Toyota: Kraftfahrtbundesamt verschickt erste Rückrufbriefe

An der Rückrufaktion für rund 215.000 Toyotas in Deutschland beteiligt sich jetzt auch das Kraftfahrtbundesamt. Ab Montag verschickt die Behörde die ersten Briefe. Alle Händler sollen inzwischen die Teile besitzen, die für die Reparatur benötigt werden.

Toyota-Logo: Deutscher Absatz um 20 Prozent eingebrochen Zur Großansicht
REUTERS

Toyota-Logo: Deutscher Absatz um 20 Prozent eingebrochen

München - Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven sagte dem "Focus": "Bis Ende der Woche sind 80 Prozent der Metallplättchen bei den Händlern. Innerhalb der nächsten acht Wochen werden wir den größten Teil der Rückrufaktion abgearbeitet haben".

Wegen der Qualitätsprobleme liegt der Auftragseingang bei Toyota Deutschland dem Blatt zufolge aktuell um rund 20 Prozent unter dem des Jahres 2008. "Bis zum Sommer werden wir mit der Diskussion über Qualitätsmängel leben müssen. Danach erwarte ich, dass es wieder aufwärts geht", sagte Uyttenhoven. Das ursprüngliche Absatzziel von rund 100.000 Autos sei "mit der neuen Situation eine kleine Herausforderung".

Der Deutschland-Chef von Toyota übte Selbstkritik bezüglich der Informationspolitik des Unternehmens zu den Rückrufaktionen der vergangenen Wochen. "Es ist sicher nicht optimal gelaufen", sagte Uyttenhoven. Maßnahmen zur Behebung der Mängel "wurden erst während der Diskussion entwickelt. Das hat zu dem Eindruck geführt, wir würden Informationen nur scheibchenweise herausgeben", wird er weiter zitiert.

Händler spricht von "Katastrophe"

Deutschlands größter Toyota-Händler, die Weller-Gruppe, verliert wegen der Qualitätsprobleme des japanischen Autoherstellers massiv Neukunden: "Das ist eine Katastrophe, das kann man nicht schön reden", sagte Geschäftsführer Burkhard Weller dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". 20 Prozent weniger Neukunden als 2009 musste das Autohaus im Januar verkraften. "Das schmerzt", wird Weller weiter zitiert. Der Händler fürchtet, dass die "Treibjagd" auf den japanischen Hersteller weitergehen wird. Rund 7000 Toyotas habe die Weller-Gruppe 2009 verkauft, 500 weniger dürften es 2010 werden. "Das holen wir nicht mehr auf", sagte der Geschäftsführer dem "Tagesspiegel".

Bereits in der vorvergangenen Woche hatten Toyota-Werkstätten mit dem Einbau des Blechteils in die Gaspedale der betroffenen Modelle begonnen. Zunächst sollten die rund 600 Toyota-Händler die ihnen bekannten Kunden anrufen oder anschreiben, um einen Werkstatttermin abzumachen. Unbekannte Kunden, etwa Käufer gebrauchter Toyotas, werden über das Kraftfahrtbundesamt informiert, wie ein Firmensprecher schon früher gesagt hatte. Betroffen sind in Deutschland die Modelle AYGO, iQ, Yaris, Auris, Corolla, Verso, Avensis und RAV4.

hil/apn

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Was deutsche Toyota-Besitzer wissen müssen
Was genau stimmt mit den Gaspedalen nicht?
In seltenen Fällen besteht die Möglichkeit, dass das Gaspedal nicht mit gewohnter Geschwindigkeit in seine Ausgangsposition zurückkehrt. Dann kann es in der getretenen Position verbleiben, und das Auto fährt weiter, statt stehenzubleiben.
Wie kommt es zu diesem Defekt?
Kondenswasser, das durch den Einsatz der Heizung bei kalten Temperaturen oder durch andere Ursachen in das Auto gelangt, kann zu erhöhter Reibung innerhalb des Bauteils führen. Wenn dies geschieht, besteht die Möglichkeit, dass das betätigte Gaspedal langsamer als gewohnt in seine ursprüngliche Position zurückkehrt oder in der betätigten Position verbleibt.
Welche Modelle sind betroffen?
Betroffen sind in Deutschland die folgenden Modelle in den genannten Produktionszeiträumen:

Aygo (Februar 2005 - August 2009)

iQ (November 2008 - November 2009)

Yaris (November 2005 - September 2009)

Auris (Oktober 2006 - 5. Januar 2010)

Corolla (Oktober 2006 - Dezember 2009)

Verso (Februar 2009 - 5. Januar 2010)

Avensis (November 2008 - Dezember 2009)

RAV4 (November 2005 - November 2009)

