Toyota-Konzeptauto Me.We Innen hui, außen ... Styropor

Wie radikal man beim Autodesign umdenken muss, zeigt ein Konzeptauto, das Toyota und der französische Architekt und Designer Jean-Marie Massaud entwickelt haben. Der wandelbare Kleinwagen verzichtet auf vieles, was ein Auto angeblich haben muss - und überzeugt genau deshalb.

Von Jürgen Pander

Toyota

Was kommt dabei raus, wenn man fast alles weglässt, was Autos heute ausmacht? Ein Auto, das zukunftsfähig ist. Diesen Beweis hat Toyota jetzt in Zusammenarbeit mit dem französischen Architekten und Designer Jean-Marie Massaud geführt. Me.We heißt der schnörkellos geformte, überaus variable und unkonventionell konzipierte Kleinwagen, der aus der Kooperation hervorging. Übersetzt heißt das "ich.wir", was nach Toyota-Lesart ausdrücken soll, das Auto sei "perfekt für mich und gut für andere".

Wie immer, wenn es um experimentelle Autostudien geht, ist auch beim Me.We der konzeptionelle Überbau das Entscheidende. "Wir wollen ein Auto gegen die Krise erschaffen, ein Fahrzeug, das nützlich, intelligent und anpassungsfähig ist", sagt Massaud.

Der Mann, der sonst Möbel, Badarmaturen oder spektakuläre Gebäude entwirft, will eine bessere, lebenswertere Welt kreieren. "Es geht längst nicht mehr um quantitatives Wachstum, sondern um qualitatives. Und damit meine ich nicht den Einsatz von edlen und teuren Materialien, sondern eine Bereicherung des eigenen Lebens durch neuartige Dinge."

Bye, bye Statusdenken

Klingt gut, und sieht im Falle der Studie Me.We auch ziemlich gut aus. Und was daran ist wirklich neu? Im Prinzip nichts, und genau das ist der Witz. Toyota wollte nämlich keinen weiteren "Nette Idee aber das kann ja kein Mensch bezahlen"-Prototypen auf die Räder stellen, sondern ein cleveres Autokonzept mit längst vorhandenen, industriell reproduzierbaren Verfahren.

Der Me.We besteht also aus einem Aluminium-Rohrrahmen, auf dem Karosserieteile aus geschäumtem Polypropylen befestigt sind. Alle waagerechten Elemente - Boden, Haube, Dach - sind aus Bambusholz gefertigt. Fahrbereit wiegt das Auto lediglich 750 Kilogramm, und nur 14 Kilogramm davon entfallen auf die, übrigens komplett recycelbare, Karosserie.

Als Antrieb stehen vier Radnaben-Elektromotoren zur Verfügung, die Akkus sind im Fahrzeugboden platziert. Die Klimatisierung erfolgt über eine Wärmepumpe sowie über die Möglichkeit, rundum alle Fenster - auch die Windschutzscheibe - öffnen zu können. Darüber hinaus lässt sich der Wagen im Nu in eine Art Pick-up oder ein Cabrio verwandeln.

Weniger ist mehr

Worauf der Autozwerg verzichtet: Jegliches Sportlichkeitsgetue, verstellbares Fahrwerk, zig Elektromotörchen für Komfortschnickschnack, protziges Interieur und viele andere Dinge, die heute als automobile Selbstverständlichkeiten gelten, aber in Wahrheit einen Großteil der Spritsparbemühungen der Hersteller wieder zunichtemachen.

Neben der Plastikkarosserie ist diese Art des Verzichts natürlich der Hauptgrund für das geringe Gewicht, das wiederum die Effizienz des Elektroantriebs begünstigt. Daten zu Fahrleistungen, Motorkennzahlen oder gar die Reichweite gibt es für das Auto bislang noch nicht. Ein Toyota-Sprecher bestätigte lediglich, dass "das Auto fährt". Keine Auskunft gibt es momentan über die weiteren Pläne mit der kessen Karre, die wirkt wie ein Mini für das 21. Jahrhundert.

Ab 26. April wurde die Studie Me.We zunächst im Toyota-Flagshipstore an den Champs-Elysées in Paris ausgestellt. Was danach mit dem Auto passiert, ob es eventuell auf Tournee durch andere Städte geht oder auf Automobilmessen wie etwa der IAA im September in Frankfurt gezeigt wird, ist noch nicht entschieden.

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Seite 1
koulekafe 26.04.2013
1. Genial
Die Kiste is genial. Würde ich sofort kaufen. Da könnte man sich endlich mal wohlfühlen, in dem Auto. Und klein ist es auch noch. Und ein neuer Kotflügel kostet 30E oder so.
Nachtheinigte 26.04.2013
2. Studie von Toyota
Zitat von koulekafeDie Kiste is genial. Würde ich sofort kaufen. Da könnte man sich endlich mal wohlfühlen, in dem Auto. Und klein ist es auch noch. Und ein neuer Kotflügel kostet 30E oder so.
Was die Japaner machen, auch in Studien, ist sowieso Mist, nur die deutschen Autos sind die Besten, das ist immer die Quintessenz in allen deutschen Medien.
si-ar 26.04.2013
3.
Zitat von koulekafeDie Kiste is genial. Würde ich sofort kaufen. Da könnte man sich endlich mal wohlfühlen, in dem Auto. Und klein ist es auch noch. Und ein neuer Kotflügel kostet 30E oder so.
Geht mir genauso. Ich brauche diesen ganzen elektronischen Schnickschnack nicht und wäre froh, wenn endlich mal wieder ein Auto, das sich aufs Wesentliche konzentriert, auf den Markt käme.
si tacuisses 26.04.2013
4. Die Entsorgung der Außenhaut
Zitat von koulekafeDie Kiste is genial. Würde ich sofort kaufen. Da könnte man sich endlich mal wohlfühlen, in dem Auto. Und klein ist es auch noch. Und ein neuer Kotflügel kostet 30E oder so.
aus extrudiertem Polystyrol wird bei den Mengen, die nach 2020 als Sondermüll zu entsorgenden Außendämmungen hunderttausender Häuser anfallen werden, garnicht ins Gewicht fallen.
XRay23 26.04.2013
5.
Interessant wäre das Verhalten beim Crashtest. Ich vermute es weist ein ähnliches Knautschzonenverhalten auf wie ein Radfahrer. Grundsätzlich ist das Ganze somit wohl auch trotzdem nur "eine nette Idee".
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