen einnimmt, sei in Indien bislang lediglich ein Randthema. Ravi sagt, die großen indischen Hersteller Tata Motors und Mahindra böten zwar E-Modelle an, doch in weiten Teilen des Landes sei noch nicht einmal die Stromversorgung gesichert. "Das macht das Gerede von Elektroautos natürlich ziemlich theoretisch."
Fragt man ausländische Journalisten nach ihren persönlichen Tops und Flops der IAA, herrscht trotz der unterschiedlichen Perspektiven viel Einstimmigkeit. Die SUV-Studie LF-NX des japanischen Herstellers Lexus fiel bei den meisten internationalen Besuchern durch. Auch beim US-Amerikaner Donald Buffamanti, Betreiber der Auto-Webseite "autospies.com".
Nur ein Auto fand er auf der Messe noch hässlicher als den Lexus: das Elektroauto BMW i3. "Das Design ist eine Schande für eine Firma, die früher mal ein paar der schönsten Autos überhaupt gebaut hat."
Hier stellen die Reporter aus dem Ausland weitere Tops und Flops der IAA vor.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- IAA-Blog: Barock'n'Roll bei Mercedes (10.09.2013)
- Plug-in-Hybride: Der Bastard wird salonfähig (16.09.2013)
- IAA-Blog: Im SUV-Rausch (11.09.2013)
- IAA-Blog: Der Opel Monza Concept, ein Auto aus einer anderen Welt (09.09.2013)
- IAA-Blog: BMW feiert die Serienversion des E-Sportlers i8 (10.09.2013)
- Themenseite: IAA 2013
für die Inhalte externer Internetseiten.