Warum hat mich Toyota noch nicht informiert?
Erst heute hat Toyota Deutschland die genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge bekanntgegeben. Nach Unternehmensangaben wurden dem Kraftfahrtbundesamt die Fahrgestellnummern aller betroffenen Autos bereits mitgeteilt. In Kürze sollen alle Fahrzeughalter informiert werden.
Wird Toyota mein defektes Gaspedal austauschen?
Nein. In der Werkstatt wird lediglich ein sogenanntes Distanzstück in das fragliche Bauteil eingesetzt. Mit Hilfe dieses Distanzstücks wird der Anpressdruck zwischen zwei Oberflächen reduziert, was zu einer geringeren Reibung führt. Das Distanzstück verstärkt zudem die Druckkraft der Feder, die das betätigte Gaspedal in seine ursprüngliche Position zurückbringt. Der Austausch dauert etwa 30 Minuten.
Kann ich beim Hersteller weitere Informationen bekommen?
Toyota hat eine Rückruf-Hotline unter der Nummer 02234/102-7777 eingerichtet.
Es soll auch Probleme mit dem Hybridauto Prius geben. Geht es da auch um das Gaspedal?
Nein, um ein defektes Bremspedal. Toyota hat in Japan und im Ausland Beschwerden erhalten, dass die Prius-Bremsen auf unebenen Straßen oder bei Schlaglöchern kurzzeitig nicht funktionieren.
Gibt es einen Prius-Rückruf in Deutschland?
Ja, von dem neuen Rückruf bei Toyota sind in Deutschland knapp 4000 Fahrzeuge des Modells Prius betroffen. Wer einen Prius der dritten Generation besitzt, sollte in eine Werkstatt fahren. Das Auto erhält dann ein Software-Update des Antiblockier-Systems (ABS). Betroffen sind Fahrzeuge, die in der Zeit vom 7. April 2009 bis zum 27. Januar 2010 hergestellt wurden..

Fotostrecke
Toyota-Historie: Ein Autohersteller mit IQ
Große Rückrufaktionen
Autohersteller mussten schon oft Fahrzeuge wegen möglicher Sicherheitsgefahren in die Werkstätten zurückrufen. Mehrfach waren mehr als eine Million Wagen betroffen - eine Übersicht.
Oktober 2009
Ein kleiner Schalter beschert dem US-Autobauer Ford die größte Rückrufaktion seiner Geschichte. Weil ein defekter Geschwindigkeitsregler Feuer auslösen kann, muss der Hersteller in den USA 4,5 Millionen ältere Modelle zurückrufen. Von dem seit langem bekannten Defekt des Tempomat-Schalters sind damit seit 1999 insgesamt rund 16 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die Modelle stammen aus den Jahren 1992 bis 2003.
Januar 2009
Der japanische Autobauer Toyota ruft mehr als 1,35 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten, weil es Probleme bei den Sicherheitsgurten und der Abgasanlage gibt. In Japan betrifft der Rückruf rund 526 000 Kleinwagen. Weitere 830 000 Fahrzeuge wurden im Ausland verkauft, vornehmlich in Europa und Nordamerika.
Dezember 2007
Ford ordert 1,17 Millionen Fahrzeuge wegen eines defekten Motorsensors zurück. Es handelt sich um Lastwagen, Geländewagen und Vans der Baujahre 1997 bis 2003.

April 2005
Wegen möglicher Sicherheitsmängel sollen mehr als zwei Millionen Fahrzeuge des US-Autobauers General Motors in die Werkstatt. Darunter sind 1,5 Millionen Kleinlaster und Geländewagen, bei denen es Problemen bei den Sitzgurten gibt. Von dem Rückruf sind hauptsächlich Fahrzeuge in den USA betroffen, darunter der Cadillac Escalade, der Yukon und der Hummer H2.

März 2005
DaimlerChrysler ruft weltweit 1,3 Millionen Mercedes-Personenwagen zur Überprüfung von Elektronik und Bremsen in die Werkstätten zurück. Bei bestimmten Modellen vom Baujahr 2001 an werden Spannungsregler der Lichtmaschine, die Software der Stromversorgung sowie Bremsanlagen geprüft.
November 2004
In Nordamerika sollen fast 1,5 Millionen von General Motors gebaute Fahrzeuge überprüft werden. Rund 947 000 Geländewagen müssen wegen einer schadhaften Heckleuchte repariert werden. Bei anderen Autos gibt es Probleme mit dem Gaspedal.
Januar 2004
Die Chrysler Group ruft 2,7 Millionen Autos der Modelljahre 1993 bis 1999 wegen möglicher Probleme mit dem Automatikgetriebe zurück.
Oktober 2003
Wegen eines Motordefekts ordert der japanische Autobauer Nissan weltweit 2,56 Millionen Fahrzeuge zurück. Betroffen sind 25 Modellreihen, die zwischen April 1998 bis September 2003 hergestellt wurden. In Deutschland und Europa sind die Modelle Almera, Almera Tino, Primera und der Geländewagen X-Trail betroffen. In den USA werden etwa 700 000 Fahrzeuge und in Japan 1,02 Millionen Wagen zurückgerufen. ssu/dpa

Toyota-Hotline

Die Toyota-Hotline zur Rückrufaktion:

02234 / 102-7777


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