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09. Januar 2013, 09:51 Uhr

Autogramm Toyota iQ Sport

Das Sportwägelchen

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Toyota hat genug brave Autos produziert, jetzt wollen die Japaner mehr Krawall machen. Also hat sich die Motorsportabteilung das Knirpsmodell iQ vorgeknöpft. Das Ergebnis: eine große Portion Fahrspaß. Das Vergnügen ist allerdings ziemlich exklusiv.

Der erste Eindruck: So sieht also ein Kleinstwagen aus, der in einen Kessel Tuning-Trank gefallen ist. Die Toyota Motorsport GmbH hat den iQ in eine Art Trainingsanzug gesteckt. Mit den breiten Reifen, der tiefer gelegten Karosserie und den zackigen Farbstreifen an den Flanken tut er nun so, als ob er mehr als nur Bonsai-Bäumchen ausreißen könne.

Das sagt der Hersteller: Mehr Sport wagen - das hat Toyota-Chef Akio Toyoda seinen Entwicklern und Ingenieuren aufgetragen. Der Unternehmenslenker möchte, dass sich die vernunftbetonte Firma endlich mal ein paar Emotionen erlaubt. Und zwar nicht nur mit klassischen Sportwagen wie dem neuen GT-86, sondern auch in den anderen Baureihen.

Da trifft es sich gut, dass die rund 250 Entwickler bei der Toyota Motorsport GmbH (TMG) in Köln seit dem Rückzug des Unternehmens aus der Formel 1 derzeit nicht komplett ausgelastet sind. "Jetzt kümmern wir uns um Projekte wie den iQ Sport und sind so etwas wie eine verlängerte Werkbank unserer Entwicklungszentren", sagt TMG-Manager Sebastian Janssen. Vor knapp zwei Jahren entstand bei der Motorsport GmbH erstmals die Idee, das Minimobil aufzumotzen. Nun ist ein Kleinserienauto daraus geworden.

Das ist uns aufgefallen: Was für einen Heidenspaß ein Kleinwagen machen kann, wenn man nur ein bisschen am Motor feilt. In der Theorie klingen ein Leistungszuwachs von 24 PS und 51 Nm mehr Drehmoment nach Kleinkram. Aber am Steuer fühlt es sich großartig an. Mit jetzt 122 PS und 174 Nm unter der Haube wird der knapp tausend Kilogramm schwere iQ zu einem Kugelblitzchen mit Sitzgelegenheit.

Beim Anlassen brüllt der Winzling so wütend auf, dass einem kurz der Schrecken in die Glieder fährt. Dann drückt man den ersten von sechs Gängen in die kurze Gasse, greift fest zum dick aufgepolsterte Lenkrad, lässt die Kupplung schnalzen - und schießt förmlich davon. Aus dem gemütlichen Kleinwagen wird durch die Kraftkur geradezu eine Rakete. Ruck, zuck, schnellt die Drehzahl über 5000 Touren, ehe die Nadel bei 6500 Touren dann in den roten Bereich gerät. Als Fahrer bleibt einem da die Spucke weg.

Nur mit Mühe bekommen die kleinen Räder die Kraft des Wagens ordentlich auf die Straße, wie wild flackert dabei die ESP-Leuchte. In flotten Kurven zerrt der Antrieb außerdem kräftig an der Lenkung. Doch auf Geraden wird der iQ zum Speedfreak unter den Autoknirpsen, und in der Stadt freut man sich sogar über rote Ampeln - weil man dann eine Gelegenheit zum Kavalierstart bekommt. Klar, das ist pubertär und überflüssig. Aber anders als in einem dicken Sportwagen erntet man dabei keine bösen Blicke. Dem Kleinen ist einfach schnell verziehen.

Das muss man wissen: Entwickelt wurde der iQ zwar bei TMG in Köln, doch verkauft wird das Auto in Deutschland vorerst nicht. "Unser Auftrag war eine Sonderserie für den japanischen Markt", sagt TMG-Manager Janssen. Dort wurden zunächst hundert Exemplare auf der Toyota-Website angeboten - und waren angeblich binnen drei Minuten verkauft. Und das, obwohl der Wagen in Japan fast doppelt so teuer ist wie das Serienmodell.

Das große Interesse macht den europäischen Toyota-Ablegern offenbar Mut. Vor allem in Deutschland, England und der Schweiz hoffen die Verantwortlichen darauf, dass die Zentrale noch einmal eine Kleinserie in Auftrag gibt. Die Version mit dem Standardmotor kostet hierzulande mit der besten Ausstattung gut 17.000 Euro. Da sollte es auf weitere 4000 bis 5000 Euro, die für das Sportmodell fällig würden, auch nicht mehr ankommen, hoffen die Vertriebsmanager. "Wenn wir grünes Licht bekommen, könnten wir in einem halben Jahr fertig sein", sagt Janssen.

Wie beim Serienmodell steckt auch im Motorraum des iQ Sport ein Vierzylinder-Benziner mit 1,33 Liter Hubraum - allerdings ist der jetzt mit einem Kompressor aufgerüstet. Begleitet vom typisch sägenden Sound holt der Verdichter aus dem in der Serienfassung 98 PS starken Benziner 25 Prozent mehr Leistung und ein entsprechend höheres Drehmoment. Das reicht für einen Sprint von null auf hundert in weniger als neun Sekunden und ein Spitzentempo von 190 km/h. Womöglich wäre noch mehr drin, gäbe es nicht aus Sicherheitsgründen eine elektronische Tempobegrenzung.

Das werden wir nicht vergessen: Das irritierte Gesicht eines Smart-Fahrers, als wir auf der Autobahn mit nahezu Höchstgeschwindigkeit an ihm vorbeigeschossen sind. So viel Vorsprung hatte der iQ vor dem kleinen Schwaben noch nie.

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