Autogramm Toyota Prius+ Spritsparen für alle

Für deutsche Hersteller ist der Hybridantrieb bislang eher grünliches Luxus-Gimmick. Toyota treibt dagegen konsequent die Demokratisierung der Zukunftstechnologie voran. Neuester Trumpf in der Spritspar-Offensive der Japaner: der siebensitzige Prius+.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: Endlich mal ein Auto, dessen Sinn und Zweck sich auch ohne großes Marketing-Tamtam erschließt. Wieso ist nicht schon längst einer auf diese Idee gekommen? Ein familientaugliches Hybridmodell zu bauen, und es zu einem familienfreundlichen Preis anzubieten.

Der Toyota Prius+, Kostenpunkt 29.900 Euro, bringt die Spritspartechnik dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht wird - zu jenen, die nicht beidhändig mit Euros um sich werfen können und für die daher die so genannten Premium-Anbieter von vornherein tabu sind. Hier also ist das Auto für die kosten- und umweltbewusste Familie mit mehr als drei Kindern. Ein Siebensitzer mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,1 Liter je 100 Kilometer.

Das sagt der Hersteller: Toyota kehrt vor allem die Ausnahmestellung des Prius+ hervor. Der Wagen sei der erste Van mit Vollhybridantrieb auf dem europäischen Markt und werde dazu beitragen, den CO2-Ausstoß der Toyota-Flotte in Europa (2011: 122 g/km) weiter zu verbessern.

Außerdem erhoffen sich die Japaner vom Prius+ neuen Schwung für den Hybridantrieb insgesamt. "Vielleicht haben wir in der Vergangenheit zu sehr die Technik betont. Jetzt wollen wir verstärkt auf die Vorteile für die Kunden hinweisen. Immerhin ist der Prius+ der sparsamste Siebensitzer der Welt", sagt ein Firmensprecher.

Das ist uns aufgefallen: Erstens, dass unter anderem sieben Airbags, ein Head-Up-Display, Klimaautomatik und ein Audiosystem mit Touchscreen-Farbmonitor zur Serienausstattung zählen. Zweitens bemerkt man schon nach wenigen Kilometern Fahrt, dass sich dieser Wagen ausgesprochen weich und geschmeidig bewegt. Wer Autos bevorzugt, die sich knackig und straff anfühlen, wird mit dem Prius+ nicht glücklich werden.

Drittens fällt schließlich auf, dass sich Toyota inzwischen um ein ansprechendes Innenraumdesign bemüht, es aber noch nicht rundum glückt. Das zentral positionierte Cockpit ist etwas unübersichtlich und die Anzeige des Navigationssystems wirkt wie aus dem vergangenen Jahrhundert.

Das muss man wissen: Im Prius+ kümmern sich ein 1,8-Liter-Benziner und ein Elektromotor gemeinsam um den Vortrieb; die Systemleistung liegt bei 136 PS, was kein PS zu wenig ist. Per Tastendruck lässt sich die Vortriebsart auswählen: rein elektrisch, sparsamer Eco-Modus oder forscher Power-Modus. Wir kurvten im Eco-Modus flott über Land und am Ende meldete die Verbrauchsanzeige einen Durchschnittswert von 5,3 Liter.

Damit aus dem Prius ein Prius+ und also ein Siebensitzer werden konnte, musste die Nickel-Metall-Hydridbatterie, die beim fünfsitzigen Modell im Heck platziert ist, weichen. Stattdessen kommt im Prius+ ein kompakter Lithium-Ionen-Akku mit vergleichbaren Leistungsdaten zum Einsatz, der hochkant zwischen den Vordersitzen verbaut ist. Also praktisch direkt unter der Armauflage. Das normalerweise dort untergebrachte Ablagefach gibt es nicht im Prius+.

Das werden wir nicht vergessen: Erstens wie angenehm es ist, wenn der Wagen bei geruhsamer Fahrt rein elektrisch angetrieben wird und deshalb nahezu geräuschlos ist. Zweitens ist es immer wieder verblüffend, dass Bordcomputer, auf denen sich die Energierückgewinnung (Rekuperation) und der daraus resultierende Verbrauchsvorteil ablesen lässt, tatsächlich zum spritsparenden Fahren animieren.

Und drittens geht uns nicht mehr aus dem Kopf, wie unsäglich der Farbton "marlingrau metallic" (520 Euro Aufpreis) aussieht. Derart verdruckste und langweilige Farben sollten für Autos, die konzeptionell so frisch und zukunftsgewandt sind, gar nicht erst angeboten werden.

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insgesamt 128 Beiträge
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axelkli 20.07.2012
1. Plug-In
Schade, daß der Prius nicht zeitnah auch als Plug-In-Version analog zu der kleineren Karosserievariante angeboten wird.
chaps 20.07.2012
2. Da könne sich andere Hersteller ein Beispiel nehmen
Der Prius ist wirklich mal eine gelungene Konstruktion, geringer Spritverbrauch, Platz und zu einem guten Preis! Warum machen das andere nicht?
Ditmar 20.07.2012
3. Ich kann nicht
Zitat von sysopJürgen PanderFür deutsche Hersteller ist der Hybridantrieb bislang eher grünliches Luxus-Gimmick. Toyota treibt dagegen konsequent die Demokratisierung der Zukunftstechnologie voran. Neuester Trumpf in der Spritspar-Offensive der Japaner: der siebensitzige Prius+. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,845150,00.html
beurteilen, ob die Verbrauchwerte diese Fahrzeugs korrekt sind. Allerdings durfte ich als Beifahrer eines aktuellen Prius der Strecke Berlin-Hamburg-Berlin beiwohnen, und am Ende kam ein Verbrauch von 8,3L Super Plus dabei heraus (BAB 120-160 Km/h). Ich dagegen mit einem zwei Liter Dieselmotor kam auf selber Strecke und flotterer Fahrt auch nur auf 8,1 Liter Diesel, da frage ich mich doch woher jetzt die 4,1 Liter des "Prius Plus" kommen. Und dann dieses unsägliche Stufenlose Getriebe, einfach grausig, im ersten Moment hat man beim Gas geben den Eindruck es hängt hinten noch etwas dran was die Beschleunigung verhindert. Also wenn der Verbrauch wirklich singt, und beim Gas geben nicht eine "Gedenkminute" eingelegt wird, ist es sicher ein tolles Auto, wenn es sich aber aber wie der aktuelle Prius fahren läßt, kann ich nur sagen nein Danke.
odo_waldo 20.07.2012
4. Das hat Seltenheitswert
So langsam kommen die Tests über Autos mit Hybridantrieb in die Nähe objektiver Berichterstattung. Liegt es an den Autos, die immer besser werden? Oder an den Testern, die langsam begreifen, dass es nicht immer ein deutscher, rumpelnder und rauchender Diesel sein muss um sparsam und sinnvoll zu fahren?
acitapple 20.07.2012
5.
der wagen kommt für mich zwar immer noch nicht in frage, aber zumindest haben sie sich hier von dieser hässlichen, unpraktischen, abfallenden heckpartie verabschiedet. klar, sonst wäre kaum ein 7-sitzer daraus geworden...
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